Kategorie
Foto: Getty Images
Warum besitze ich Chiasamen? Und woher kommt dieser komische Kaffee namens Kopi Luwak, der von Katzen ausgeschieden wurde? Wohnt da ein gestörter Wichtel hinter dem Mehl? Wer sonst sollte das ganze komische Zeug versteckt haben? Spurensuche im Vorratsschrank unserer Autorin. 

Es ist ein großer Tag voller (nicht immer appetitlicher) Überraschungen. Der, an dem ich beschließe, den Vorratsschrank in meiner Küche endlich aufzuräumen, weil mir beim Öffnen schon wieder eine Dose entgegengeflogen ist. Es kostet mich die größte Überwindung, das zu tun, denn ich weiß, dass das Ganze länger dauern wird, als ich vorher dachte und außerdem meine Ekelgrenzen strapazieren könnte. Manchmal denke ich, dass hinten in meinem Vorratsschrank ein gestörter Wichtel wohnt. Wer sonst sollte all diese merkwürdigen Dinge da rein gestopft und vergessen haben?

Es ist sehr schnell klar, dass ich nicht die 25 Aufräumideen für Küchenschränke bei Pinterest kenne. Ein Blick ins Innere genügt. Am schlimmsten ist allerdings der, in dem ich die haltbaren Lebensmittel aufbewahre. Hier findet sich so einiges Unnützes, Vergammeltes und Vergessenes. Die Woche, in der ich unbedingt das Kochbuch von Gywneth Paltrow nachkochen wollte: Ordentlich dokumentiert, durch die letzte Reihe im Schrank. Chiasamen, koscheres Salz und Kokosflocken, die seit mindestens zwei Jahren kein Tageslicht gesehen haben. "Was bitte ist überhaupt koscheres Salz?", frage ich mich während ich die seit etwa drei Monaten abgelaufenen Chiasamen entsorge. Natürlich habe ich sie nicht sofort gesehen. Der Blick darauf wurde von fünf Packungen Mehl versperrt. Sie stammen von einem Montag, der auf einen Sonntag folgte, an dem ich unbedingt backen wollte, aber zu wenig Mehl hatte. 

Überraschungen birgt auch immer wieder die Dose mit den Gewürzen. Ich stelle fest, dass ich mich wohl einmal vertan habe und dachte, es wäre die mit den Backzutaten. Insgesamt befindet sich darin jetzt ein streng riechender Klumpen aus Vanillezucker, irgendwelcher undefinierbarer Samen (die vermutlich aus der Gwyneth Paltrow-Experimentzeit stammen) und einer exotischen Curry-Würzmischung. Alles mittlerweile unbrauchbar. Weg damit. In solchen Momenten beruhigt mich immer, dass ich neulich gelesen habe, intelligente Menschen seien eben einfach chaotischer und unorganisierter

Der Höhepunkt: Eine noch genießbare Packung Smarties

Neben durchaus passabel aussehenden Packungen Reis und Dosen voller Tomaten (dritte Reihe) steht der indonesische Kaffee, den mein Mann mal von einer Reise mitgebracht hat – und der noch dringend gemahlen werden müsste. Er heißt Kopi Luwak und ist eine besondere Spezialität, weil er von Katzen gegessen und unverdaut ausgeschieden wurde. Oder so ähnlich. Ich erinnere ich nur sehr düster an die Geschichte, die er mir damals dazu erzählte. Ich weiß, ich kriege Ärger, wenn ich diese Rarität wegwerfe. Deswegen bleibt der Kot-Kaffee einfach da stehen, wo er steht.

Doch dann kommt ein Moment der Freude, der Höhepunkt der ganzen Aktion. Hinter drei Packungen Nudeln und neben 500 Gramm Couscous liegt eine noch halt- und genießbare Überraschung der süßen Art: Eine Riesenpackung Smarties. Sonderedition Pink. Die muss ich irgendwann oben hineingeworfen haben, damit keines der Kinder sie entdeckt, weil sie schon genug Zucker hatten. Daneben eine Tafel Schokolade, Mindesthaltbarkeitsdatum 2011 (die muss ich bei den  letzten drei Malen Aussortieren übersehen haben), die sich an eine Packung Choco Crossies schmiegt, die erst nächsten Monat (!) abläuft. Wie konnte ich die nur vergessen?

Nachdem ich fertig bin, lässt sich die Tür wieder einwandfrei öffnen, ohne dass man erschlagen wird. Überhaupt wirkt der Schrank auf einmal sehr einladend. Nicht nur, weil ich weiß, wo ich das nächste Mal gucken muss, wenn ich unbedingt Schokolade brauche. Sondern weil es befreiend ist, dass ich das Chaos besiegt habe. Zumindest bis zum nächsten Kampf – in zwei bis drei Jahren.