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Frau schaut nachdenklich aus Zug – Depression Foto: Jad Limcaco / Unsplash

Allein in Deutschland erkranken jährlich über Fünf Millionen Menschen an Depressionen. Neben den Krankheitssymptomen belasten die Betroffenen auch die Reaktionen und das Unverständnis ihres Umfelds. Vielleicht sollten wir also einfach mal den ein oder anderen Kommentar stecken lassen. 

Depression ist die Krankheit unserer Zeit. Jede vierte Frau (und 'nur' jeder achte Mann) wird von ihnen mindestens einmal im Leben heimgesucht. Nicht jeder, der mal länger traurig ist, ist gleich auch depressiv. Depressionen sind ungebetene Gäste, die meist nicht so schnell wieder gehen wollen. Sie bringen oft auch noch ihren großen Bruder mit: die Antriebslosigkeit. Die Kombination aus anhaltender Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit ist kaum zu ertragen. Wie eine fette Party, nur andersherum. Wenn dann auch noch die Stimmungskanone Panikstörung vorbeischneit, feiert deine Seele die Party des Jahrhunderts – nicht. Als seien diese Zustände von Traurigkeit, Leere, Lethargie gepaart mit Grübelzwang und Negativspiralen nicht schon belastend genug, packt das Umfeld der Betroffenen manchmal noch eine Schippe drauf.

„Lach doch mal. Ist alles nicht so schlimm.“

Ja, nee ist klar. Das sind die besten Ratschläge. Die Situation schön runterspielen. Ganz prima sind auch die Verurteiler: „Stell dich nicht so an!“ oder „Du hast Probleme!“ sind nur zwei Aussagen, die Betroffene und deren Gefühle abwerten. Richtig unter die Haut geht es, wenn gut gemeinte Ratschläge aus dem näheren Umfeld nach hinten losgehen: „Du musst einfach nur mal wieder unter Leute kommen", "Tu was!". Klar, das steht nicht nur in diversen Selbsthilfeforen und Büchern, sondern das wissen auch die Betroffenen. Sie wissen es und sie würden es gern umsetzen. Doch sie können nicht. Das ist ja meist der Kern des Problems. Wie sich das konkret anfühlt, verdeutlicht die Kanadierin Sabrina Benaim in ihrem Poetry Slam:

Ein berührender Vortrag – welch mutige Frau, so offen über ihre Krankheit zu reden.

Hier nochmal die wichtigsten Stellen auf deutsch:

„Meine Mutter sagt: ‚Warum gehst du nicht zu richtigen Partys – um deine Freunde zu sehen?‘ Klar, ich mache Pläne. Ich plane, aber ich will gar nicht hingehen. Ich plane, weil ich weiß, dass es besser wäre, wenn ich hingehen wollen würde. Manchmal wäre ich auch gern hingegangen, aber es ist nicht so lustig Spaß zu haben, wenn du gar keinen Spaß haben willst, Mama.“

'Einfach mal machen' ist an dieser Stelle der falsche Ratschlag. Lieber gemeinsam schauen, was geht und was nicht.

„Mama, ich bin einsam. Ich glaube, als Papa gegangen ist, lernte ich, wie man Wut in Einsamkeit verwandelt und Einsamkeit in beschäftigt sein. Und wenn ich sage, dass ich in letzter Zeit total beschäftigt war, dann meine ich damit, dass ich auf der Couch einschlief, während ich Sport im Fernsehen schaute, um zu verhindern, dass ich mich mit der leeren Seite meines Bettes konfrontiere. Doch meine Depression zerrt mich immer wieder zurück ins Bett.“

Puh, das ist eher für Fortgeschrittene: Über unangenehme Gefühle reden. 

„Meine Mutter versteht es immer noch nicht. Mama, kannst du denn nicht sehen, dass ich es selbst nicht verstehe?“

Geduld – ein rotes Tuch für so viele von uns. Es ist ein bisschen wie Tanzen: einen Schritt vor und dann wieder zwei zurück. Nervenaufreibend für alle Beteiligten. 

Es gibt kein Rezept für den Umgang mit depressiven Menschen. In diesem Sinne, halten wir es, wie es uns die Sesamstraße gelehrt hat:

Manchmal muss man fragen, um sie zu verstehn.