Herrenbesuch: Diesmal mit Robbie Williams

 

Barbara plaudert mit Popstar Robbie Williams über den wahren Luxus im Leben: Jogginghosen

 

Barbara: Viele Leute definieren Luxus als etwas Überflüssiges. Schön, aber eigentlich unnötig.

Robbie: Ich empfinde etwas ganz und gar nicht Überflüssiges als Luxus: meinen Job.

Barbara: Das musst du erklären.

Robbie: Wenn man eine Leidenschaft findet und damit noch Geld verdient, muss man in Wirklichkeit nicht arbeiten. Das ist für mich Luxus. Und für dich?

Barbara: Für mich ist es das Fehlen von Optionen. Ich bin glücklich, wenn ich nicht zwischen zu vielen Dingen wählen muss.

Robbie: Das ist dein Luxus?

Barbara: Ja. Wir haben ein kleines Haus in Österreich. Dort bin ich so gern, weil es keine Disco, keine Bar, keine Leute zu treffen gibt. Ich empfinde Optionen oft als störend.

Robbie: Fehlende Optionen sind aber doch das Gegenteil von Luxus.

Barbara: Nicht, wenn einen die Fülle an Möglichkeiten erschlägt. Das muss doch in deinem Leben auch so sein – du kannst doch alles tun, wonach dir gerade ist, oder?

 

Neugierig? Das ganze Interview gibt's in der neuen BARBARA

 

Herrenbesuch: Diesmal mit Till Brönner

 

Barbara und Jazzmusiker Till Brönner über (die interessanten) Menschen aus der zweiten Reihe

 

Barbara: Till, wen hast du bewundert, als du ein Kind warst?

Till: Da fällt mir Heinz Rühmann ein, dessen Filme immer liefen, wenn ich sonntagnachmittags bei meiner Oma zu Besuch war. Ich habe aber auch gern Walt-Disney- Filme gesehen, das „Dschungelbuch“ mit King Louie und seiner Affenbande oder die „Aristocats“, die Filmmusik war ja auch schon Jazz.

Barbara:Als Zehnjährige war ich schwer beeindruckt von Atréju aus „Die unendliche Geschichte“.

Till: In den Bavaria Studios konnte man auf dem Drachen sitzen.

Barbara: Ich hab mich an sein Fell geschmiegt, weil eben Atréju darauf geritten ist! Eine Freundin erzählte mir damals, dass sie jemanden kenne, der mir das Telefonbuch von Los Angeles besorgen könne, damit ich direkt beim Darsteller Noah Hathaway anrufe. Da warte ich heute noch drauf. Du hast mit so vielen großen Stars gearbeitet – Hilde Knef, Tony Bennett, Juliette Gréco, Manfred Krug –, waren das auch Helden von dir?

Till: Da waren Helden dabei. Aber ich fand oft die Menschen aus der zweiten Reihe interessanter, die zufälligen Begegnungen.

Barbara: Erzähl doch mal!

Till: Vor einigen Jahren traf ich einen Typen, der mir, das würde ich schon so sagen, mein Leben gerettet hat. Mir ging damals die Puste aus – schlecht für einen Trompeter. Und der sagte: „Du machst das falsch.“ Theoretisch hätte mich auch Tom Cruise retten können. War aber Malte Burba, nicht ganz so bekannt.

Barbara: Die größten Helden möchte man vielleicht gar nicht persönlich treffen. Man will ja nicht vor denen stehen und fragen: „How do you like Berlin?“

Till: Als ich jung war, bin ich einem meiner großen Helden in den USA begegnet, Ray Brown. Er hat quasi den Jazz-Kontrabass erfunden.

Barbara: Jazz war euer Thema.

Till: Ich hatte ihn zuvor gefragt, ob er auf meinem Debütalbum spielen würde. Mein erstes Übersee-Telefonat, Gagenverhandlung auf Englisch … Ich glaube, ich war mit 20 viel mutiger als heute.

Barbara: Ich war eher kaltschnäuzig. Habe Shows moderiert, ohne eine Ahnung zu haben von dem, was ich da tue. Aber dann merkt man: Ach, so geht das – und schon bist du einen Schritt weiter.

Till: Heute denke ich schnell: Ach, wahrscheinlich will der eh nicht … Ein bisschen feige vielleicht. Und dann sehe ich, wie junge Kollegen mit Vollgas vorbeiziehen und ein Selfie mit Herbie Hancock machen.

Barbara: Na, das würdest du inzwischen auch kriegen.

