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In Sachen selbstbewusste Weiblichkeit kann die deutsche Helga von der türkischen Ayse eine ganze Menge lernen, findet unsere Autorin. Hier sind ihre neun wichtigsten Lebensweisheiten!

 

1. Es gibt keine hässlichen, nur ungepflegte Frauen

In der Türkei sagt man, ein Gramm Körpergewicht verdecke Makel. Trotzdem: Die Türkin wachst, zupft und peelt. Schönheitspflege gehört zu ihren wichtigsten Ritualen. Am liebsten mit ihren Freundinnen im Hamam. Die deutsche Frau geht in die Sauna, um die Ruhe zu genießen. Die türkische geht ins Hamam, um den neuesten Klatsch und Tratsch auszutauschen und das Beste aus sich herauszuholen. Oder: Güzele uykudan kalkinca çirkine hamamdan gelince bakmali – die Schöne schau nach dem Aufwachen an, die Hässliche nach dem Hamambesuch.

 

2. Wenn es nicht knallt, dann ist es keine Liebe

Was für eine deutsche Liebesbeziehung eine gute Mischung aus Rationalität, Nähe und Distanz ist, ist für Türkinnen einzig und allein Liebe und Schmerz. Und so, wie sie mit der ganzen Seele lieben, so trennen sie sich auch – töten oder getötet werden. Es darf also ein bisschen mehr sein als der verbreitete deutsche Trennungssatz: „Wir haben uns auseinandergelebt.“ Mindestens tausend Messer sollten bildlich ins Herz gerammt werden, damit der Mann auch weiß, was er da verliert. Oder: Atesle oynama elini yakar, kadinla oynama evini yakar – spiel nicht mit Feuer, sonst verbrennst du dir die Hand. Spiel nicht mit einer Frau, sonst brennt dein Haus.

3. Einen Mann musst du führen, nicht vorführen

Die türkische Frau ist die Kanzlerin und der türkische Mann der Bundespräsident in einer Beziehung. Er darf die Entscheidungen seiner Kanzlerin abnicken, aber die Macht liegt in ihrer uneingeschränkten Gewalt. Sie steckt ihre Energie nicht in die oberflächliche Fassade, dafür aber alles in den Innenausbau ihrer Liebe. Ayse ist die Managerin in den eigenen vier Wänden, und Ali darf dafür den Chef nach außen spielen. Oder: Bir evde iki horoz olunca sabah güç olur – zwei Hähne in einem Haus bereiten einen mühevollen Morgen.

 

4. Kinder kriegen, Kinder haben, Kinder lieben

Türkische Frauen lieben Kinder. Ihre eigenen und auch die anderer Mütter. An der niedrigen Geburtenrate ist Ayse wirklich nicht schuld. Türkinnen ertränken ihre und andere Kinder in Fürsorge. Elternzeitmütter, Rabenmütter, Helikoptermütter, solche Schubladen kennen die türkischen Frauen nicht. Es gibt nur Mütter. Und weil sie sich gegenseitig brauchen, machen sie sich nicht runter, sondern unterstützen sich. Oder: Abdal dügünden çocuk oyundan usanmaz – der Verrückte bekommt nicht genug vom Feiern, das Kind nicht genug vom Spielen.

 

5. Tanzen statt spielen

Deutsche Paare schwören auf den Spieleabend. Türkische Frauen nutzen jede Gelegenheit, um zu tanzen. Tanzen bedeutet flirten, erobern, Spaß haben – auch wenn sie in festen Händen ist. Bei türkischen Pärchenabenden steigt also häufig eine Frau auf den Wohnzimmertisch und „schmeißt ein paar Bauchnabel“. Türkinnen ist nichts peinlich. Schon gar nicht beim Tanzen. Oder: Güler yüzlü sirke saticisi eksi yüzlü bal saticisindan mutludur – ein lachender Essigverkäufer ist glücklicher als ein griesgrämiger Honigverkäufer.

 

6. Entscheidend ist nicht, wer oben liegt

Als Ayse als Teenager den Orgasmus entdeckte, hat sie heimlich unter der Bettdecke so lange ausprobiert, bis er perfekt war. Deshalb weiß sie als Frau ganz genau, wo man wann was drücken muss. Das Bett ist für sie nicht der Ort, an dem sie ihre Emanzipation beweisen muss. Der Blowjob ist für Ayse nicht frauenverachtend, sondern viel mehr ein Liebesbekenntnis – nur ohne Worte. Und das beruht natürlich auf Gegenseitigkeit. Wie du mir, so ich dir, ist ihr Motto. Oder: Ögrenmenin yasi yoktur – zum Lernen ist man nie zu alt.

 

7. Wenn gut ist, ist gut

Türkische Frauen haben die gleichen Probleme wie alle: das Alter, die Zukunft, die Figur, die Kinder. Der Unterschied liegt darin, wie Ayse damit umgeht: Während sich die deutsche Frau an den Dingen festbeißt, löst die türkische Frau, was zu lösen ist, aber gibt den unlösbaren Herausforderungen nicht die Macht, ihr Leben zu dominieren. Oder: Dereyi görmeden paçayi sivama – krempel nicht die Hose hoch, bevor du den Bach siehst.

 

8. Der Mann zahlt, und Basta!

Niemals, niemals, niemals würde eine türkische Frau beim ersten Date die Rechnung teilen. Die deutsche Frau zahlt ihr Essen im Restaurant selbst, um dem Mann zu signalisieren, dass sie nicht käuflich ist. Eine türkische Frau sagt sich: In diesem Kleid brauche ich nie wieder ein Portemonnaie. Sex ist absolut tabu beim ersten Treffen. Um ja nicht in Versuchung zu geraten, hat sie ein wirksames Verhütungsmittel: Sie entfernt die Körperhärchen absichtlich nicht vor dem ersten Date. Denn: Ask basa gelirse, akil bastan çikar – kommt die Liebe, geht der Verstand.

 

9. Wenn’s nicht passt, ist es nicht für deine Figur gemacht

Weil die türkische Frau ihre Weiblichkeit schon von klein auf ausleben durfte, geht sie später ganz selbstverständlich mit ihren Kurven um. Das Gewicht spielt keine Rolle, eine Türkin zieht sich ihrem Körper entsprechend an. Nicht dem Wetter, der Bequemlichkeit oder der Mode entsprechend. Eine Türkin wird sich nie lustlos anziehen, weil sie dem Leben eine Chance gibt, der man nicht unpassend gekleidet begegnen möchte. Oder: Güzellik ondur dokuzu dondur – gibst du der Schönheit eine Zehn, sind neun davon die Kleidung.