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Dr. Wolfgang Schmidbauer, Psychologe, Kolumnist und Autor aus München, hatte schon viele Paare auf der Couch. Hier erklärt er das Phänomen, warum Männer ab 40 am liebsten auf der Couch abhängen.

BARBARA: Männer mit Mitte 40 mutieren zu Faultieren. Nur ein Klischee?

Wolfgang Schmidbauer: Das höre ich in der Therapie öfter. Es liegt daran, dass Männer eher auf Leistung und weniger auf Beziehung sozialisiert sind. Wenn der Mann gut im Beruf ist und sich dort nicht mehr so viel sagen lassen muss, dann ist er zufrieden. Die Kontakte am Arbeitsplatz reichen ihm aus. Am Abend oder am Wochenende möchte er seine Ruhe.

Frauen gehen doch auch arbeiten.

Ja, aber sie wollen auch in ihrer Freizeit Kontakte zu anderen Menschen. Frauen wachsen in der Regel in einer engen Beziehung zu ihrer Mutter auf, nehmen sie zum Vorbild und müssen sich nicht so stark wie Männer von ihr lösen. Dadurch gewöhnen sie sich an diese Art von Bindung – und wollen stets enge Beziehungen zu anderen eingehen.

Und wie bekommt man einen Mann dazu, dass er sich bewegt?

Ich weiß schon, dass Sie gern ein Rezept hätten, aber das habe ich nicht. Der Mann darf nicht als das alleinige Problem angesehen werden. Vorwürfe wie „Du machst ja nie was“ treiben die meisten nur in die Defensive. So motiviert man ihn nicht, im Gegenteil. Dann sagt er nur: „Nie bist du zufrieden.“ Man darf sich nicht gegenseitig entwerten. Das Paar muss sich unterstützen und einen Kompromiss finden.

Wieso fällt es Männern überhaupt so schwer, sich aufzuraffen?

Wenn man vor die Tür geht, heißt das ja automatisch, dass etwas passieren könnte, das nicht so toll ist und das man nicht kontrollieren kann. Männer wollen sich in eine Welt zurückziehen, die kontrollierbar ist. Das hängt mit Kränkbarkeit zusammen, mit der Männer schlechter umgehen können. Und dann sagen sie sich: „Das Risiko muss ich ja gar nicht erst eingehen.“

Sollen Frauen also allein losziehen nach dem Motto „Ich kann auch ohne dich Spaß haben?“

Ja. Es ist besser, die Partnerin geht allein, als dass sie schlecht gelaunt zu Hause sitzt. Und: Kommt die Frau zufrieden zurück, ist er vielleicht neidisch und möchte das nächste Mal doch mit.