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Unsere Autorin ist eigentlich eher der robuste Typ Mensch. Aber es gibt diese eine Kombination, die ihr den Verstand raubt: Kinderspielzeug im Wohnzimmer. Also nicht zwei. Auch nicht fünf. Es müssen ja immer gleich fünfhundert sein. GRRR!

Kinder im Winter – das ist ja eh schon immer so ne Sache. So pflegeleicht der Nachwuchs im Sommer auch sein mag, wenn es draußen nass, kalt und dunkel ist, mutieren die lieben Kleinen schon mal. Wahlweise sind sie dann so quengelig wie Germanys next Topmodel-Kandidatinnen oder so unausgeglichen wie Boris Becker bei Insolvenzverfahren-Fragen, und ihre Launen wechseln so sprunghaft wie Britney Spears Bodymass-Index. 

Geh doch einfach raus!

Klar kann man ja trotzdem immer raus, auch wenn es kalt ist. Das würde helfen, schon richtig! Und natürlich gibt es auch Hallenbäder, Indoorspielplätze, Turnvereine und Arztwartezimmer, in denen man sich prima beschäftigen und auspowern kann. Aber leider macht der Winter ja auch aus jedem Erwachsenen (na gut, zumindest aus mir) mitunter einen etwas missmutigen Zeitgenossen, der sich nicht immer aufraffen kann, im Eisregen zu tanzen. Deshalb muss bei uns ziemlich oft das Wohnzimmer dran glauben. Denn Kinderzimmer scheinen irgendwie das Langweiligste zu sein, was es auf diesem Planeten zu erkunden gibt. Wohnzimmer hingegen, also Wohnzimmer sind offensichtlich ultra angesagt in der U7-Szene. 

Auch Chaoten brauchen Ordnung

Es gibt ja so Leute, bei denen sieht es in den Wohnräumen immer aus wie geleckt. Bewundernswert, aber so bin ich gar nicht. So war ich auch nicht, als ich noch keine Kinder hatte und deshalb erwarte ich das auch heute nicht von mir und den meinen. Nein, ich bin ein Chaot vor dem Herrn, vergesse Termine, Geburtstage und improvisiere mich halt irgendwie durchs Leben. Aber gerade deshalb brauche ich zuhause ein klitzekleines bisschen Struktur, ein paar schön arrangierte Vasen und einen Küchentisch, der nicht aussieht wie das Atelier von Van Goghs Ur-Enkeln. Von Oktober bis März lebe ich aber mit besagten Ur-Enkeln, vielen Tuschkästen, Legokisten, Schleichtieren und Playmobilfiguren zusammen und die "Struktur" unseres gesamten Wohnraums besteht zum größten Teil aus nach dem Chaosprinzip angeordneten Sofakissen auf dem Boden, selbstgebauten Höhlen und sehr, sehr, sehr, sehr großzügig geplanten Legolandschaften. 

Das ist MEIN Wohnzimmer, verdammt!

Letztens bin ich mal wieder eskaliert. Ich hatte mir nur deshalb nicht die Haxen gebrochen, weil ich nach meinem Sturz über die Legobaustelle sanft auf einem Kissenturm landete. Sofort stellte sich mein Nachwuchs wutschnaubend und mit in die Hüften gestemmten Armen vor mir auf und warf mir Sabotage unglaublicher Anstrengungen vor. Ich befand das für ein gutes Stichwort, rappelte mich auf und hielt einen nicht weniger wütenden Monolog über die Sabotage MEINER Anstrengungen. "Und überhaupt!", schloss ich meinen Vortrag. "Das ist MEIN Wohnzimmer, verdammt!" Ich erntete für meine eloquente Darstellung nicht mehr als ein verständnisloses Kopfschütteln. "Weißt du, was ich echt nicht verstehe?", fragte mich meine Sechsjährige. "DU sagst doch sonst immer, dass man teilen soll." Nun. Was soll man darauf sagen? Eines habe ich an dem Tag aber gelernt: Obacht, was du deinen Kindern beibringst. Alles, was du sagst, kann eines Tages gegen dich verwendet werden.

Ergo?

Habe meine Verhandlungsposition verbessert und meinen Schreibtisch ins Kinderzimmer gestellt. So als Grundlage für einen fairen Deal, falls irgendwann der Tag kommt, an dem die Kinder ihre Zimmer wiederentdecken. So mit 16 oder so. Wünscht mir Glück!