Kategorie
Quelle: Getty Images
Unsere Autorin ernährt sich seit Jahren vegetarisch und schwört auf die Gebeine ihrer Vorfahren, dass sie NIEMALS missionieren würde. Nur die ewig gleichen Vegetarier Witze, kommen ihr langsam wieder zu den Ohren heraus

Mit 30 kommt man ja langsam in das Alter, in dem man anfangen darf, sich über junge Menschen zu beschweren. Immer häufiger erwische ich mich nun also dabei, die eigene Jugend als die bessere zu erkennen: Wir hatten noch keine Smartphones! Kein Facebook! Kein digitales Mobbing! Wir hingen noch wie ordentliche Kinder an Sonnen-Ferientagen vor dem Fernseher und schauten Zeichentrickfilme, spielten uns stundenlang die Daumen am Gameboy wund oder taumelten mit dem Discman im Eastpak und Stöpseln im Ohr wie ferngesteuert zur Schule. Ja, das waren noch Zeiten!

Wikipedia hat den „Swag“

Auch Anglizismen werden von heutigen Teenagern so inbrünstig genutzt wie nie zuvor. Kennen Sie zum Beispiel die „Swaggetarier“? Sie standen kürzlich bei der Wahl zum Jugendwort des Jahres hoch im Kurs. "Hä?", fragen Sie sich jetzt völlig zu Recht, "was soll das sein?". Also: Einerseits ist der Swaggetarier der Definition nach ein „Vegetarier aus Imagegründen“, was genauso negativ besetzt ist wie es die aktuelle Situation gesellschaftskritisch beeindruckend auf den Punkt bringt. Andererseits finde ich, kommt der Vegetarier hier auch recht gut weg. Denn „Swag“ zu besitzen bedeutet ebenfalls über eine „beneidenswert lässige und charismatisch-positive Ausstrahlung“ zu verfügen. Bäm! Woher ich altes Stück Fleisch das weiß? Der „Swag“ besitzt selbstverständlich längst einen eigenen semi-wissenschaftlichen Wikipedia-Eintrag. Herr im Himmel: Zu meiner Zeit hätte es das nicht gegeben!

Knompf und Remschloktok

Trotz allem bin ich in Wahrheit ganz glücklich über den Schritt ins digitale Zeitalter, an dessen Schwelle ich aufgewachsen bin. Was wäre ich – besonders meine Texte – heute ohne die sozialen Netzwerke? Stunden verbringe ich dort, investigativ versteht sich, und stets auf der Suche nach neuen Inspirationen und Ansichten für meine Geschichten. Eine Diskussion, ist mir dabei in letzter Zeit besonders häufig aufgefallen, wenn es mal wieder um die einzig wahre Art und Weise der Ernährung geht. Im Internet, aber auch im realen Leben. „Ich werde nie verstehen warum sich Vegetarier Burger und Würstchen nachbauen. Ich bastle ja auch kein Salatblatt aus Hack“, habe ich kürzlich lesen dürfen. Sehr witzig. Oder ist das gar kein Witz? Auch wurde ich schon gefragt, warum vegetarisches Grillgut denn ebenfalls Wurst oder Schnitzel heiße. Antwort eines veganen Freundes: „Ich tippe darauf, weil es wie Wurst oder Schnitzel aussieht! Es dann Knompf und Remschloktok zu nennen, wäre doch auch komisch ….“ Kann man so stehen lassen.

Schweine, Hühner, Kühe in portionierbaren Größen

Was uns zur nächsten Frage bringt, die sich dem Diskurs folgend ergibt: Warum sieht vegetarisches Schnitzel dann bitte aus wie eines aus echtem Tier? Ja, wenn ich das bloß wüsste. Warum sieht ein Schnitzel denn überhaupt aus wie ein Schnitzel? Und was ist Schnitzel eigentlich für eine Form? Fragen über Fragen. Doch eines habe ich in den letzten Jahren festgestellt: Schweine, Hühner und Kühe werden überraschenderweise gleichfalls selten in auf dem Teller portionierbaren Größen geboren. Liegt vielleicht bereits hier die Antwort auf die Frage, warum Brät jeglicher Art eine ähnliche Architektur aufweist?
Und noch eine etwas unappetitliche Überlegung drängt sich mir bei all der Rätselei auf: Wo in der Natur kommt die Wurst eigentlich einzig und allein als natürliche Form vor? Sehen Sie: Einige Dinge sollte man besser einfach nicht hinterfragen.