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Fünf-Sterne-Küche? Sushi? Poke Bowls? Das alles mag unsere Autorin auch. Aber ihre große kulinarische Liebe ist gelb, wird aus einer Kartoffel gemacht und schmeckt am besten mit Ketchup und Mayo.

Vielleicht liegt es daran, dass ich aus dem Ruhrgebiet komme, wo es an jeder Ecke eine Pommesbude gibt. Auf jeden Fall hat so eine Schale voller goldgelber Pommes frites mich schon immer irgendwie in kürzester Zeit sehr zufrieden gemacht. Ich weiß, dass Acrylamid krebserregend sein soll, mein Lieblingsessen dick macht und Frittieren alle Vitamine der Kartoffel zerstört. Aber das ist mir völlig egal. Allein der Gedanke an das Gefühl einer knackigen Pommes in meinem Mund, macht mich wahnsinnig zufrieden. 

Man sagt, dass Kinder gerne Dinge essen, die sie möglichst leicht in den Mund befördern können. Das gilt auch für mich. Vielleicht liebe ich deswegen Pommes. Außerdem sind sie aber mein natürliches Mittel des Aufbegehrens. In einer Zeit, in der alle möglichst viel megagesunde Chiasamen, kohlenhydratarmes Eiweißbrot und trendy Bowls zu sich nehmen, sind sie mein ganz persönlicher Akt der Revolution. Übertrieben könnte man sagen: Sie bedeuten meine Abkehr von der immerwährenden Selbstoptimierung, meine kleine Auszeit vom Erwachsen- und Vernünftigsein, mein Aufschrei gegen den Fitnesswahn. Tatsächlich esse ich sie vor allem mit großer Freude.

Echte Pommes, nicht die wabbeligen Backofenbetrüger

Pommes schmecken mir mit 40 noch genau so gut wie damals mit vier. Selbst die leichte Übelkeit nach dem Genuss von zu vielen der großartigen Kartoffelstäbchen genieße ich irgendwie. Sie gehört für mich genauso dazu wie Salz, Mayo und Ketchup. Ich meine übrigens "echte" Pommes. Im Idealfall die schlichte aber ehrliche Variante aus einem richtigen Imbiss bei mir um die Ecke. Nicht etwa die schlechten Imitationen von Fast-Food-Ketten, die schicke Süßkartoffelvariante mit Erdnusssauce oder diese wabbeligen Backofenbetrüger. Schön heiß und fettig müssen sie sein, mit ordentlich Biss.

Wäre ich nicht schon mit jemandem verheiratet, würde ich für ein erstes Date genau dieses Essen wählen. Man kann es überallhin mitnehmen, es leicht essen, es lenkt in seiner Opulenz nicht vom wahren Kern des Treffens ab. Das bringt mich übrigens auf eine Idee: Bei der nächsten Date Night mit meinem Liebsten, schlage ich den Imbiss an der Ecke vor. Mit meinem Mann ist nämlich wirklich gut Pommes essen. Wahrscheinlich sind wir (zumindest unter anderem) deswegen schon so lange zusammen.