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Während seine Frau als SAP-Beraterin um die Welt jettet, kümmert sich Andreas Walter in Georgsmarienhütte um den gemeinsamen Sohn und den Haushalt. Ein Mann mit einer Karrierefrau – wie funktioniert das?

Finanziell stehen wir wegen Yvonnes Arbeit sehr gut da. Aber es wäre ja grauenhaft, wenn ich meine Männlichkeit über Geld definieren würde. Wir sind gleichwertig, und meine Frau hat schon immer mehr verdient als ich – bis auf die Zeit, in der ich zur See fuhr. Mit 21 heuerte ich auf dem Kreuzfahrtschiff „Crystal Harmony“ an. Dort wurde ich schnell vom Hilfskellner zum Chef-Butler befördert. Ich besaß den Offiziersstatus, erlebte die tollsten Sachen und verdiente für mein Alter unfassbar viel – bis zu 25 000 Dollar im Monat. Das Geld gab es bar, das habe ich in der Kabine überall reingestopft, weil ich nicht wusste, wohin damit. Das war eine super Zeit, so unbeschwert. Wenn ich meinen Freunden erzählte, was ich alles erlebt hatte, konnten die sich das gar nicht vorstellen. Ich habe wirklich die ganze Welt gesehen.

Yvonne habe ich in Düsseldorf kennengelernt. Sie hat damals sogar für mich gearbeitet, als Aushilfe. Wir zogen später zusammen, und sie hat sich als SAP-Beraterin selbstständig gemacht. Das lief gleich sehr gut, weil sie wahnsinnig korrekt und ehrgeizig ist und auch noch programmieren kann. Eine seltene Kombination. Ich kann schon sagen, dass ich ihre Arbeitsethik bewundere. Als unser Sohn Oscar 2009 auf die Welt kam, schlug Yvonne vor, dass ich wieder arbeiten gehe. Aber dann haben wir gerechnet. Ich war damals im Vertrieb, und Yvonne verdiente 50 bis 60 Prozent mehr als ich – und sie kann ihren Job nicht halbtags machen. Da war es nur logisch, dass wir entschieden haben: Ich passe weiter auf Oscar auf.

Dass ich damals Elternzeit nahm, fand ich völlig normal. Mein Vater nicht. Er ist sehr konservativ aufgewachsen und hat die Ansicht, dass ein Mann das Geld nach Hause bringen müsse. Er hat mich gefragt, wie es sein könne, dass nur meine Frau arbeitet. Da kamen oft Bemerkungen wie „Willst du nicht wieder arbeiten?“ oder „Wer bezahlt das alles?“. Das hat mich schon gestört, weil es wertend gemeint war. Das hat mir so einen Stempel aufgedrückt. Da stand drauf: „Du machst dir ein schönes Leben, und deine Frau geht arbeiten.“ Als ich noch zur See fuhr oder später einen Golfklub leitete, da war das anders. Da ist mein Vater vor Stolz fast geplatzt. Inzwischen akzeptiert er die Art, wie ich lebe, und sagt nichts mehr dazu. Er ist aber nun auch sehr stolz auf meine Frau.

„Manche Sprüche tun heute noch weh.“

Heute arbeite ich in der Firma meines Schwagers. Das Gute ist, dass ich mehr oder weniger kommen und gehen kann, wann ich will. Als ich dort anfangs Gartenarbeiten erledigte, kamen manchmal Sprüche von Kollegen: „Na, deine Frau am Malochen und du am Rasenmähen?“ So etwas ist nicht nur als Spaß gemeint. Das tut mir heute nur noch ein bisschen weh, wenn ich einen schlechten Tag erwischt habe. Sonst kontere ich einfach mit einem Spruch. Es ist ja nicht so, dass ich nur zu Hause sitze und die Wäsche mache. Ich gehe arbeiten, lege als DJ auf und kümmere mich um Oscar. Der ist in der zweiten Klasse, da geht es jetzt schon los, dass die Schüler voneinander wissen wollen, was der Papa macht. Oscar sagt oft, dass ich DJ sei. Jetzt ist das noch okay, aber das Thema wird mit der Zeit sicherlich schwieriger. Manchmal fragt er bei seinen Freunden zweimal nach: „Sag mal, deine Mutter, die arbeitet nicht? Gar nicht?“ Und dann findet er es erstaunlich, dass Mütter den ganzen Tag zu Hause sind.

Meine Frau erklärt unsere Arbeitsaufteilung so, dass sie ihren Job nur machen kann, weil ich es ihr ermögliche. Ich halte ihr den Rücken frei. Meine Frau hat in ihrem Job manchmal ungeheuren Druck, den sie dann zu Hause ablässt. Es ist auch Teil meiner Aufgabe, das abzufedern. Wenn Yvonne am Samstag aus New York wiederkommt, erzählt sie mir drei, vier Stunden, was alles passiert ist. Fachlich verstehe ich natürlich wenig, dafür kann ich ihr beim Zwischenmenschlichen Tipps geben. Ich habe ihr zum Beispiel mal richtig gute Beraterwitze zusammengestellt, die sie dann bei Terminen erzählt hat. Da sind die Leute ausgetickt, das kannten die nicht. Yvonne bewegt sich ja auch in einer umgekehrten Welt, weil sie manches Mal als einzige Frau mit vielen Kerlen am Tisch sitzt. So gleicht sich das aus.