Till: Okay, stimmt.

Barbara: Sag mal, Millionen von Eltern wünschen sich, dass ihr Kind ein Instrument lernt …

Till: Aber nicht Trompete!

Barbara: Dein erster Trompetenlehrer war Oberfeldwebel. Bist du deshalb drangeblieben?

Till: Mich hat das nicht so sehr eingeschüchtert, eher fasziniert. Ich war acht oder neun Jahre alt, und der tanzte in Uniform und Lametta an, als hätte ich es verdient.

Barbara: War er streng?

Till: Nee, der war gut! Ich glaube, der brauchte die Uniform, weil er in Wahrheit ein bisschen weicher war. Musiker eben. Später hab ich dann in den Fernsehshows die Big-Band-Typen in ihren weißen Smokings gesehen. So einen wollte ich auch!

Barbara: Du bist Trompeter geworden wegen der geilen Klamotten?

Till: Ja! Gib mir die Trompete halt dazu! Aber es ist nicht nur Äußerlichkeit. Die gesamte Jazz-Sozialisation hängt an dem Klamottenhersteller Brooks Brothers. So einen Anzug musste man in den 30er- und 40er-Jahren haben, weil man nun mal nicht viel mehr als den hatte. Darin konntest du schlafen und ins Kino gehen - so stabil, dass man ein Auto damit abschleppen konnte.

Barbara: Tina Turner trug Netzstrümpfe ja auch nicht, weil sie sexy waren, sondern weil die keine Löcher kriegen.

Till: Dein Vater ist doch Klarinettist. Hast du ein Instrument gelernt?

Barbara: Klavier. Aber für mich gab es keine verheißungsvollen Klamotten, die mich da gelockt hätten. Mein Vater hat mich unterrichtet, aber nie wirklich gedrängelt. Man sollte das eigene Kind eben nicht unterrichten.

Till: Frag mal Mozart. Geht schon.

Barbara: Bei mir war wohl absehbar, dass es mit dem Klavier keine Liebesbeziehung wird. Aber Musikalität ist mir immer leicht gefallen.

Till: Und eine Stimme hast du!

Barbara: Ich hätte tatsächlich Operngesang studieren können – fand ich damals total uncool. Bis heute muss ich aber sagen, dass klassische Musik mein Zuhause ist, sie ist mein bester Freund. Du singst auf deinem aktuellen Album auch wieder. Was kannst du mit Gesang ausdrücken, was sich mit der Trompete nicht sagen lässt?

Till: Ganz einfach: Jedes Instrument zieht neben der schlechtesten menschlichen Stimme den Kürzeren, nichts dringt näher an den Menschen heran. Wenn ich nur eine Note singe, hört das Livepublikum der Trompete wieder interessierter zu. Sing, dann bleiben sie bei dir.

Barbara: Als Jugendlicher hast du entschieden, von der Klassik, die ja sehr an der Partitur klebt, zum Jazz zu wechseln. Warum?

Till: Es war der beste Weg, Fehlern Sinn zu geben: Ätsch, das hab ich extra so gespielt.

Barbara: Du warst doch ein Wunderkind an der Trompete!

Till: Das stimmt nicht ganz. In Wettbewerben hab ich immer gegen jene verloren, deren Vater Musiker war. Dieser dämliche zweite Platz.

Barbara: Damals schwebte dir noch eine Karriere im Klassikbereich vor?

Till: Aber das Gefühl, kontrollierbar zu sein, das war für mich schlimm. Falsch ist falsch – da steht es doch auf dem Notenblatt! Daniel Barenboim, der ja ein sehr umgänglicher Zeitgenosse ist, hat einmal sehr leise, aber eindringlich zu mir gesagt: "Wissen Sie, ich kann riechen, ob der Ton gleich danebengeht!" Jazz hat mich aber auch emotional mehr gepackt. Du hast dich in deinem Beruf ja irgendwie auch für Jazz entschieden.

Barbara: Stimmt. Wenn einer zu mir sagen würde: "In Minute 13 müsstest du bitte diesen Witz machen" – dann würde ich es garantiert versauen. Ich hab mich ziemlich früh fürs Unperfekte entschieden, keine Zwänge, lieber improvisieren.

Till: Ich glaube, dass Konzertbesucher das auch super finden, dass sie live einen Song anders als von der Platte bekommen. Nicht wie bei Stevie Wonder, der "I Just Called to Say I Love You" immer gleich singt: "… and I mean it from the bottom of my heart" – bombombom. Ende. Der kann aber auch viele andere Sachen, muss man sagen.

