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Die Studentin Elisa Meyer (31) aus Wien hat einen ziemlich speziellen Job. Sie kuschelt gegen Bezahlung mit Fremden. Warum sie das sogar sehr gern tut, was ihr Freund dazu sagt und wer zu ihr kommt, erzählt sie uns im Interview.

BARBARA: Wie bist du zur professionellen Kuschlerin geworden?

Elisa Meyer: Ich habe einen Artikel über verrückte Berufe gelesen, da stand auch etwas über Kuschler aus den USA. Eine Weile lang habe ich darüber nachgedacht, ob das etwas für mich ist, dann wollte ich es unbedingt ausprobieren. Für mich ist es der perfekte Beruf. Noch besser wäre nur, wenn ich mit Pandababys kuscheln dürfte. Ich mache das einfach super gern, ich könnte den ganzen Tag kuscheln.

Egal, mit wem?

Ich habe überhaupt keine Hemmschwelle, das hatte ich noch nie, ich kuschle mit jedem, der gepflegt ist und gut riecht. Ich mache das ja professionell für Geld.

Was kostet eine Stunde bei dir?

60 Euro.

Wie läuft es ab, wenn ein Kunde dich gefunden hat?

Wir treffen uns erstmal und führen ein Gespräch, um uns kennenzulernen und die Regeln zu besprechen. Dann wird gekuschelt.

Wie sehen denn die Regeln aus?

Es gibt insgesamt zwei Listen. Man darf nicht küssen, unter die Kleidung fassen oder die Bikinizone berühren, keine sexuellen Handlungen vornehmen. Man sollte immer Bescheid geben, wenn es einem nicht gut geht. Wenn ich merke, dass ein Kunde etwas anderes sucht, dann kann ich jederzeit abbrechen.

Ist das schon öfter passiert?

Nein. Ich musste im Nachhinein höchstens schon mal sagen, dass eine bestimmte Regel genauer eingehalten werden sollte. Ich spreche nicht über private Sachen. Wenn jemand zu intim nachfragt oder Grenzen überschreitet, wenn jemand vergisst, dass ich das professionell mache, dann weise ich natürlich wiederholt daraufhin.

Wer kommt zu dir?

Das sind Menschen, die niemanden zum Kuscheln haben oder denen jemand fehlt, der sie in den Arm nimmt. Das sind Leute in allen Altersklassen, die einsam sind oder Burn-out oder Depressionen haben. Etwa zu 80 Prozent sind das Männer. Die Kunden müssen allerdings mindestens 18 Jahre alt sein.

Hattest du es schon mal, dass du jemanden nicht magst oder nicht anfassen möchtest?

Für uns als professionelle Kuschler sollte das keine Rolle spielen, weil Sympathie auf persönlichen Präferenzen basiert. Wir sind Profis, wie gesagt: wir kuscheln mit jedem, der gepflegt ist und gut riecht. Es ist egal, ob ich jemanden mag.

Was haben deine Eltern gesagt, als du von deinem neuen Job erzählt hast?

Mein Vater ist Psychologe, meine Mutter Therapeutin. Sie waren schon leicht besorgt, dass etwas passiert, aber mittlerweile unterstützen sie mich in jeder Hinsicht. Sie sind auch beide Mitglied bei mir im Verein für professionelle Kuschler.

Bist du selbstständig als Kuschlerin?

Es gibt noch keine richtige Berufskategorie, weil wir so neu sind. Ich mache das ja auch nebenbei als Start-up. Ich könnte noch nicht davon leben, im Moment kommen etwa zwei Kunden in der Woche zu mir, aber ich glaube, dass der Job Zukunft hat.

Kannst du dir vorstellen, später einmal hauptberuflich als Kuschlerin zu arbeiten?

Ja, das kann ich. Ich möchte das aber nicht nur für mich machen, ich möchte allgemein Aufmerksamkeit erregen für das Thema "Kuscheln". Damit es nicht so ein Tabu in der Gesellschaft bleibt, damit die Menschen nicht so verklemmt bleiben und mal drüber nachdenken, ob sie genug Berührung in ihrem Leben haben. Ich würde gern zu einem Umdenken anregen.

Hast du eigentlich einen Freund?

Ja, ich habe ihn über das Kuschelprojekt kennengelernt, er hatte sich als Kuschler bei uns im Verein beworben. Es ist leichter für uns, weil er nicht eifersüchtig ist und versteht, was ich mache. Es ist eine Grundvoraussetzung, dass der Partner damit einverstanden ist, was der Kuschler macht, würde ich sagen.

Wird dein Job als Kuschler eigentlich oft falsch eingeordnet?

Das passiert ständig. Die Leute sagen oft, dass Kuscheln das gleiche sei wie Prostitution. Ich muss sehr oft erklären, was ich tue. Kuscheln gehört für die Leute ins Schlafzimmer mit dem eigenen Partner. Am Anfang war ich oft entsetzt darüber, wie die Menschen reagieren, aber ich habe mich daran gewöhnt. Ich versuche einfach mit meinem Verein Aufklärung zu leisten, wir möchten das Kuscheln als Unterstützung bei anderen Therapien etablieren und zeigen, dass es die Selbstheilung beschleunigen kann.

Hast du das Gefühl, dass du das Leben deiner Kunden verändern kannst?

Ich hatte schon Stammkunden, die nicht mehr kommen mussten, weil sich ihr Leben zum Positiven geändert hat. Die haben sich geöffnet, waren selbstbewusster und hatten neue soziale Kontakte. Das ist natürlich der Idealfall.

Elisa Meyer lebt in Wien und ist seit einem Jahr professionelle Kuschlerin. Infos zu ihr, ihrem Verein für professionelle Kuschler und ihren Kollegen findet man auf www.cuddlers.net.