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Rafaela Völlmer, 36, betreibt seit fast zehn Jahren ihr eigenes, sehr erfolgreiches, Catering-Unternehmen. Ihr Hauptgeschäft von März bis September: Hochzeiten, Hochzeiten, Hochzeiten, die sie von A-Z plant und ausrichtet. Sie liebt es in ihrem Job immer wieder Menschen glücklich zu machen. Aber manche Dinge treiben Sie auch echt an den Rand des Wahnsinns. Anbei die Hitliste ihrer absoluten „I-break-together“-Augenblicke.

Osteuropäische Hochzeiten – allein dazu könnte ich ein Buch schreiben. Ich kriege die durchdringende Stimme der meist kleinen und immer unglaublich lauten Moderatorin, die die ganze Hochzeit von vorne bis hinten erst auf russisch und dann auf deutsch durchmoderiert, oft über Wochen nicht aus dem Kopf. „Sehen Sie doch, wie wunderschön die Braut ist und wie verliebt sie ihren Bräutigam anschaut“, krakeelt sie ins Mikrofon, während sie durch die Tischreihen streift. Damit auch jeder gut sehen kann, wie die Braut wirklich schaut, speist das Brautpaar oft den ganzen Abend lang auf einer Bühne.

Kein Wunder, dass bei dieser Dauer-Beschallung eine Flasche Wodka nach der anderen geleert wird. Und nein, das ist kein Klischee. Auf traditionell russischen, manchmal auch auf polnischen, Hochzeiten stehen auf jedem Tisch bereits zum Aperitif mehrere Flaschen Wodka. Zu jedem Gang und auf spontanen Zuruf muss dann die ganze Hochzeitsgemeinde trinken. Immer wieder. Herrlich zu beobachten ist, wie dann der deutsche Teil der Gesellschaft schon völlig betrunken ist, bevor das Fest überhaupt losgeht. Klar, die sind das ja nicht gewöhnt, wollen aber keinesfalls unhöflich sein. Und der osteuropäische Tischnachbar passt auch akribisch auf, dass beim Trinken ja nicht geschummelt wird!

Zur Suppe müssen sich dann alle Junggesellen in eine Art traditionelles Krieger-Kostüm hüllen und servieren. Warum, das habe ich noch nicht verstanden. Egal, denn das Szenario sorgt unter den Gästen immer wieder für große Freude. Und, ach ja: Am nächsten Tag kommt die gesamte Gesellschaft noch einmal zusammen und isst die Reste des Büffets. Egal was es war. Und vielleicht gibt es dazu ein bisschen Wodka. Nastrovje!

Hochzeitstorten: Da brennt gerne mal die Tischdecke

Die Hochzeitstorte ist auch so ein Thema. Da haben wir schon alles erlebt. Der Klassiker ist die brennende Tischdecke, wenn das Brautpaar auf ein begleitendes Tischfeuerwerk besteht. Das passiert so drei bis vier Mal pro Saison. Immer wieder beliebt ist auch das Herabfallen der obersten Stockwerke, wenn das Teil feierlich und mit lautem DJ-Tamtam eingefahren wird.

Einmal ist eine Torte erst einen Tag zu spät bei uns angekommen. Man stelle sich die Begeisterung der Braut vor. Am schlimmsten für uns war, als eine neue Bedienung dachte, sie würde sich behilflich machen, wenn sie die Torte schon einmal in der Küche anschneidet.

Glücklicherweise ist es immer schön schummrig in den Festsälen und die Wahrnehmung der Gäste zu fortgeschrittener Stunde bereits getrübt. Sonst wäre wohl aufgefallen, dass wir die Schnittstellen kurzerhand mit Puderzucker gekittet haben. Übrigens: Die Dinger schmecken wirklich nie! Umso ungeheuerlicher, dass Brautpaare 300 bis 3000 Euro bei speziellen Tortenkünstlern lassen.

Von Schwieger- und Brautmonstern

Achja, Hochzeiten und Emotionen. Und damit meine ich leider nicht nur die positiven. Ich glaube, nirgendwo wird so viel gestritten wie vor, nach, oder während einer Hochzeit. Und es gibt wirklich fiese Schwiegermütter. Auf einer Feier erlebte ich wie die Bräutigams-Mutter in ihrer Rede doch tatsächlich unterbrachte: „Früher da brachte mein Sohn immer so große, blonde Models mit nach Hause, aber nie hielt es lang. Da sagte ich zu ihm: Suche dir doch mal so eine normale, kleine Krankenschwester. Und genau das hat er nun getan.“ Der armen, übrigens wunderhübschen, Braut kamen die Tränen. Wer könnte sie nicht verstehen?

Berühmt berüchtigt ist auch der sturzbetrunkene Bruder des Bräutigams, der glaubt, unbedingt am heutigen Abend seine Zukünftige treffen zu müssen. Und um sie auch wirklich nicht zu verpassen, gräbt er vorsichtshalber jede nicht mit ihm verwandte Frau auf der Feier an. Dieses Verhalten bleibt auch von eifersüchtigen Ex-Partnern und Ehemännern nicht unbemerkt. Und so ist es tatsächlich nicht erst einmal dazu gekommen, dass noch während der Party die Polizei anrücken musste, um Prügeleien aufzulösen. Aber auch Bräute selbst können am Tag der Tage zu Brautmonstern mutieren. Ich habe immer wieder Angst, dass irgendwann eine meiner Servicekräfte kopflos aus dem Festsaal zurück in die Küche stolpert.

Nicht jeden Gast einzeln vorstellen!

Und bitte liebe Brautpaare, wenn ihr 150 Gäste habt: Stellt nicht jeden Gast einzeln vor! Eure Lieben sind oft seit Stunden auf den Beinen und haben einfach nur noch Hunger. Überlegt euch auch, wie lang so ein Hochzeitsfotoshooting wirklich dauern muss. Stunden der programmlosen Wartezeit können selbst für den lustigen Onkel Willi irgendwann zum Stimmungskiller werden.

Speziell finden wir auch immer, wenn morgens um fünf der Bruder der Braut mit einem Haufen zum Großteil noch gefalteter, frisch geschenkter Scheine zu uns an den Tresen stolpert und bezahlen will. Einmal wollte einer sogar die gesamte Feier in Kleingeld begleichen. Da bin ich dann mal wirklich innerlich zusammengebrochen. Und trotzdem freue ich mich immer, wenn das Brautpaar am nächsten Tag zu mir sagt: „Genauso haben wir uns unsere Traumhochzeit vorgestellt!“