Barbara: Mit 28 Jahren hast du die Rias Big Band verlassen, um Solist zu werden.

Till: Ich wollte nie die zweite Geige spielen. Die Big Band war für mich eine Schule. Ich konnte alles aus dem Hintergrund beobachten, hab Harry Belafonte auf den Arsch geguckt und gehört, mit welcher Leichtigkeit er von allem singt, was die Welt braucht. Ich hab gesehen, wie Gilbert Bécaud in die Ecke spuckt, wenn keiner guckt. Da freut man sich dann drüber.

Barbara: Ich wollte nie vorn stehen. Aber ich hab irgendwann gemerkt: Stört mich nicht. Wie kommst du damit klar, dass die Menschen für dich schwärmen?

Till: Ach, mein Publikum ist ja sehr höflich, sehr gesittete Leute.

Barbara: Nicht solche, die schreiend hinter einem herlaufen?

Till: Nee, nicht so. Wenn du auf einer Bühne stehst, dann gibt es natürlich auch immer Menschen, die etwas in dich reindenken.

Barbara: Bei mir ist das Schöne, dass ich inzwischen so viele weibliche Fans habe. Wenn doch mal ein Mann durchkommt und ein Foto mit mir macht, sagt der eher: Wenn das meine Mutter wüsste! Die ist so eine großer Fan!" Du lebst ja teilweise weit weg, in L.A. Welcher Teil von dir passt dorthin, welcher nicht?

Till: Da passt jeder Teil von mir hin. Jeder Deutsche passt dorthin, weil man da ganz schnell ablegt, was am Deutschsein problematisch ist: immer erst mal Nein sagen, Entscheidungen lieber aufschieben, anderen alles erklären wollen ... Alle anderen typisch deutschen Eigenschaften darf man behalten - und wird dafür bewundert.

Mädelsabend: Diesmal mit Anna Netrebko

 

Zum Thema Heimat befragen wir eine Frau von Welt: Die Opernsängerin Anna Netrebko stammt aus Russland und lebt in Wien und New York – wenn sie denn mal zu Hause ist

 

Barbara: Liebe Anna, du bist im Süden Russlands aufgewachsen. Was kommt dir in den Sinn, wenn du an die Heimat denkst?

Anna: Ich erinnere mich an frische Früchte und Gemüse. An Tomaten, die wie Tomaten schmecken. Der Tee aus Krasnodar ist unglaublich.

Barbara: Bei mir sind es auch kulinarische Dinge, die mich an meine Heimat erinnern, vor allem das Essen, das meine Oma und meine Mama gekocht haben: Bratkartoffeln, Erbsen und Möhrengemüse und Fleischpflanzerl. Bist du manchmal noch in Krasnodar?

Anna: Wenn ich meinen Vater besuche und meine Freundinnen.

Barbara: Und, wie ist es dann?

Anna: In unserem Haus ist immer was los. Mein Vater baut eigenen Wein an. Es ist heiß in Krasnodar, sehr sonnig. Die Stadt hat schöne Viertel. Aber für meine Begriffe gibt es zu wenige Orte für Kultur.

Barbara: Trittst du dort auf?

Anna: Das ist es ja: Vor etwa 15 Jahren habe ich gemeinsam mit Waleri Gergijew ein Konzert gegeben. Die Bühne der Philharmonie ist so klein, als wäre sie für einen Akkordeon- Spieler gebaut.

Barbara: Du warst 16, als du zum Studium nach St. Petersburg gingst.

Anna: Ich wohnte in einer WG mit lauter Musikern. Das war laut, aber auch so toll. Wenn man jung ist, sollte man unbedingt mit gleichaltrigen Leuten leben. Und meine Eltern wussten, dass ich nichts anstelle.

Barbara: Ich habe in einer Vierer- WG gewohnt. Alle zwei Wochen riefen meine Eltern an und sagten: „Lebst du noch, kannst du dich vielleicht mal melden?“ Ich hatte kein bisschen Heimweh. Du?

Anna: Wahrscheinlich habe ich zu jener Zeit erst begriffen, wie sehr ich meine Eltern liebe.

Barbara: In welchen Momenten war die Sehnsucht am schlimmsten?

Anna: Krank und fiebrig im eiskalten St. Petersburg, nichts zu essen, keine Medikamente – Maaama!

Barbara: Bist du als Kind gereist?

