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Quelle: Getty Images
Geht nicht, gibt’s nicht? Oh doch! Das weiß ich spätestens, seit ich mal wieder versucht habe, ein großes Bild zu malen. Schön war das nicht.

Ab und an überkommt es mich. Dann denke ich, vielleicht war die 4 im Kunstunterricht damals völlig unberechtigt und tief im Inneren steckt doch eine Künstlern in mir. Und dann kaufe ich mir das ganze Set: Farben, eine Leinwand, Pinsel – am Material soll das Projekt ja nicht scheitern – und lege los. Das Ergebnis ist dann, naja, seien wir mal ehrlich: sehr trostlos. So als hätte man einem Vierjährigen einen Pinsel in die Hand gedrückt und gesagt, er solle die Mona Lisa malen. Mir fehlt jegliches Verständnis für Formen und Farben. Das hatte ich noch nie. Aber anstatt mir einzugestehen, dass meine Stärken woanders liegen, ist da diese Hoffnung, dass ich irgendwann doch einmal zu diesen kreativen Superfrauen zählen werde, die mal eben an einem Nachmittag das Wahnsinnsbild fürs Wohnzimmer auf die Leinwand klatschen. 

Beim nächsten Mal klappt es bestimmt!

Letztens dann, klagte ich einer Freundin mein Leid. „Wie, du kannst nicht malen?!?“, sagte sie. „Das gibt’s nicht! Jeder kann malen. Wahrscheinlich hattest du bisher nur nicht die richtige Anleitung!“ Sie lud mich ein zu ihrer „Kreativ-Gruppe“. Das sind fünf Frauen, die sich alle zwei Monate treffen und bei viel Rotwein und Gelächter richtig gute Sachen zustande bringen.

„Wandbilder“ war das Thema des Abends. Jede von uns hatte ein Foto, eine Postkarte oder einen Ausdruck mitgebracht, den wir in größerem Maßstab auf eine MDF-Platte pinseln wollten. „Abmalen kann jede“, sagte meine Freundin voller Enthusiasmus. „Das wird bestimmt ganz toll!“ Ich hatte mir eine, wie ich dachte, leichte Aufgabe gesetzt: ein Comic-Bild von einem Löwen vor pinkem Hintergrund. Aber schon als ich versuchte, seine Form mit einem Bleistift auf die Platte zu übertragen, zeigte sich: Nee, selbst abmalen ist nicht jedermanns Sache. Der Löwe sah aus wie ein Meerschweinchen, das zu lange an der Steckdose gespielt hatte. Und ich verschlimmbesserte es nur mit jeder weiteren Minute. Während die anderen mit vor Glück geröteten Wangen zum Pinsel griffen, um ihre Bilder kunstvoll auszumalen, schwante mir schon: Oh, oh, für mich wird das kein gutes Ende haben.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Hatte es dann auch nicht. Mit sehr mitleidigen Blicken standen zwei Stunden später die fünf Superfrauen um mich rum und sagte Sätze wie: „Für den Anfang ist das schon ziemlich“ oder "interessanter Ansatz!" oder „Die Farbwahl ist echt der Knaller.“ Mehr Positives gab’s auch wirklich nicht zu sagen. Kunst und ich – wir werden wohl nie zusammenkommen. Adieu, du schöne Hoffnung.

Gestern rief mich dann wieder meine Freundin an. „Wir wollen nächste Woche mit der Kreativ-Gruppe fotografieren gehen. Bist du dabei?“ „Klar!“, antwortete ich sofort. Wer weiß, vielleicht schlummern da doch irgendwo ein unerkanntes Talent in mir. Ich muss es nur finden.