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Adriano Dos Anjos Bento findet an jeder Frau etwas Schönes. Wenn er Helene Fischer stylt, braucht er da nicht lang suchen. Aber auch nicht prominenten Frauen zeigt er in Workshops, wie man das Schöne unterstreicht, anstatt das weniger Schöne zu kaschieren.

Wenn Frauen zu Adriano Dos Anjos Bento kommen, dann immer mit dem Ziel, hinterher ein bisschen schöner zu sein. In seinem kleinen Studio in Hamburg-Altona stylt, schminkt und frisiert der Beauty-Allrounder seine Kundinnen, gibt ihnen Tipps und zeigt in Workshops, wie sie das tolle Ergebnis auch zuhause ohne ihn hinkriegen. Das macht der gebürtige Brasilianer so gut, dass selbst Helene Fischer auf seine Künste vertraut. Unsere Redakteurin hat Adriano getroffen und sich mit ihm über Trends, Makel und das Selbstbild von Frauen gesprochen. Dass die meisten Frauen davon ausgehen, dass man nur ihre Makel sieht, findet er übrigens eine sehr unhöfliche Unterstellung. Er selbst findet an jedem Menschen irgendetwas Schönes. Und das – sagt er – sollte man unterstreichen, anstatt sich aufs Kaschieren zu konzentrieren.

 

BARBARA: Adriano, was suchen Frauen, die zu dir kommen?

Adriano Dos Anjos Bento: Um ganz ehrlich zu sein, suchen die meisten etwas, was sie bei mir nicht bekommen. Sie suchen nach Möglichkeiten, ihre Makel und nicht ganz dem Ideal entsprechenden Eigenschaften zu kaschieren. Ich sag dann immer: Klar verstehe ich das, aber das macht Menschen nicht schöner. Schöner werden sie, wenn jemand das Besondere in ihnen erkennt und ihnen hilft, dieses optimal zu unterstreichen. Ich interessiere mich nicht für die Eigenschaften, die eine Frau nicht mitbringt, sondern ich arbeite mit denen, die sie hat. Und ich kann voller Überzeugung sagen, dass jeder Mensch auf irgendeine Art und Weise schön ist. Wirklich jeder! 

 

Und wie finden die Frauen das dann, wenn du nicht kaschierst? 

Erst einmal sind sie überrascht. Sie erwarten von mir, dass ich sofort sehe, was an ihnen nicht so optimal ist. Ich als Experte müsse doch sehen, dass sie hier Falten, da zu viel Speck und außerdem viel zu schmale Lippen haben. Das erwarten sie übrigens nicht nur von mir, sondern im Grunde von all ihren Mitmenschen. Frei nach dem Motto: Die sehen doch alle, dass bei mir was nicht stimmt. Ich glaube, ich spreche nicht nur für mich, wenn ich sage, dass das oft nichts weiter als eine ziemlich unhöfliche Unterstellung ist. Wieso sollte ich einen anderen Menschen über seine Makel definieren? Ich sehe viel eher ein hübsches Lächeln, seidige Haare oder strahlende Augen. Das selbst zu sehen, ist für viele Frauen schwierig.

 

Also sind Frauen auch zu sich selbst unhöflich? 

Absolut. Sie sehen sich im Spiegel an und zerreißen sich erst mal. Dabei macht es wenig Unterschied, wie hübsch sie sind, das machen auch Topmodels. Sich so kritisch anzugucken, ist aber pures Gift für die Schönheit. Ich verstehe das – ich bin auch nicht immer rundum zufrieden mit mir. Aber rauszugehen mit dem Gefühl, dass man ganz und gar nicht ok ist, so wie man ist und so, wie man sich präsentiert, das halte ich für keine gute Idee. Solche Gedanken machen immer was mit der Ausstrahlung und dann denken die Leute am Ende wirklich: Mit der stimmt was nicht. Die Leute glauben dir, was du über dich denkst. Das musst du gar nicht laut aussprechen. 

 

Klappt das auch andersrum? 

