Kategorie
Foto: Facebook

Heute sind alle nackt. Im Internet und im Fernsehen. Interessiert keine Sau mehr. Als die Amerikanerin Candace Jordan sich in den Siebzigern für den „Playboy“ auszog, war das aber noch eine große Sache. Und alles andere als schmuddelig

BARBARA: Wie kamen Sie in den Siebzigern zu Puschelschwanz und Hasenöhrchen?

Candace Jordan: Ich bin in einem 3000-EinwohnerOrt in Süd-Illinois aufgewachsen. Auf der Highschool war ich Jahrgangsbeste, aber trotz Stipendium hatte ich keine Lust auf die Uni. 1973 bekam ich über eine Freundin einen Job als Bunny in einem Playboy-Club. Es folgten die ersten Fotos, sechs Jahre später wurde ich Dezember-Playmate. Seitdem war ich neunmal auf dem Cover, in Ausgaben auf der ganzen Welt.

Was war so besonders daran, sich für ein Magazin auszuziehen?

In meiner Zeit war es eine riesige Sache, Playmate zu sein. Wir waren die Größten! Uns hat man in Werbekampagnen gesehen, in Filmen, ich hatte zum Beispiel eine kleine Rolle in einem Tom-Cruise-Streifen. Ein Plakat von mir hing in New York auf dem Times Square.

Wie sind Ihre Eltern mit Ihrem Ruhm umgegangen und Ihren Fotos?

Die waren relaxt, haben mir immer vertraut. Ich habe schon mit 13 gemodelt und hatte viel Erfahrung vor der Kamera. In einem Fernseh-Interview wurde mein Vater mal gefragt, was er davon hält. Er sagte: „Wenn sie mir so viel gezahlt hätten, hätte ich mich auch ausgezogen!“

Hat es Sie genervt, ständig von Männern angemacht zu werden?

Ich habe als Bunny in dem Playboy-Club nie negative Erfahrungen gemacht. Man hat da immer sehr auf unsere Sicherheit geachtet und darauf, dass wir mit Respekt behandelt werden. Wenn sich ein Gast nicht benahm, flog er raus und verlor seine Mitgliedskarte.

Wie haben andere Frauen darauf reagiert, dass Sie sich auszogen?

Ich habe heiße Diskussionen mit sogenannten Feministinnen geführt, die mich verurteilt haben. Ich fand das heuchlerisch, denn die Idee vom Feminismus ist ja, dass Frauen die Wahl haben sollen. Ich habe die Entscheidung, mich für den „Playboy“ auszuziehen, nie bereut. Es war eine große Chance für mich. Ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich heute bin.

Haben Sie sich als nackte Frau in einem Männer-Magazin nie als ein Sexobjekt gefühlt?

So habe ich mich nie gesehen. Hugh Hefner hat uns auf ein Podest gehoben und uns immer das Gefühl gegeben, dass wir etwas Besonderes sind. Es waren die goldenen Zeiten des „Playboys“, und ich bin glücklich, dabei gewesen zu sein.

Hugh Hefner, da kommen einem gleich die Bilder von einen alten Mann im Satin-Morgenmantel.

Ich habe in der Playboy-Villa in Chicago gelebt, als Hugh Hefner da gerade seinen Wohnsitz hatte. Er war ein Gentleman! Ich erinnere mich noch, wie er uns Einladungen unter der Tür durchschob, mit ihm an seinem Geburtstag Kuchen zu essen. Es hat mich nie gewundert, dass junge Frauen von ihm fasziniert waren. Er wird immer eine Ikone bleiben, er hat den Blick auf Sexualität verändert. Mein Mann und ich sind später noch auf viele seiner Partys gegangen. Die vermisse ich sehr.

Was für Gäste kamen denn so zu den Partys in die Playboy-Villa?

Jeder Star, der damals in Chicago unterwegs war, schaute vorbei: die Rolling Stones, Elton John, Warren Beatty. Die habe ich alle getroffen.

Gab es auch Konkurrenz unter den Häschen – hauen, stechen, beißen?

Die anderen Bunnys waren wie Schwestern für mich. Ich bin als Einzelkind aufgewachsen, und plötzlich lebte ich mit einer Gruppe Frauen zusammen, von denen die meisten aus kleinen Städten kamen, genau wie ich. Playmates in dieser besonderen Ära des Magazins zu sein, das hat uns alle zusammengeschweißt. Mit vielen bin ich auch heute noch eng befreundet.

Heute gibt es das Internet, das voll ist mit Nacktheit und Pornografie. War früher alles besser?

Jeder kann Nacktfotos von sich posten. Das ist nicht aufregend, oft sind die Bilder auch noch schlecht. Es geht nur noch um Nacktheit, nicht um Ästhetik. Ich finde es sehr traurig, dass nichts mehr der Vorstellungskraft überlassen wird. Die Art der Fotografie, das „Mädchen von nebenan“ zu zeigen, hat den „Playboy“ damals so erfolgreich gemacht. Die Bilder waren sinnlich, aber sexuell nicht so freizügig, so aggressiv wie heute. Das wird sich nicht mehr ändern. Diese Exklusivität ist für immer dahin.

Seit Februar zeigt der US-„Playboy“ keine nackten Frauen mehr und orientiert sich an Instagram-Bildern.

Die Bilder sind so schrecklich! Und es geht mir dabei nicht darum, dass sie weniger Nacktheit zeigen wollen, Gott, nein! Die Mädchen haben so glasige Augen, starren in die Ferne. Dass so etwas aus Hugh Hefners Vision geworden ist, macht mich traurig. Ich fände es besser, es würde den „Playboy“ gar nicht mehr geben als in dieser Form. Der arme Hef wäre damit sicher auch nicht glücklich.

Die Playmates von heute gefallen Ihnen also nicht?

Ich bin schon so lang mit dem „Playboy“ verbunden und kenne viele der Frauen, die dieses Heft groß gemacht haben. Sie waren umwerfend, vielfältig und auf eine bestimmte Art nahbar. Die neuen Cover-Models sind das nicht. Das Model Camille Rowe zum Beispiel sah auf dem Cover aus wie eine Drogenabhängige. Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer von den langjährigen „Playboy“-Lesern so etwas sexy findet.

Wären Sie heute jung, würden Sie sich immer noch ausziehen?

Da bin ich mir nicht sicher. In den 70ern war es etwas Exotisches, und die Fotografen waren Künstler. Ich bin immer noch stolz auf meine Bilder von damals. Auch heute noch gibt es Fans, die mir Fotos schicken, damit ich sie signiere.

Foto: Instagram

Candace Jordan, 64, interviewt Promis auf dem roten Teppich und stellt das auf „CandidCandaceTV“.