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Was macht Freundschaft aus? Dass man sich gegenseitig hilft. Unsere Autorin hat ausprobiert, ob ein Staubsaugerroboter das Leben leichter macht. 

Ich habe immer schon von ihm geträumt, denn ich hasse es, Staub zu saugen. Seitdem es Roboter dafür gibt, wollte ich einen haben. Deswegen habe ich mir endlich einen bestellt.  "Mein neuer bester Freund", denke ich gerührt, als ich ihn auspacke. Sein Name ist zwar etwas kompliziert, amüsiert mich aber und erinnert mich außerdem an die entzückende Haushaltshilfe, die meine Eltern in den 80ern hatten:  "Neato Botvac Connected" .

Was für eine Diva!

Dann habe ich ihn in der Hand: ein schwarzes Glanzstück. Ich werde ganz nervös vor lauter Freude. Bis ich Neato (so nenne ich ihn liebevoll) angeschaltet habe. Denn mein neuer Freund ist kompliziert, ja, eine echte Diva. Leider findet er Sprache, Uhrzeit und Tag nicht automatisch. Die Bedienungsanleitung verspricht, dass ich mit ihm einfach entspannen kann. Später vielleicht. Erstmal stelle ich aus Versehen "Suomi" ein. Das ist Finnisch. Bis ich endlich gefunden habe, wie Neato auf Deutsch mit mir kommuniziert, sind mindestens sieben Minuten vergangen. Mein erstes Verliebtheitsgefühl lässt etwas nach.

Du schaffst das schon...

Eine Viertelstunde später geht es los: Neato ist schlau, er kommt auch an Stuhl- und Tischbeinen vorbei. Am Anfang. Dann verheddert er sich, Kabel sind seine Rivalen, mit denen kommt er nicht klar. Er beißt sich fest wie ein kleiner Hund, er stoppt, ich muss ihm helfen. Aber er ist auch tapfer und irgendwie niedlich, kämpft sich vom Holz auf den fransigen Teppich und wieder hinunter. Ja, er erinnert mich an ein kleines Tier. Ich möchte ihn streicheln. 

Er macht auch Geräusche wie ein Tier, wie ein großes allerdings. Ich finde ihn zu laut. Theoretisch kann ich ihn mit meinem Smartphone oder Tablet lenken, ich muss nicht mal im selben Raum sein. Aber ich bin es nun einmal gerade. Irgendwie hatte ich mir vorgestellt, dass der Staubsaugerroboter leiser ist als mein altes herkömmliches Modell, ist er aber nicht. Sein Brummen ist etwas eleganter und dezenter, aber es geht mir trotzdem auf die Nerven. Die ersten drei Minuten tue ich noch so, als wäre es gar nicht so schlimm, nach sieben Minuten fällt mir das Ignorieren schwer, nach zwölf mache ich ihn aus.

Tschüss, mein Freund

Es ist wie bei den Männern: Natürlich ist das mit der oben ausgedrückten Zahnpastatube nicht so schlimm. Auch nicht, dass er selten die Spülmaschine ausräumt und so laut schnarcht. Aber irgendwann ist es einfach zu viel. Das kann eine Kleinigkeit sein. Bei mir ist es der Lärm. Neato ist mir zu laut. Außerdem ist er mit seinen 569 Euro schlichtweg zu teuer. Beim Bestellen ist es einfach mit mir durchgegangen. Wenn, dann auch richtig, dachte ich.

Ich gebe es zu, die Erwartungshaltung war hoch, die Enttäuschung damit vorprogrammiert. Es fällt mir deswegen nicht leicht, zu tun, was ich tun muss: Ich packe ihn in seinen Karton und schicke ihn zurück. Aber vielleicht ist auch das wie bei den Männern. Vielleicht muss ich es noch einmal versuchen in Zukunft. Mit einem anderen Modell, das besser zu mir passt.