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Unsere Auorin hat ein ernsthaftes Problem: Bodylotions, Nagellacke und Puder in irisierenden Farben – en masse
 

Es gibt Menschen, die sammeln Katzen in ihrer Wohnung. Sie besitzen zunächst nur drei bis vier, diese fangen irgendwann an sich unkontrolliert zu vermehren und plötzlich sind es dann 30 bis 40 Tiere, die sich in der Wohnung tummeln. Die Besitzer haben meist ein tiefergehendes psychologisches Problem oder einfach aufgegeben. Es handelt sich dabei um so genannte „Animal Hoarder“, also Menschen, die Tiere horten. Ich habe zwar keine Katzen in meiner Wohnung, aber beim letzten Umzug musste ich eine schlimme Feststellung machen: Ich besitze ungefähr 35 verschiedenen Nagellacke. Ich bin ein Beauty-Hoarder. Die Nagellacke, von denen ich längst nicht mehr alle benutze, wohnen in meinem Schrank gemeinsam mit einer Großfamilie von Gesichtscremes und Augenmasken. Ich habe überhaupt keine Zeit, um Masken aufzutragen, trotzdem haben mehr als zehn Stück ihren Weg zu mir gefunden. Darum herum bauen sich Türme aus Lidschatten-Dosen in den wahnwitzigsten Farben von Rostorange (steht mir nicht) bis Neongelb (vielleicht mal was für eine Party im Dunkeln...). Ich muss mir außerdem wirklich die Frage stellen: Warum sammle ich Bodylotions in größerer Stückzahl? Habe ich Angst vor einer Bodylotion-Knappheit?

Das sind leider nicht die einzigen Hinweise auf dieses schlimme Phänomen. Hier ein kleiner Test, um Beauty-Hoarderitis zu beweisen: 

1. Ich besitze nicht nur mindestens 15 verschiedene Nagellack-Farben, sondern auch mindestens genauso viele Lippenstifte. Wenn fünf davon die gleiche Farbe haben und nur von anderen Marken sind, dann bist du auf einem guten Weg, es mir gleich zu tun.

2. In der Dusche stapeln sich die Shampoo-Flaschen. Aber nicht, weil du zu faul bist die leeren Dinger endlich wegzuwerfen. Nein, alle Flaschen sind noch mindestens halb voll. Du schaffst es einfach nicht, an einer neuen Shampoo-Kreation vorbei zugehen. Egal ob im Supermarkt oder in der Drogerie. Das gleiche gilt übrigens auch für Duschgels.

3. Der schlimmste Hinweis auf das Beauty-Hoarder-Problem: Ungeöffnete Kosmetik in Form von Sonnenmilch, Parfüms (ja, auch teure) und Cremes. Mein Rekord hält gerade eine Abschminktinktur einer namhaften Marke. Ich besitze sie jetzt seit circa elf Jahren und kann mich nicht trennen. Wird schließlich nicht schlecht, das Zeug.

Es gibt nur ein Mittel zur Bekämpfung dieses ernsthaften Krankheitsbildes: Sozialer Druck. Beim nächsten passenden Wochenende werde ich Freunde zum Beauty-Swapping einladen. So eine Art nicht ganz anonymer Treff der Nagellack-Süchtigen. Da können wir dann munter unsere unbenutzten Produkte tauschen und mein Schrank wird hoffentlich leerer. Ich fürchte aber, dafür muss ich mir die Hände auf dem Rücken zusammenbinden.

Denn ansonsten wächst die Bodylotion-Sammlung weiter. Sollte das der Fall sein, kündige ich jetzt schon mal an meine Sammlung nach meinem Ableben einem Museum zu stiften. Es wird schließlich die größte Zusammenstellung ihrer Art auf der Welt werden. Kunst sammeln kann ja jeder. Bodylotion ist da ein ganz anderes Kaliber.