Anna: Oft. Ich war auch im Chor eines Kinder-Ensembles für Gesang, Tanz und Orchester. Wir hatten ständig irgendwo Auftritte.

Barbara: War dir vor der Karriere klar, dass du so viel reisen müsstest?

Anna: Nein, mir war das anfangs nicht klar. Du musst es annehmen, dir sagen: Okay, ich bin nicht zu Hause – mach das Beste draus.

Barbara: Im Hotelzimmer?

Anna: Allerdings. Ich rücke Möbel.

Barbara: Wohin denn?

Anna: Nur ein bisschen in die Ecke.

Barbara: Das Erste, was ich in Hotels mache, ist, die Klimaanlage auszustellen, die Fenster aufzureißen und die Heizung auszuschalten. Hängst du denn auch Bilder ab?

Anna: Das würde doch Ärger geben!

Barbara: Manchen Leuten wäre das egal. Die schicken vorab auch lange Wunschlisten ans Hotel …

Anna: So bin ich nicht. Aber natürlich: Ich wohne in sehr schönen Hotels, einfach weil ich mich viele Wochen dort aufhalte – ich brauche es wohnlich. Eine gute Küche im Haus. Keine Bauarbeiten. Rattattatta, das kann ich nicht haben.

Barbara: Ich bin immer höchstens zwei Nächte weg und wähle das Hotel pragmatisch aus, nach der Nähe zum Flughafen.

Anna: Wie viele Kinder hast du?

Barbara: Zwei. Aber die nehme ich nie mit, wenn ich arbeite.

Anna: Es ist gut, wenn Kinder ihr eigenes Leben haben. Das versuche ich für Tiago auch einzurichten, eine kleine Basis zwischen all den Reisen und unserem Alltag in Wien und New York. Er ist sieben und geht in New York zur Schule. Aber ich kann ihn nicht ständig dort lassen.

Barbara: Das schlechte Gewissen reisender Mütter – kommt mir bekannt vor. Um dann festzustellen, dass mein Job für meine Kinder total in Ordnung ist. Mit mehreren Wohnsitzen: Wird da nicht ständig die Milch im Kühlschrank sauer?

Anna: Nein, nein. Eine wunderbare ukrainische Dame kümmert sich um unsere Wohnungen. Was würden wir ohne sie nur machen! Seit Kurzem haben wir einen Fisch.

Barbara: Einen Fisch?

Anna: Das Geschenk eines Freundes, ein Goldfisch in der Glaskugel. Dem haben wir ein größeres Aquarium und ein paar Gefährten besorgt.

Barbara: Das macht so viel Arbeit! In unserem Kindergarten will während der Ferien keiner Aquarium- Dienst schieben. Man soll ja sogar die Steine auskochen!

Anna: Wir haben unsere Fische deshalb übergangsweise in das Aquarium einer Freundin gegeben. Sie sagt nun, unser Goldfisch habe alle anderen gefressen. Auch ihre!

Barbara: Vielleicht ein Piranha?

Anna: Ein Goldpiranha vermutlich.

Barbara: Früher warst du oft allein auf Reisen. Ein Zitat aus jener Zeit: „Man muss aufpassen, dass man ein Mensch bleibt.“

Anna: Damit meine ich, dass viel Gewese um den Beruf gemacht wird. Viele Sänger – also ich natürlich nicht! – sind etwas paranoid. Sie denken: Ich! Die Kunst! Die Kritiken! Man muss sich auch raushalten können au sdieser verrückten Opernwelt. Manche Tenöre bauen, sobald sie in der Garderobe eintreffen, eine umfangreiche Apotheke auf. Hust, räusper, flüster …

Barbara: Du wirkst nicht zimperlich mit deinen Stimmbändern.

Anna: Bei mir geht das so: Den Tag vor einem Auftritt schone ich mich, weil morgen Abend der Auftritt ist. Und den Tag danach schone ich mich, weil gestern der Auftritt war.

Barbara: Schonen“ heißt genau?

Anna: Wir gehen in den Zoo, ins Restaurant. Ich mache nur nicht allzu wilde Sachen, also: keine Sauna, keine Sonne, nicht zu lange auf dem Spielplatz bleiben. Leider schlafe ich nicht mehr bis mittags. Muss wohl das Alter sein.

Barbara: Jetzt schon?

Anna: Ach, das beunruhigt mich gar nicht. Ich möchte nicht krank sein im Alter, deshalb versuche ich, gesund zu leben. Aber Altern? Ich werde eine verrückte Alte sein!

