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Das Romantik-Gen? Wurde mir nicht in die Wiege gelegt. Aber kann man Romantik vielleicht lernen?

Romantik geht mir vollkommen ab. Was soll ich sagen? Ich komme schlichtweg nicht auf die Idee, Kerzen anzuzünden, würde bei Spotify nie die „love songs“-Playlist aussuchen und finde einen Actionfilm mit wenig Handlung oft viel unterhaltsamer als eine romantische Komödie. Mein Freund ist da ganz anders. Er schreibt zu unserem Jahrestag seitenlange Liebesbriefe, überrascht mich mit bedachten Geschenken und stellt die Kerzen schon auf den Tisch, bevor er überhaupt anfängt die Vorspeise fürs „Dinner for two“ zuzubereiten.

Was ist da nur schief gelaufen?

Manchmal frage ich mich, ob ich falsch gepolt bin. Klar finde ich vordefinierte Rollenmodelle totalen Quatsch. Warum soll nicht der Typ in der Beziehung derjenige sein, der mit kleinen Gesten große Gefühle hervorkitzelt? Und trotzdem: So ein bisschen mehr Romantik würde mir an mir gut gefallen.

Aber wie wird man zur Romantikerin? Bei der Suche nach der Antwort stoße ich bei der Recherche im Netz auf folgendes Problem: Alle Texte richten sich an Männer. Bin ich denn wirklich die einzige, der es so geht? Und ich befürchte, mein Freund wird denken, ich wäre auf einem Trip hängen geblieben, wenn ich ihn mit Rosenblättern duschen oder ihn mit einem Kreis aus Kerzen begrüßen würde. Aber da steht auch: Es sind die kleinen Dinge, die zählen. Ein Post-it am Badezimmerspiegel (das sollte doch machbar sein), eine nette SMS (krieg ich hin), ein unerwartetes Geschenk.

Romantische Verirrungen

Also mache ich in den folgenden Tagen genau das. Ich hinterlasse rote Lippenstift Herzen am Spiegel, bevor ich zur Arbeit gehe, shoppe auf dem Weg nach Hause den Lieblingsnachtisch vom Lädchen um die Ecke und überrasche meinen Freund mit Fußball-Tickets. Und als ich nach Hause komme, mache ich nicht, wie sonst immer, den Deckenfluter an, sondern die Kerzen auf der Fensterbank. „Ist alles in Ordnung?“, fragt mein Freund verwirrt? „Ist irgendetwas passiert? Hast du wegen irgendetwas ein schlechtes Gewissen? Da ist jetzt nicht ein anderer, oder?“ „Nein, nein, nein“, erwidere ich. „Ich wollte doch nur romantisch sein!“

„Ach so“, sagt mein Freund erleichtert. „Na, dann.“ Und dann essen wir Tiefkühlpizza auf dem Sofa und gucken dabei einen der alten Bud Spencer und Terance Hill-Filme, bei dem sie den bösen unentwegt eines auf die Glocke geben. Vielleicht ist das die wahre Romantik. Unsere jedenfalls.