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Klar, renovieren und eine neue Küche sind toll! Zumindest, wenn ein Mal wirklich alles so laufen würde, wie man es sich vorstellt... Tut es aber nicht, weiß unsere Autorin.

Vor Wochen haben wir sie ausgesucht, durchplanen lassen, zäh um den Preis gepokert. Der war uns dann zu hoch, also alles wieder auf Anfang. Eine neue Küche ist eine Investition. Als wir schon alles verdrängt haben, bekommen wir dann doch unseren Wunschpreis. Super! Und los geht's: Wir bestellen und bereiten uns vor. Und wollen die alte Küche verkaufen. Vielleicht, wenn sie denn noch einer will. Wir machen Fotos und unser Sohn setzt sie für uns bei eBay rein (ja, weil wir das immer noch nicht so richtig raus haben). Kaum zu glauben, aber es meldet sich ein Interessent! Die alte Küche wird wirklich verkauft und abgeholt. ABER: Wenn man so eine alte Küche verscherbelt, dann macht man sie lieber sehr, sehr, sehr gut sauber und hat echt Arbeit, die man hasst. Sollte man sich merken. Fürs nächste Mal – sollte es das geben.

Komisch, niemand möchte unsere Porzellansammlungen

Als nächstes arbeitet man Listen mit Punkten ab und bereitet vor. Fliesen aussuchen, Handwerker finden, den Wasseranschluss versetzen, Preise vergleichen, Schränke ausmisten... Komisch, niemand möchte unsere Porzellansammlungen, die Kinder nicht ihre Kinderbestecke, Breiteller, Trinktassen. Was da nicht alles in den Schränken ist, kaum zu glauben! Eine Küche beinhaltet irgendwie 2/3 des Haushaltes. Dann alles in Kartons verstauen, na gut, das kann man als Bewegungssport verbuchen. Die alte Küche wird abgeholt, das klappt alles super. Vater und Sohn hauen die Fliesen ab, Vater streicht die Tapete, Sohn fliest, Mutter saugt, immernoch super. Das Wetter ist ganz gut, wir können auf der Terrasse unsere bestellten Pizzen vernaschen – Küche zum Kochen gibts ja nicht mehr. Meine Schwiegertochter hat sich spontan überlegt, unsere gefühlten 2000 Fotos in Fotoalben einzusortieren, die seit Jahren darauf warten. Super nett von ihr. Nicht unbedingt der ideale Zeitpunkt, weil ich ja hin und wieder auch was dazu sagen muss, aber egal.

Erst wollte keiner, nun kamen zwei

Tagsdrauf stehen zwei verschiedene Gas-Wasser-Sch...-Firmen vor der Tür. Irgendwie hat mein Mann zwei Angebote eingeholt und eines davon nicht abgesagt. Arghh. Ein bisschen peinlich, na ja. Laut Mann wollte erst keiner, nun kamen zwei... Erster Anruf vom Möbelhaus: Nicht alle bestellten Teile der Küche sind dort angeliefert worden. Einiges kommt später. Na toll. Die Küchenbauer des Möbelhauses erscheinen am vereinbarten Termin also nur mit einem Teil der Küche. Blöd nur, dass die Basisteile der Küche, nämlich die Füße, noch nicht dabei sind. So können sie eigentlich gar nichts aufbauen. Zweiter Anruf des Möbelhauses: Bis eventuell 14 Uhr des gleichen Tages kommt der Rest der Küche mit einem zweiten Team. Da ist dann auch die Arbeitsplatte dabei. Bis dahin frühstücken wir eben mit den Handwerkern gemeinsam, die beiden (übrigens sehr netten) Küchenbauer gehen erstmal zum See runter spazieren. Naja.

Im nächsten Berufsleben werde ich Küchenaufbauer

Ich geh dann auch mal ne Runde walken. Macht den Kopf frei. Danach holt mein Mann Döner für uns alle und wir unterhalten uns nett, statt die Küche zu renovieren. Im nächsten Berufsleben werde ich Küchenaufbauer. Dritter Anruf vom Möbelhaus: Das zweite Aufbauteam kommt erst um 16:00 Uhr. Ob mein Mann vielleicht die Arbeitsplatte mit hinein tragen könnte? Der eine Kollege hat einen Tennisarm. Oh Mann. Am nächsten Tag nimmt die Küche dann endlich Gestalt an. Alles bestens, wirklich nette Küchenbauer. Am Ende fehlen der Kranz oben, die Blende über der Arbeitsplatte, die Sockelleiste. Die Blende vorm Geschirrspüler ist verkehrt und muss getauscht werden, die Tür vom Kühlschrank geht zur falschen Seite auf. Naja. Sie kommen in der nächsten Woche wieder – wir haben uns inzwischen ja auch wirklich aneinander gewöhnt. Bis dahin sind tatsächlich Teile der Sockelleiste geliefert worden: In rot statt grau. Alter Schwede... Und wieder vereinbaren wir einen neuen Termin mit unseren Lieblings-Küchenbauern.

Eines noch: Hatten wir eigentlich wirklich einen Induktionsherd bestellt? Das Ding piept und piept... und piept. Gehen die alten Kochtöpfe dann überhaupt noch? Herrje. Ich frag schon mal den Sohn, ob er sie bei eBay rein setzt.