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Beziehungsprobleme? Die kennt unsere Autorin nur zu gut. Schuld ist dieser blöde Haushalt. Warum eine Putzhilfe viel besser als jeder Paartherapeut ist

Ich habe eine Allergie gegen ganz bestimme Sätze meines Mannes. Etwa „Was gibt es zu essen?“ oder „Wir müssten mal wieder die Bettwäsche waschen“ oder „Auf der Lampe hat auch lange keiner mehr Staub gewischt.“ Es ist nämlich so: Diese Sätze implizieren, dass ich irgendetwas tun soll, von dem ich denke, dass er es mindestens genauso gut tun könnte. Schließlich hat er zwei gesunde Hände und zwei gesunde Beine - und meistens auch ein funktionierendes Gehirn. Nur schaltet sich das leider immer dann ab, wenn es um den Haushalt geht.

In Rage reden

Mein Mann hat eine Allergie gegen Haushalt. Sagt er wenigstens. Und ich habe eine Allergie gegen meinen Mann, wenn er sagt, er habe eine Allergie gegen Haushalt. Dann kriege ich hektische rote Flecken, mein Atem geht schneller, die Hände ballen sich zu Fäusten und ich könnte ihm an die Gurgel springen. Mache ich nicht. Stattdessen halte ich ihm einen Vortrag. Über Gleichberechtigung und das 21. Jahrhundert. Darüber, dass wir beide gleich viel arbeiten und deswegen auch beide gleich viele Drecksarbeiten übernehmen sollten, denn auf wischen, staubsaugen und waschen habe ich genauso wenig Lust wie er, auch wenn er vom Gegenteil ausgeht. Aber nein, ich wäre weder seine Mutter noch lebten wir in den 50ern. Und das sei auch gut so!  Am Ende schreie ich fast und fuchtele mit meinem Zeigefinger direkt vor seinen Augen rum. Das lässt er sich natürlich nicht gefallen, also fängt er an mir lauthals all die Dinge aufzuzählen, die er in den vergangenen Wochen erledigt hat. Er habe nämlich nicht nur faul auf der Couch gelegen. Nein, nein, nein. Weil ich das natürlich nicht stehen lassen kann, fange ich an ihm vorzurechnen, dass ich aber viel mehr geleistet habe. Und zu guter Letzt zählen wir dem Gegenüber all seine schlimmen Macken auf – und das sind viele, wir kennen uns sehr gut und sehr lange. Danach herrscht erstmal schlechte Luft, im Entschuldigen sind wir beide schlecht.

Dem Himmel so nah

Vor einem Jahr habe ich eine Putzhilfe engagiert. Nach langem Hadern. Aber es schien mir die einzige Lösung. Ich glaube, Mika hat schon Meister Propper das Putzen beigebracht. Sie geht dem Schmutz schon an den Kragen, bevor er überhaupt entsteht. Und ich bin mir sicher, sie hat einen Zauberstab mit Glitzerfeenstaub, den sie einmal durch die Wohnung schwingt und – schwups – erstrahlt alles in neuem Glanz. Plötzlich sah unsere Wohnung nämlich so aus wie in einem Magazin: sauber, gemütlich und so, so schön. Schon beim Tür aufmachen überkam einen das Gefühl von purer Harmonie. Das übertrug sich auf uns. Und so waren wir auf einmal wie zwei frisch Verliebte. Weil wir auf einmal wieder Zeit hatten, uns Komplimente zu machen, anstatt immer diskutieren zu müssen, wer jetzt die Wäsche zusammenlegt, staubsaugt oder die Badewanne putzt. Und weil wir nicht mehr abends nach der Arbeit putzen mussten, saßen wir bei einem Glas Wein zusammen und haben geredet. Und ein bisschen geknutscht. Ach, war das schön.

Das Ende vom Lied

Die Harmonie hielt zehn Monate lang. Dann hat Mika gekündigt. Sie zog mit ihrem Freund zusammen – in eine anderen Stadt. Und wir standen wieder alleine da. Zwei Wochen hat es gedauert, schon lagen wir uns wieder in den Haaren. Das geht so nicht weiter. Wir brauchen Hilfe. Ab morgen suche ich uns wieder eine Putzfee. Am besten mit Zauberstab. Der zahle ich  lieber etwas mehr, damit sie immer bei uns bleibt. Denn auf lange Sicht erspart uns das den Paartherapeuten - oder die Scheidung. Da bin ich fest von überzeugt.