Barbara: Fühlst du dich heimisch in deinem Körper?

Anna: Manche denken, ich sei zu dick. Mir gefalle ich so besser. Auch meinem Mann Yusif. Und meine Haut ist viel besser als früher.

Barbara: fühle mich in meinem Körper mehr zu Hause als mit 20. Wenngleich das Haus damals, objektiv betrachtet, besser in Schuss war. Du redest immer sehr nett über deinen Körper.

Anna: Mich regen diese Stereotype so auf, dass Frauen gertenschlank sein müssen, um als gut aussehend zu gelten. Warum denn? Was bedeutet das für die Millionen von Frauen, die nicht dünn sind? Verdienen sie es nicht, geliebt zu werden? Falsch! Wir müssen ihnen helfen zu begreifen, dass sie schön sind. Es ist eine Katastrophe, wie viele Frauen in Russland sich operieren lassen.

Barbara: Ich staune, wie viele Frauen aus der Medienbranche etwas machen lassen. Ich selbst verspüre überhaupt keinen Druck.

Anna: Dieselben Wangen, dieselben Lippen, alle sehen gleich aus!

Barbara: Zum Thema Gemeinsamkeit: Dein aktuelles Album heißt „Verismo“. Was vereint die Frauenfiguren, deren Arien du darauf singst?

Anna: Das große Drama, würde ich sagen. Der Verismus beschreibt eine Periode vom späten 19. bis ins frühe 20. Jahrhundert. Die Figuren agieren leidenschaftlich, das Setting ist oft düster. Für mich ist das eher neues Repertoire. Es dauerte ewig, das Album fertigzustellen.

Barbara: Wegen der Stücke?

Anna: Nein, es war schon fertig – aber ich mochte es nicht.

Barbara: Und dann?

Anna: Noch mal neu.

Barbara: Wie geht’s dir vor so einer Entscheidung?

Anna: Ich war enttäuscht. Weil ich etwas anderes erwartet hatte.

Barbara: Was hast du geändert?

Anna: Diese Stücke brauchen einen italienischen Sound. Wir haben das Orchester gewechselt und mit Maestro Pappano in Santa Cecilia in Rom aufgenommen. Der hat allerdings noch weniger Zeit als ich.

Barbara: Im Frühjahr musstest du Deutsch lernen, um in Dresden die Elsa in „Lohengrin“ zu singen. Fiel dir das schwer?

Anna: Die Aussprache war nicht das Problem. Schwer war tatsächlich, mir alles zu merken. Wagner! Diese langen Passagen! Deutsche Kollegen sagten: Sorry, das kann ich auch nicht übersetzen. Letztlich brauchte ich einen Prompter.

Barbara:Davon kann ich mich nie lösen. War er dir eine Stütze?

Anna: Nein, ich starre die ganze Zeit darauf. Sollte das je im Fernsehen gezeigt werden, wird man das genau erkennen.

Barbara: Angenommen, du dürftest eine Oper über dich inszenieren, wie würde diese aussehen?

Anna: Glaub mir, das würde ich nie tun! Aber sagen wir doch: sehr bunt und meist heiter

Mädelsabend: Diesmal mit Ildikó von Kürthy

 

Die Schriftstellerin und Journalistin Ildikó von Kürthy hält das Ruder gern in der Hand. Nur ein Grund, wieso Barbara sie für dieses Interview ins Boot geholt hat. Ein Gespräch über prägende Erlebnisse im Wasser – und zu enge Badeanzüge

 

Barbara: Ildikó, lass uns, um es knallhart dialektisch zu sagen, über das Thema „Unter Wasser“ reden.

Ildikó: Das klingt nach Sommer, Softeis und viel nackter Haut. Bist du auf dem Titel etwa im Badeanzug zu sehen?

Barbara: Ja, ich stehe da so neckisch im Wasser. Aber nur bis zum Dekolleté. So, dass man gerade noch meine schmalen Schultern sieht. Der Rest wird gnädig umspült.

Ildikó: Wenn nur mein Kopf auf einem Foto zu sehen ist, dann ist bei mir auch immer alles okay. Der Rest ist Privatsache.

Barbara: Bist du gern im Wasser?

Ildikó: Ja, das ist mein Element. Ich bin sozusagen darin aufgewachsen. Mein Vater, der blind war, und ich sind in meiner Kindheit kilometerweit zusammen geschwommen. Im Wasser gibt es keine Stufen und keine Hindernisse. Eine großartige Erinnerung. Im Wasser fühle ich mich bis heute leicht und unbeschwert – und rund 82 Kilo leichter.

