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Bestsellerautorin Henriette Hell erzählt in ihrem neuen Buch "Erst kommen, dann gehen" amüsante Anekdoten aus dem Schlafzimmer. Uns hat sie im Interview erklärt, was wir im Bett von Männern lernen können, warum Sex ab 40 erst richtig gut wird – und warum man niemals einen Orgasmus vorspielen sollte.

BARBARA: Warum sollte man dein Buch lesen?

Henriette Hell: Es soll damit aufräumen, dass wir irgendwelchen Idealen hinterher hecheln wie sie zum Beispiel in Filmen wie "Fifty Shades of Grey" gezeigt werden. Da gibt es eine jungfräuliche Protagonistin, die ihrer ersten Liebesnacht nach kürzester Zeit mit ihrem Lover gleichzeitig zum Orgasmus kommt. Die Menschen sehen das im Kino und denken, das ist normal – und bewerten ihr eigenes Liebesleben als dementsprechend schlechter. Das ist schlimm. Deswegen erzähle ich gerne kleine Geschichten darüber, wie echter Sex ist.

Wie ist denn echter Sex?

Er ist voller Flops und Missgeschicke. Sex muss nicht perfekt sein. Er darf peinlich sein, er darf schmutzig sein, er kann mal zum Lachen und auch mal zum Heulen sein. Wie das Leben. Und das ist gut so – weil Echtheit sexy ist. Gekünsteltes Stöhnen und vorgespielte Höhepunkte sind im Bett absolut kontraproduktiv. Man sollte einfach nicht so früh aufgeben. Es kann Wochen und Monate dauern bis man sich mit einem Partner eingespielt hat.

Und was ist, wenn ich die Zeit nicht habe? Zum Beispiel bei einem One-Night-Stand...

Dann sollte ich mich entspannen. Bei One-Night-Stands können sich viele Frauen nicht so gut fallen lassen, weil das vertrauen fehlt. Vor allem, wenn der Mann auch nervös ist. Vielen Frauen ist es auch gar nicht so wichtig, dass sie kommen. So ein One-Night-Stand ist ja schon so aufregend genug. 76 Prozent der Frauen finden Sex auch gut, wenn sie nicht jedes Mal zum Höhepunkt kommen. Wenn der Typ zu versessen darauf ist, uns zum Orgasmus zu bringen, kann es ja auch anstrengend werden. Bemühen sollte er sich natürlich trotzdem...

Macht es auch mal Sinn einen Orgasmus vorzuspielen?

Um Gottes Willen. Das sollte man nie tun. Da gerät man in einen Teufelskreis, der Mann wird nie erkunden, was du brauchst oder dein individuelles Orgasmusverhalten entschlüsseln.

In deinem Buch geht es vor allem um Menschen um die 30. Wie hängen Alter und Sex zusammen?

Sex wird mit dem Alter in der Regel immer besser. Viele denken, dass er in den 20ern am heißesten ist, weil man noch knackig ist und alle einen wollen. Tatsächlich gibt es unzählige Studien, dass es erst ab 40 richtig abgeht. Man lernt sich selbst einfach über die Jahre immer besser kennen und hat mehr Mut zu sagen, was man möchte. Kommunikation ist beim Sex alles, auch bei One-Night-Stands.

 

Es geht nicht darum, in Bestzeit das ganze Kamasutra durchzuturnen

 

Manche Männer schlafen nach ihrem Orgasmus einfach ein – ohne sich um die Bedürfnisse der Frau zu kümmern. Warum machen sie das?

Gut möglich, dass man für sie nur ein Betthase war. Leider merkt man beim One-Night-Stand erst währenddessen oder postkoital, wenn es ein Griff ins Klo war. Manche Männer müssen auch einfach noch ein paar Dinge lernen, um Frauen im Bett glücklich zu machen. Eigentlich sollte man denken, dass sie die ab einem gewissen Alter mal geschnallt haben, leider ist das oft nicht so.

Was wäre das zum Beispiel?

Dass ein Vorspiel wirklich wichtig ist, weil man nicht einfach vom ersten in den fünften Gang schalten kann. Das funktioniert schon beim Auto nicht.  Dass es verletzend ist, wenn ein Mann nach dem Orgasmus direkt einpennt oder abhaut. Dass das Schlafzimmer keine Turnhalle ist. Es geht nicht darum, wie ein gedopter Athlet in Bestzeit das ganze Kamasutra durchzuturnen.

Und was können wir von den Männern lernen?

Eine Prise Egoismus an der richtigen Stelle ist wichtig, um auf seine Kosten zu kommen. Sich fallen lassen, nicht über Äußerlichkeiten nachdenken, darüber, wie der Po bei Tageslicht oder in bestimmten Stellungen gut aussieht. Männer würden sich mit sowas nie aufhalten.

Henriette Hell (31) arbeitet als Journalistin in Hamburg. 2015 erschien ihr erstes Buch "Achtung, ich komme! In 80 Orgasmen um die Welt". Auf stern.de kann man wöchentlich ihre Kolumnen „Was ich über Sex gelernt habe“ und „Hells Angel“ lesen.

 

 

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"Erst kommen, dann gehen. Die Sexbibel für 21. Jahrhundert" ist im Ullstein Verlag erschienen und kostet 12,99 Euro.

 

 

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