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Quelle: Artem Kovalev, Unsplash
Was echtes Glück ist, erkennt man oft erst in dunklen Zeiten. Unsere Gastautorin hat erst durch ihre Krebserkrankung so richtig zu sich gefunden. Und umarmt heute jeden Tag aufs Neue das kleine und große Glück

Glück bedeutet für mich, an seine Träume zu glauben. Lass dir von niemanden sagen, dass etwas nicht geht. Hätte ich 2011 während meiner Genesung all den Menschen geglaubt, die mir Grenzen setzen wollten, mich in meiner positiven Sicht einschränken wollten, würde ich diesen Artikel nun nicht schreiben. Mein Traum war es, wieder gesund zu werden. Ich habe riesiges Glück gehabt. Habe mich entschieden zu kämpfen. Ich habe JA zu mir gesagt. Ich habe meine Maske abgesetzt. Meine wirklichen und wahren Potentiale und Talente konnten sich entwickeln. Mutig zu sein, endlich ich selbst zu sein. Das macht mich glücklich!

Jahrelang habe ich mir Dinge nicht erlaubt, aus Angst, was andere denken könnten. Glücklich sein ist eine Entscheidung. JA zu dir und zum wundervollem Leben. Egal wo du dich grad befindest. Täglich das Leben zu genießen. Gesund zu sein, demütig, dankbar, mich und jeden Tag mit meiner Familie zu genießen. Doch wenn du dann morgens eine Diagnose erhältst, die dir sofort zeigt, es ist STOP in deinem Leben, jetzt. Dann ist alles anders. Glück bedeutet für mich auch, morgens in den kuscheligen Bademantel von meinem Mann zu schlüpfen, barfuß über den nassen Rasen zu gehen, um dann in meiner Outdoor Dusche kalt zu duschen... Teilweise habe ich „Gefrierbrand“ an den Füßen, es ist trotzdem immer wieder so schön, meinen inneren Schweinehund zu überwinden, der viel lieber im Bett liegen bleiben oder unter der heißen Dusche den Tag „entspannt“ starten möchte. Ich lebe! Das wird mir jeden Morgen dadurch immer wieder bewusst, ich genieße es sehr. Wenn die Sonne morgens langsam aufgeht, ich mit einem frischen Kaffee auf meiner Bank im Garten mitten in der Natur sitze, meditiere. Dann bin ich echt glücklich!

Meine Familie schläft dann noch. Ich bin dankbar, dass sie bei mir sind, dass sie gesund sind, dass wir uns haben. Sie sind ebenfalls mein großes Glück! Diese Dankbarkeit, diese Demut, die war nicht immer da. Im Gegenteil... Ich war sehr oberflächlich, habe mich nur wertvoll gefühlt, wenn ich top gestylt war, wenn meine Haare perfekt lagen, wenn unser Haus picobello sauber war und ich mich immer gut im rechten Licht präsentieren konnte. Meine Prioritäten haben sich seit dem deutlich verändert. Meine Einsstellung zum Leben und vor allem zu mir selbst. Ich kann mich noch sehr gut an den Tag erinnern, als das Telefon klingelte. Es war der 6. Oktober 2011. Meine Frauenärztin sagte, „Frau Greschner, wir haben etwas gefunden". Ich sehe die ganze Situation noch vor meinem geistigen Auge. Ich setze mich auf die Treppe und dachte: „Ne, ich nicht.“

Ich will nicht sterben!

Und dann: Das ist sch****! Warum ich? Es waren 100.000 Gedanken, die durch mich durchgerast sind. Wo steht eigentlich der Kaffee, den ich meinem Mann grad bringen wollte? Und direkt danach: Ich will nicht sterben. Erst Verzweiflung pur, dann hat es meinen Kampfgeist geweckt. Ein emotionales Achterbahnfahren – nur ohne Spaß. Wenn du von einem Tag auf den anderen die Diagnose Krebs erhältst, dann hast du zwei Möglichkeiten. Entweder rein ins Tal des Jammerns und schauen, was du alles verpassen könntest ODER entscheiden glücklich zu sein, „mit ohne Haare,“ mit Rundungen, die nicht immer da sind, wo sie hingehören. Dann lernst du das Leben, besonders die Dinge, die sonst ziemlich selbstverständlich waren, vor allem dich selbst, richtig schätzen und lieben.

Meine Familie hat 2011 und 2012 so viele Emotionen durchlebt, durften mich mit meinem „Mitbewohner“ dem Krebs und mit Glatze erleben. OPs, Chemo, Ängste, was wird... meine Gefühle dazu, wie es ist, keine Haare zu haben. Mein Glück, damals wie heute, dass ich meine Familie habe. Sie sind mein Fels in der Brandung, sie stützen mich, sie gaben und geben mir die Kraft und sie lieben mich so wie ich bin. Glück pur! Und keine Selbstverständlichkeit. Ich habe die kleinen Dinge des Lebens wieder sehr zu schätzen gelernt. Meine Entscheidung, den Krebs offensiv und dankbar in mein Leben aufzunehmen, anzunehmen, um ihn dann liebevoll loszulassen. Und das alles mit einer Portion Humor.

Offensichtlich konnte mir kaum jemand, der es nicht wusste, ansehen, dass ich Krebs habe, denn ich hatte eine erstklassige Perücke. War ziemlich praktisch, morgens zackig im Bad, ein Miniklecks Foundation, etwas Tusche auf die wenigen Wimpern, Haare aufgesetzt – fertig. Fiel es mir leicht? Nein, es fiel mir nicht immer leicht. Ich habe mich eingeigelt, habe Rotz und Wasser geheult. Das darf und musste auch sein, denn die Emotionen wollten ja raus. Für mich waren das sehr wichtige Gefühle und Momente, die ich erleben durfte. Denn meine Haare waren mein Heiligtum, bis ich sie am am 23.12.2011 freiwillig abgegeben habe.