Barbara: Mir geht es genauso. Ich liebe das Schwimmen. Als Kind war ich im Sommer praktisch nur im Wasser. In Freibädern und so.

Ildikó: Ich liebe Freibäder. Den Trubel, die Geräusche, das Kinderpipi in den Becken ...

Barbara: Ich gehe da auch heute noch gern mit meinen Kindern hin. Baden, spielen, rumhängen und dann Pommes mit Ketchup als Hauptmahlzeit und zwischendurch viermal Eis. Und Wasserrutschen und so was.

Ildikó: Ich habe Angst vor dunklen, engen Räumen. Deshalb meide ich Wasserrutschen.

Barbara: Und wenn deine Kinder da mal runterdonnern wollen?

Ildikó: Dann spreche ich fremde Männer an und sage: „Bitte nehmen Sie mein Kind. Es möchte rutschen. Ich warte unten.“ Das klappt immer.

Barbara: Wann, wo und von wem hast du denn schwimmen gelernt?

Ildikó: In einem Kriegsblindenheim.Da war ich fünf, und mein Vater hat es mir beigebracht. Ich höre ihn noch rufen: „Mein Schätzelein kann schwimmen!“, als ich die ersten Züge gemacht habe. Er war unglaublich stolz.

Barbara: Ich war mit meiner Mutter beim Babyschwimmen. Dann immer wieder als Kleinkind in Bädern. Ich habe das früh gelernt.

Ildikó: Und jetzt mal Trophäenvergleich: Welche Abzeichen hast du?

Barbara: Nur Freischwimmer.

Ildikó: Ich habe selbstverständlich alle, die es unterhalb dieses DLRGAbzeichens gibt.

Barbara: Wow!

Ildikó: Und die hab ich früher auch alle stolz getragen. Wie eine Litfaßsäule.

Barbara: Kannst du denn auch richtig gut kraulen?

Ildikó: Was für eine Frage! Ich kann auch Delphin. An Land bin ich aber deutlich unbeholfener. Du solltest mich mal ein Rad schlagen sehen. Entwürdigend.

Barbara: Wir hätten dich mit Schwimmbrille fotografieren sollen.

Ildikó: Die drücken sich immer so ins Gesichtsfleisch. Wenn ich am Morgen schwimmen war, sehe ich abends noch zerbeult aus.

Barbara: Die Dinger drücken einem praktisch die Augen raus, so fest liegen die an. Wenn man die zu oft benutzt, kriegt man so eine Art Augenbrauen-Hornhaut.

Ildikó: Das klingt ja noch ekliger als Gesichtsfleisch.

Barbara: Lassen wir das. Bist du schon mal vom Dreier gesprungen?

Ildikó: Ja, aber Köpper trau ich mich nicht.

Barbara: Ich mich auch nicht. Ich mache auch nur eine Kerze

Ildikó: Hauptsache schnell ins Wasser. Es gibt eine Gewichtsgrenze bei mir, ab der ich definitiv zusehe, nicht unnötig lang am Beckenrand rumzulungern.

Barbara: Ja. die Sache mit der Bademode. Man sagt ja immer, dass man in Umkleidekabinen so unvorteilhaft aussieht, weil da das Licht von Oben kommt. Erst jetzt habe ich begriffen, dass das Licht am Meer oder See ja auch von oben kommt. Man sieht da also genauso beknackt aus wie in Umkleidekabinen.

Ildikó: Deshalb renne ich auch immer gleich schnell ins Wasser.

Barbara: Egal, wie kalt es ist?

Ildikó: Na ja, wenn ich mich in einer eher schwierigen Lebensphase befinde, brauche ich länger. Dann stehe ich auch schon mal eine Viertelstunde bis zum Bauch im Wasser und drehe dann verzagt wieder um. Man kann aus meinem Gang ins Wasser Rückschlüsse auf meinen Gemütszustand ziehen.

Barbara: Was trägst du lieber: Bikini oder Badeanzug?

Ildikó: Jedes Jahr denke ich: Jetzt ist schluss mit der Bikini-Zeit. Aber dann sage ich mir: Was soll's? Ich bin ja kein Model und muss mit meinem Körper kein Geld verdienen. Und auch ein Badeanzug kann nichts gegen schlaffe Oberarme und speckige Kniekehlen ausrichten.

