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Foto: Vintagemaedchen.de
Victoria Beyers Leidenschaften sind Kunstgeschichte und ihre Bengalkatzen. Sie kommt aus Leipzig und ihre große Liebe für alte Schätze und die vergangenen Zeiten präsentiert sie auf dem Blog Vintagemädchen.

„Ich bin in den letzten Jahren durch viele Höhen und besonders viele Tiefen gegangen. Dabei lernte ich etwas besonders Wichtiges: Tu, was dir gut tut. Klingt hochtrabend und das herauszufinden ist gar nicht leicht, es dann auch zu befolgen noch viel schwerer. Es lohnt sich und kann das eigene Leben unglaublich stark und positiv beeinflussen. 

Das soll vintagemaedchen.de transportieren. Daher liegen mir neben Kultur, Design und Mode auch Mental Health Themen sehr am Herzen.“

BARBARA: Was verstehst du unter Retro und Vintage Design? Wo liegt für dich der Unterschied zwischen den beiden Stilrichtungen?

Victoria Beyer: Vintage Möbel stammen aus vergangenen Jahrzehnten, während der Begriff „Retro“ ein Rückgriff auf ehemalige Stilrichtungen ist. Vintage Möbel sind alt, Retro Möbel sehen alt aus, sind aber neu produziert. 

Unter Retro Möbeln verstehe ich Objekte, die die Authentizität ihrer Vorbilder transportieren. Vintage Möbel sind – aber das ist meine ganz persönliche Sichtweise – Stücke, die bis in die 70er Jahre produziert wurden. Alles, was danach kam, empfinde ich eher als modern.

 

Wie würdest du deinen Einrichtungsstil beschreiben?

Ich würde ihn als Mischung aus den 1910er bis 60er Jahren beschreiben, flankiert von Bücherbergen. Ich habe mich entschieden, unsere Einrichtung keinem speziellen Jahrzehnt oder Stil unterzuordnen, sondern das zu kaufen, was mir auf Märkten oder im Netz ins Auge fällt und mich begeistert. Ich liebe bunt gemixte Möbelsammlungen, weil sie für mich so viel Charakter und Herz ausstrahlen.

 

Was ist dein absolutes Lieblings-Möbelstück?

Mein absolutes Lieblingsstück ist unser Sekretär aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Von einem Sekretär habe ich schon sehr lange geträumt, und diesen habe ich vor Kurzem ganz unerwartet auf einem Besuch des Leipziger Agra Flohmarktes entdeckt. Ein typischer Flohmarkt-Besuch eben: Man sucht eigentlich nach Bilderrahmen oder anderen Kleinigkeiten und geht am Ende mit einem alten Sekretär nach Hause.

Ich liebe an dem Sekretär die Details wie die kleinen, zarten Schubfächer oder die winzigen geschnitzten Säulen. Und unsere Katzen mögen es sehr, sich oben auf die geschwungene Fläche zu legen, da diese anscheinend die perfekte ergonomische „Katzenliegeform“ hat und sie dabei das ganze Zimmer überwachen können.

 

Gibt es ein Möbelstück, das dir peinlich ist, von dem du nicht aber nicht trennen kannst?
Ein Möbelstück, das mir schon länger ein Dorn im Auge ist, ist unser weißer Ikea Schreibtisch, Modell Alex, den sich damals gefühlt jeder zweite gekauft hat. Für die erste Studentenwohnung war er super. Aber da wir gerade Stück für Stück unsere Einrichtung durch Vintage und Retro Möbel ersetzen, passt dieser nun langsam gar nicht mehr ins Gesamtbild. Als peinlich würde ich ihn aber nicht bezeichnen, da an ihm trotz allem viele Erinnerungen hängen, besonders aus Uni- und Prüfungstagen.

 

Hast du einen Lieblingsdesigner? Was inspiriert dich allgemein?

Da ein Teil meiner Familie aus Weimar stammt, liebe ich die Künstler, Farben und Formen der Bauhaus-Ära ganz besonders. Auch dort hatten die Designer ja alle wahnsinnig unterschiedliche, spannende Stile. Zu nennen wären da beispielsweise van de Velde, Wagenfeld oder Mies van der Rohe.

Inspirieren lasse ich mich tatsächlich meist von dem, was ich auf Antik- und Flohmärkten oder im Internet finde. Wenn mir ein bestimmtes Design oder Möbelstück bei meiner Suche ins Auge sticht, schaue ich dann gerne, wie und wo ich es am besten bekommen kann oder setze es auf meine Wunschliste und halte die Augen offen.

Wenn Geld keine Rolle spielt, mit welchem Gegenstand könnte ich dir eine Freude machen?

Mein Traum wäre ja eine Wagenfeld-Lampe, am liebsten auf einem skandinavisch-schlichten mid-century Schreibtisch aus hellem Holz. Dort könnte ich dann auch mein geliebtes Wählscheibentelefon aus den 30ern platzieren. 

Außerdem liebe ich den englischen Art & Crafts Künstler William Morris und seine großformatigen Blumenmuster sehr, und eine große Wand verziert mit einer Morris-Tapete wäre sicherlich traumhaft! Dazu müsste dann der Rest des Raumes absolut schlicht gestalten sein.

 

Stell dir vor, du ziehst morgen um. Wie lange dauert es, bis deine neue Wohnung eingerichtet ist und was würdest du als Erstes kaufen?

Ich bin bei solchen Projekten leider immer sehr ungeduldig und würde vermutlich versuchen, so schnell wie möglich alles beisammen zu haben, auch wenn dann nicht alles zu 100 Prozent „perfekt“ scheint. Als erstes würde ich mir vielleicht schöne Wandfarben kaufen, wie ein helles Grau oder Tannengrün, davor sehen Holzmöbel einfach wunderschön aus.

Wobei...vermutlich wären es zu allererst wohl doch eher sämtliche Klettermöbel für unsere Bengalkatzen, so wie ich mich kenne.

 

Danke Victoria!

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Fotos: Vintagemädchen, Portrait: FEVER - Sophia Molek Photography