Aber auf jeden Fall. Wenn mich jemand fragt, wie werde ich in kürzester Zeit - sagen wir mal in zwei Stunden - zur Beautyqueen, dann gibt es darauf eigentlich nur eine Antwort: Finde dich selbst schön! Stell dich vor den Spiegel und sag dir laut, dass du toll aussiehst und dich mit dir selbst wohlfühlst. Am besten täglich. Das wirkt zwar erst mal ein bisschen verrückt, ist aber sehr wirksam. Dein Unterbewusstsein nimmt dein Spiegelbild als ein Gegenüber wahr, was dazu führt, dass du dir vor dem Spiegel eine andere Selbstbestätigung geben kannst als einfach nur in Gedanken. Abseits von der mentalen Einstellung gibt es natürlich ein paar Tricks und Kniffe, die deine Schönheit unterstreichen. Aber nichts davon ist so effektiv wie ein selbstbewusstes, zufriedenes Auftreten. 

 

Also muss ich mich gar nicht hübsch machen? Ich muss mich nur schön finden, dann bin ich es auch? 

(Lacht) Naja, ganz so ist es auch wieder nicht. Klar bist du auf irgendeine Weise immer schön, aber deine natürliche Schönheit mit ein bisschen Make-Up, einer schönen Frisur und einem tollen Styling zu unterstreichen, ist trotzdem keine schlechte Idee. 

 

Um nochmal auf die zwei Stunden zurückzukommen: Was kann ich denn machen, um meine Schönheit in kurzer Zeit optimal zu unterstreichen? Hast du zum Beispiel einen Schnell-Shopping-Tipp? 

Also erst mal: In zwei Stunden wirst du dich nicht komplett verwandeln können. Du wirst deine Haarfarbe behalten, deine Hautbeschaffenheit und deinen Körperbau. Dann gehört zu jeder positiven Veränderung auch Bestätigung. Du kannst noch so mutig ein tolles, rotes Kleid kaufen, das dir super steht, wenn du solche Mode an dir nicht gewöhnt bist, wirst du dich im Normalfall erst mal unwohl fühlen. Mein Schnell-Shopping-Tipp wäre deshalb, dir etwas zu kaufen, von dem du weißt, das es dir steht. Das sollte das Basic sein. Dazu kannst du dann etwas mutiger kombinieren. Ähnliches gilt für Haare und Make-Up: In Eile sollte man keine Experimente machen. 

 

Also nicht der französische Zopf aus dem YouTube-Tutorial? 

Nicht, wenn man den zum ersten Mal macht. Überhaupt rate ich bei Zeitnot grundsätzlich dazu, der Natur nicht reinzupfuschen. Lockenköpfe sollten dann lieber ihre Locken mit Schaumfestiger definieren, als das Glätteisen rauszuholen. Und glatte Haare werden so schnell nicht zu hübschen Wellen frisiert. Was immer geht, ist eine schnelle Hochsteckfrisur. Einfach einen Pferdeschwanz binden, fliegende Haare mit ein bisschen Haarspray auf der Hand glätten und dann mit Haarnadeln kleine Pferdeschwanz-Strähnen zwirbeln und am Hinterkopf mit Haarnadeln fixieren. Dasselbe gilt für Make-Up. Wer in einer bestimmten Situation besonders hübsch sein und sich wohlfühlen möchte in seiner Haut, sollte nicht zum ersten Mal einen knallpinken Lippenstift oder Smoky Eyes ausprobieren. Unerprobtes macht die meisten Leute erst mal unsicher, bis sie genug Bestätigung bekommen und sich an die neue Wirkung gewöhnt haben. 

 

Zu dir kommen ja viele Frauen, um sich neu stylen zu lassen. Rätst du dazu, aktuelle Trends zu befolgen? 

Also, das kommt natürlich auf die Person und die Situation an. Im Normalfall sage ich immer, dass ein Trend nur dann Sinn macht, wenn er dir auch gefällt und zu dir passt. Wenn ein Trend in den großen Ketten angekommen ist, laufen halt auch schon alle damit rum. Wer also besonders sein möchte, kann auch ganz bewusst gegen den Trend agieren, finde ich. Manchmal kaufe ich mir auch Sachen, die ich dann erst Jahre später trage, wenn der Trend längst Vergangenheit ist. Das macht mir Spaß. 

 

Dann bist du also schuld an den ganzen furchtbaren Mode-Revivals? 

(Lachend) Wer weiß das schon so genau...  

Adriano Dos Anjos Bento weiß was Frauen wollen: Viele kluge Worte und die dazu passende Frisur.

 

Ganz individuelle Tipps gibt es bei Adriano selbst: 

http://www.adrianodosanjos.de