Barbara: Ich trage immer noch beides. Aber ich gucke schon manchmal neidisch, wenn ich da Jüngere in so knappen Miniteilchen sehe, bei denen nichts hängt.

Ildikó: Dann versuche ich mich aufzumuntern und denke: Ich bin zweifache Mutter. Das geht halt nicht spurlos an einem vorbei. Aber dann höre ich das die Knackige mit dem Minitanga fünf Kinder hat.

Barbara: Dafür bist du schlauer.

Ildikó: Ich hab auch schon Bikini-Model-Frauen mit einem Doktor in Physik erlebt. Das ist natürlich niederschmetternd. Und der Kummer geht ja auch nach dem Baden weiter: Man kann einen nassen Badeanzug nicht elegant ausziehen.

Barbara: Mache ich auch nie.

Ildikó: Wie? Du schneidest ihn auf und kaufst dir einen neuen?

Barbara: Nee, ich lass ihn immer an und warte einfach, bis er trocken ist. Was anderes: Wo urlaubst du lieber? Am Meer oder in den Bergen?

Ildikó: Ich habe Höhenangst. Was soll ich da in den Bergen? Ich bevorzuge Seen oder Freibäder in der norddeutschen Tiefebene. Und du?

Barbara: Wildes Fahren auf dem Meer in Motorbooten in wehendem Leinekaftan - ist nicht so meine urlaubswelt. Und am Strand braten auch nicht. Ich bin lieber in den Bergen. Mit einem See in der Nähe.

Ildikó: Mit dem Strand hab ich's auch nicht so. Ich geh da mal so lang und lausche den Wellen. Und abends ein alkoholhaltiger Cocktail mit Horizontblick. Da hab ich nichts gegen.

Barbara: Ich kann nicht stundenlang stundenlang irgendwo rumliegen. Da werd ich total hibbelig. Und die Kinder haben auch irgendwann keine Lust mehr auf Eimerchen und Matsche. Seen mit interessanter Umgebung bieten einfach mehr als Meer.

Ildikó: Meine schönste Urlaubserinnerung hat auch mit einem See zu tun. Das war in Ungarn, am Balaton. Ich bin mit meinem Vater rausgeschwommen. Es war warm. Die Sonne schien. Und ich sah seinen breiten Rücken vor mir, wie er ruhig und gleichmäßig auf- und abtauchte. Wie ein großer, freundlicher Wal. Das war ein tiefes Gefühl des Friedens und der Geborgenheit.

Barbara: Und dein schlimmstes Wassererlebnis?

Ildikó: Als wir beide beim Segeln mit Freunden in einen Sturm gerieten. Da saß ich im Bauch des Bootes und hatte Angst vor diesen entfesselten Naturgewalten.

Barbara: Und dein schlimmstes Wassererlebnis?

Ildikó: Als wir beide beim Segeln mit Freunden in einen Sturm gerieten. Da saß ich im Bauch des Bootes und hatte Angst vor diesen entfesselten Naturgewalten.

Barbara: Kenn ich auch. Ich war mal zu einem Segeltörn um die Isle of Wight eingeladen - auf einem Profi-Segelboot. Ich sah mich vorher da so an Bord sitzen, locker durchs Wasser gleitend, vor schöner Landschaft mit Champagner und Erdbeeren. Ich fand mich dann aber in einem Sturm wieder - eingepackt in gelbes Ölzeug. Nur der Kopf guckte raus. Man hat mich mit einem Karabinerhaken an der Reling festgemacht, und alles, was ich dann noch mitgekriegt habe, war ein ständiges Auf und Ab, Wasser überall und irgendwelche Sirenen und panische Kommandos. Ich hatte acht Stunden Todesangst. Und abends mussten wir dann das Boot noch schrubben.

Ildikó: Bist du nicht seekrank geworden?

Barbara: Zum Glück nicht. Wirst du schnell Seekrank?

Ildikó: Ich vermute ja. Da mir schon schlecht wird, wenn ich auf einer Schaukel sitze, gehe ich davon aus, dass ich kurz nach dem Ablegen grün im Gesicht werden würde.

Barbara: Ich habe mir damals die Seekrankheit einfach untersagt. Und es hat geklappt! Ikdikó - wir haben beide einen Sturm an Bord überlebt! Nicht nur das verbindet uns. Ich danke dir für dieses Gespräch.

