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Anscheinend ist das gute alte Brot nicht mehr gut genug. Jetzt wollen alle die merkwürdige Protein-Variante. Unsere Autorin findet: Wenn schon Stulle, dann auch richtig!

Meine Kollegin ist eine von ihnen, ein Protein-Brot-Fan. Ihre Begründung: Sie liebe eben Brot, aber sie möchte nicht zunehmen. Okay, das klingt zumindest für Menschen, die auf ihr Gewicht achten, sicher logisch. Trotzdem finde ich diesen Hang zur Kohlenhydrat-Vermeidung irgendwie befremdlich. Leute, es ist ein Brot! Das wurde schon immer vorwiegend aus Kohlenhydraten gemacht. Genauso wie Nudeln, Kartoffeln und Reis. Alles übrigens Dinge, die ich sehr schätze. 

Das Eiweiß-Brot passt hervorragend zur Atkins- oder Paleo-Diät. Denn es hat zwar kaum Kohlenhydrate, dafür aber viel Fett und eben auch viele Kalorien. Hauptbestandteil ist pflanzliches Eiweiß, etwa aus Weizen, Soja oder Lupinen, sowie Sojaschrot, Leinsaat, Sojamehl, Speisekleie oder Apfelfaser. Der Fettgehalt im Proteinbrocken liegt übrigens drei- bis zehnmal so hoch wie in einem "normalen" Brot. Wie bitte? Mehr Kalorien? Mehr Fett? Waren das nicht früher die Feinde jedes Traumbodys? Da schleicht sich doch schon der erste Denkfehler ein, zumindest meiner Meinung nach. Erstens, weil ich einseitige Diäten, vor allem langfristig, wenig überzeugend finde. Zweitens, weil mir das, was gesund und gut sein soll, auch einer Mode zu unterliegen scheint. Im Moment ist eben gerade Eiweiß-Brot. Was Diäten anbelangt bin ich aber nicht nur total undiszipliniert, sondern auch stockkonservativ: Wenn einer unbedingt abnehmen will, soll er eben weniger Brot essen – und nicht einen schlechten Abklatsch.

Niemand wird abnehmen, weil er sein Brot am Abend austauscht

Die Frage ist nämlich: Ist dieses Proteinding überhaupt Brot? Tatsächlich muss ein Roggenbrot genug Roggen enthalten, um sich so nennen zu dürfen. Dabei geht es aber nur ums Getreide. "Brot" darf sich alles nennen, was so aussieht. Insofern ist auch ein Eiweiß-Brot wohl ein Brot. Das gebe ich zu. Ich mag es nur nicht besonders. Denn es ist irgendwie klebriger und meist auch teurer. Mir persönlich gefällt das nicht. Aber das ist auch nur meine Meinung.

Tatsache ist allerdings auch, dass niemand abnehmen wird, nur weil er sein Brot am Abend austauscht. Zumal das Eiweiß-Brot ja mehr Kalorien hat. Natürlich gibt es Hinweise darauf, dass kohlenhydratarme Ernährung am Abend dazu beitragen kann, ein paar Kilos loszuwerden. Aber eben nur Hinweise. Wissenschaftlich erwiesen ist hier gar nichts.Vor allem nicht darüber, ob das Brot einen schlank werden lässt, auch wenn man sich zum Beispiel mittags Pommes und nachmittags einen fetten Milchshake gegönnt hat. Ich vermute, man muss da schon ein bisschen konsequenter in der Gesamternährung sein. 

Von mir aus soll meine Kollegin übrigens gern ihr Protein-Brot essen, sie scheint es zu mögen. Da es ja keinen wirklich überzeugenden Nutzen zu geben scheint, kann nämlich nur einer der einzig plausible Grund für den Konsum von Eiweiß-Brot sein: Der Geschmack.