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Manche nennen es Pessimismus und finden das total negativ. Dabei kann es so befreiend sein, mal so richtig übel drauf zu sein und ausschließlich tiefschwarz zu sehen. Wir wissen auch, warum...

Alle wollen heute superoptimistisch und immer positiv sein und natürlich nur das Beste im Leben sehen. Dabei kann es nur ungesund sein, jedes schlechte Gefühl zu unterdrücken. Manche Dinge sind eben einfach sch****.  Wir finden, es ist höchste Zeit, mal wieder echt mies drauf zu sein, nur das Schlimmste zu erwarten – und das auch ausführlich der ganzen Welt zu zeigen:

1. Großartige Ideen entstehen gern durch trübe Gedanken! Schon mal ein Genie gesehen, das dauergrinsend durch die Gegend gelaufen ist? Vermutlich nicht. Die größten Liebeslieder entstehen zum Beispiel vor allem durch echten Kummer, blinde Wut und tiefe Depression. Nicht etwa durch ungebrochenen Optimismus. Der ist sicher auch mal ganz gut, aber eben nicht ohne entsprechenden Gegenpol.

2. Schlechte Laune rauszulassen ist gesund. Ja, psychologisch ist das sogar wertvoll. Das heißt jetzt nicht, dass man wahllosalle anschreien oder mit seiner miesen Laune nerven sollte. Ab und an mal auf den Tisch zu hauen und seine negativen Gefühle zu zeigen, ist allerdings befreiend – und gilt sogar unterv Psychologen als offizielle Burn-out-Prophylaxe. Diese Strategie funktioniert allerdings nicht, wenn man sich vorgenommen hat, zu dem Schlag Mensch zu gehören, für den das Wetter sogar dann wunderschön ist, wenn es hagelt, schneit und stürmt. Mal abgesehen davon, dass niemand ernsthaft immer alles super finden kann, oder?!

3. Es hält einem nervige Zeitgenossen vom Leib. Der Kollege, der etwas aufdringlich ist und wahrscheinlich sogar verliebt, geht einem nach ordentlich mit leidender Miene geschnauztem "Ich will heute nicht reden, ich bin megaübel drauf – und das hier klappt sowieso alles nicht" und anschließender Gesprächsverweigerung sicher demnächst sehr viel weniger auf die Nerven. Gilt auch für anstrengende Kinder oder Tiere, die verstehen Launen nämlich erstaunlich schnell und ohne viele Worte. 

4. Man wird nicht enttäuscht! Diejenigen, die davon ausgehen, dass alles genau nach Plan laufen wird und eventuell sogar noch wunderbarer als in ihren Vorstellungen, erleben zwangsläufig in ihrem Leben die ein oder andere wirklich bittere Enttäuschung. Als ordentlicher Zweckpessimist wird man dagegen sehr oft sehr positiv überrascht. 

5. Wer sieht, dass das Glas halb voll ist, genießt den Inhalt viel mehr. Jeder, der "Der Club der toten Dichter" gesehen hat, weiß, was "carpe diem" bedeutet. Tatsächlich ist das Leben in der Annahme, dass es morgen vorbei sein könnte, noch viel schöner. Natürlich muss nicht jedes zu schnelle fahrende Auto das nahende Ende bedeuten, aber mal schön pessimistisch darüber nachzudenken, dass unser irdisches Leben endlich ist, kann uns dazu bewegen, endlich Dinge in Angriff zu nehmen, die wir sonst aufschieben würden. Und wenn es nur der nächste Urlaub ist.