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Was Bauchfrei in den 90ern war, ist heute "Flanking": Freie Knöchel rund ums Jahr, auch bei arktischen Temperaturen. Was genau hat es mit diesem seltsamen Trend auf sich und, viel wichtiger: Kann man davon sterben?

Flanking – hört sich erstmal nach Sport an. So eine schön hohe Bananenflanke in den Strafraum und...TOOOOR! Oder aber nach Supermarkt-Sport – nichts ahnend geht man auf eine freie Kasse zu und wird plötzlich von gehässigen Senioren "flankiert", die ausgerechnet zu Stosszeiten Kamillentee und Butterkekse aufstocken müssen.

Tatsächlich hat Flanking aber gar nichts mit Sport zu tun, sondern mit Mode: Das Kunstwort ist zusammengesetzt aus dem englischen "flashing", was "aufblitzen" bedeutet – man erinnere sich an all die glorreichen "Nippelblitzer" der Popkultur – und "ankle", also Knöchel. Beim Flanking werden die Hosen also hoch gekrempelt und die nackten Knöchel zur Schau getragen – Socken sind, wenn überhaupt, nur pro forma versteckt im Schuh vorhanden. Also ungefähr so:

Historiker vermuten ja, dass der Trend im berüchtigten, Berliner Hipster-Untergrund von Neuköln während einer Mate-durchzechten Nacht entstand. Harter Elektro prallte von den Wänden. Schweiß tropfte als Kondenswasser von den Heizungsrohren im Kellerclub. Dem 29-jährigen Grafikdesigner Paul W. war das zu viel. Gemäss Augenzeugen habe er seine Hornbrille auf den Tresen gelegt, nochmals MDMA getankt und dann, vom Strobo erleuchtet, die Skinny-Jeans hoch gerollt und die Socken in die Schuhe gestopft. Der Knöchel war frei, Paul W. eine Legende und die Modewelt revolutioniert.

Ist das gesund?

Pauls Lebensstil? Sicher nicht. Über die Sinnhaftigkeit vom Flanking streitet man sich jedoch noch. Fussgelenk zeigen hilft im Sommer bei 30 Grad im Schatten ja bestimmt, aber mittlerweile hat sich der Trend in den Winter ausgeweitet. Egal ob Eiswind, Eisregen oder Tiefschnee, überall blitzen nackte Knöchel hervor. So quasi: Je grösser der Schal, desto kürzer die Jeans. Desto kleiner der Beanie, desto grösser der Starbucks-Decaf (weil alles ist Mathe).

Jetzt aber mal ernst. Mediziner sagen, es kommt einzig auf die Abwehrkräfte an: Freiliegende Knöchel können dafür sorgen, dass der Körper die Kälte kompensieren muss. Das Immunsystem ist nicht mehr ganz so leistungsfähig und tadaaa! schon ist man schneller erkältet. Gerade durch Flanking kann man das Abwehrsystem aber auch abhärten – das empfiehlt sich aber eher im Herbst, wenn es eben noch nicht ganz 5 Grad unter dem Gefrierpunkt hat. Kurz: Wer robust genug ist, darf die Hose gern bis zu den Knien hoch krempeln – wer hingegen schnell hüstelt, sollte lieber Wollsocken montieren.

Was sagt die Mode?

Flanking ist erstaunlich kompatibel. Ob Frau oder Mann, ob Business-Look, Casual Friday oder sportlich: Nackte Knöchel kombinieren sich leicht mit so manchem Outfit, insbesondere wenn man Abwechslung von langweiligen, schwarzen Socken braucht. Kleiner Gratis-Tipp der BARBARA-Redaktion: Seid doch so vernünftig und achtet ein wenig auf den Kontrast. Blendend-weisse Beine über einem tiefschwarzen Halbschuh sind jetzt eher so eine modische Backpfeife. Dann doch lieber zuerst für etwas Bräune sorgen und schon steht der Frischluft nichts mehr im Wege.