Meine Humor habe ich nie verloren!

Ich habe mich nicht tiefer ins Loch gebuddelt, sondern ich habe meinen Spaten an der Garderobe abgegeben. Auch hier habe ich Dank meiner tollen Familie ein Umfeld gehabt, die mir Raum zum Weinen und Motzen gegeben haben. Mir dann aber auch gesagt haben: „Reiß dich jetzt zusammen, wo ist dein Fokus?“. Das sind ebenfalls auch im Nachhinein echte Glücksmomente. Denn diese Liebe ist nicht selbstverständlich. Mein Humor, den habe ich mir – fast – immer erhalten. Egal in welcher Situation ich gerade war. Meine Lebenslektionen haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich jetzt bin. Ich fühle mich reich beschenkt, an Erfahrung, an Liebe, an Demut. Ich bin sehr glücklich.

Bei einer Familienfeier habe ich das Beduinenzelt ohne Haare betreten, diese hingen nämlich am sehr niedrigen Zelteingang. Gott sei Dank waren im Zelt nur zwei Personen, mit mir drei. Es war ein Sommertag und die meisten Gäste waren im Garten. Meine Cousine und mein Mann schauten mich mit großen Augen an. Sah sicherlich zum Piepen aus... Ich habe dann erst entsetzt ein undefinierbares Geräusch von mir gegeben, dann gelacht und meine Haare schnell wieder – leicht schief – auf meinen Kopf verfrachtet.

Zur Anschlussheilbehandlung durfte ich auf die wunderschöne Insel Sylt reisen. Für mich ein Traum. Meer, Dünen, Wind. Wind? Hilfe, im Sommer, baden, Spaziergänge am Strand. Mein Gedanke war: „,Was ist, wenn die Perücke ins Meer fliegt?“. Also bei sommerlichen Temperaturen meine Kapuze auf, eng geschnürt, man weiß ja nie, rauf aufs Rad und die Insel erkundet. Es war quasi so halbes Glück. Ich wollte es genießen, habe jedoch oftmals meine Ängste spazieren gefahren. Eine Lösung musste her. Diese kam mit einer lieben Mitpatientin, die mir Mut zugesprochen hat, doch meiner Perücke hier auf Sylt eine Auszeit zu gönnen. Gewissermaßen in den Erholungsurlaub zu schicken. Nach dem Essen bin ich hoch aufs Zimmer, Haare abgesetzt, mich im Spiegel bewundert, wieder eine Entscheidung getroffen, der Perücke ade gesagt: „Du bleibst hier, Dich brauche ich nicht mehr“. Runter in die Lobby und mich mit meiner flotten Kurzhaarfrisur à la Sylvie Meiss gezeigt.

Für irgendwas ist all das gut!

Klar wurde ich ab und an mal komisch angeschaut. Es waren auch mal doofe Gefühle dabei. Dennoch war ich sehr stolz auf mich. Das war ebenfalls ein echter Glücksmoment! Seitdem ist es mir schnurzpiepegal, wenn ich mal einen „bad hair day“ habe. Diese neue Leichtigkeit machte und macht mich sehr glücklich. Auf meinem Weg der Gesundung, mit dieser Einstellung und der Entscheidung glücklich zu sein, veränderten sich automatisch meine gesamten Lebensbereiche. Mir wurde bewusst, für irgendwas muss all das gut sein. Ich habe eine weitere wichtige Entscheidung getroffen.

Meine Motivation und absolute Lebensaufgabe besteht darin, mit viel Herz, Klarheit und Empathie Frauen – besonders berufstätigen Müttern – Impulse und einfache Werkszeuge für die Umsetzung an die Hand zu geben. So, dass sie für sich eine gesunde Work-Life-Balance finden. Dass sie mit Leidenschaft ihr Business - und den beruflichen Erfolg genießen können und gleichzeitig genügend Kraft und Energie für die Familie haben. Frauen zu inspirieren, dass sie sich von Meinungen und Erwartungen anderer lösen, MUT zu haben, endlich sie selbst zu sein. Hör auf deine Intuition und deinen Körper! Das ist einer der wichtigsten Impulse, die ich meinen Kundinnen im Coaching gebe. Denn mein Körper hat mir bereits vor der Diagnose Krebs eindeutige Signale gegeben. Migräne, geistige und körperliche Erschöpfung, die ich jedoch immer fleißig ignoriert habe. Ich musste ja „funktionieren“. Dieses Gefühl sich permanent im Kreis zu drehen, den Fokus zu verlieren und so weder Beruf noch Familie gerecht zu werden, ganz zu schweigen von sich selbst, kenne ich sehr gut.

Es macht mich sehr glücklich, wenn ich bei meinem Coachings sehe, wie die Kundinnen immer mehr über sich hinauswachsen, immer mehr in ihre eigene Kraft kommen und für sich erkennen, was sie wirklich, wirklich wollen. Sich endlich zu trauen, sie selbst zu sein. Ob es ihr eigenes Business ist oder sie derzeit in der Lebensumbruchphase sind.

Glücklich sein ist eine Entscheidung.

Mehr über Bettina Greschner auf: www.bettinagreschner.de

Oder ihrem Podcast: 

http://bettinagreschner.libsyn.com