Herrenbesuch: Diesmal mit Detlev Buck

 

Schauspieler Detlev Buck ist kein Mann der großen Worte – jedenfalls wenn es darum geht, sich zu verabschieden. Lieber gehen ohne Gesabbel und Gefühle, meint er. Ein Gespräch übers Verschwinden, ein frisiertes Kleinkraftrad und eine sterbende Katze

 

Barbara: Detlev, wann hast du zuletzt mal gesagt: Nichts wie weg!

Detlev: Ach, vor irgendwas geflüchtet bin ich lange nicht. Aber ich mach das öfter mal, dass ich mich einfach rausziehe aus dem Alltag. Ab ins Ausland. Ist immer gut, mal die Perspektive zu wechseln. Und du?

Barbara: Mich zieht es vor allem immer nach Hause. Ich bin ja viel unterwegs. Und das nicht ungern. Aber irgendwann reicht es, und dann will ich nur noch heim.

Detlev: Also schön "to Hus sein"? Mit Mann und den Kindern in den eigenen vier Wänden?

Barbara: Genau. Da zieht es mich regelmäßig mächtig hin.

Detlev: Andere Leute haben ja Fernweh.

Barbara: Ich nicht so. Was ist mit dir?

Detlev: Klar kenn ich Fernweh. Ich bin ja auf dem platten Land groß geworden. Und wenn dann über unseren Hof oben am Himmel ein Flugzeug flog, dann hab ich mich da reingebeamt. Mit auf den Weg in ferne Länder. Heute ist das eher umgekehrt. Da gucke ich raus aus dem Flieger und denke manchmal: Da unten, da beame ich mich jetzt mal hin.

Barbara: Nienwohld bei Hamburg heißt das kleine Dorf, in dem du aufgewachsen bist. Da ging ja nicht gerade die Post ab, oder?

Detlev: Doch, doch. Da ging schon auch die Post ab. Da war so ein Laden um die Ecke, der hieß "Auenland". Da war immer was los. Livemusik und so. Da kamen sogar die Hamburger hin. Das war Kult. Und ich wusste: Am Wochenende sind da immer irgendwelche Kumpels von mir. Immer. Auch nachts um halb drei. Und dann bin ich da noch hin mit meinem frisierten Kleinkraftrad.

Barbara: In Ordnung, das war also was für dich als Jugendlicher. Aber du hast mal über deine Kindheit gesagt: „Ich wurde am Feldrand abgelegt und musste dort spielen. Ich bin mitgelaufen.“

Detlev: Ja, ich hab viel geguckt. Ich war ja Einzelkind und musste dann da so rumbutschern. Ich hatte ja auch viel Zeit. Und dann fing ich an, mir Sachen auszudenken. Ich erlebte Sachen in meiner Fantasie. Vielleicht war das damals die Keimzelle meines späteren Filmschaffens.

Barbara: Ich wurde nicht am Feldrand abgelegt. Aber Langeweile kannte ich auch. Meine Kindheit war bemerkenswert ereignislos. Ich würde ja gern Geschichten erzählen – von wilden Mädchenbanden und so. Aber die Wahrheit ist: Ich habe in meinem Zimmer gesessen und viel gelesen. Und mir hat nichts gefehlt. Bist du denn viel mit deinen Eltern verreist, Detlev?

Detlev: Nee, nie. Wir hatten ja Milchkühe. Wir konnten nicht zusammen weg. Ich wurde dann ab und zu mit meinem Onkel und seiner Familie mitgeschickt. Ganz pragmatisch.

Barbara: Erinnerst du dich noch an deine erste eigene Urlaubsreise in die Ferne?

Detlev: Ja, wir waren an einem tollen See. Ein paar Kumpels und ich.

Barbara: Und wo war das? Gardasee? Lago Maggiore?

Detlev: Nee, in Schleswig-Holstein. Fünfzehn Kilometer von zu Hause entfernt.

Barbara: Sagenhafte Fernreise.

Detlev: Aber es war toll. Wir haben gezeltet, irre viel getrunken und geraucht. Herrlich! Und deine erste Fernreise, Barbara?

Barbara: Da war ich 18 oder so. Da bin ich mit meinem Freund in Frankreich mit meinem Auto unterwegs gewesen. Alle aßen Muscheln an der Cote d’Azur. Nur wir hatten kein Geld, deshalb reichte es jeden Tag nur für Baguette avec Frittes. Schlechtes Essen, aber viel Sex, so muss die erste Reise aussehen.

Detlev: Ist doch besser als umgekehrt.

Barbara: Stimmt auch wieder. Hattet ihr auch Mädels beim Zelten dabei?

Detlev: Nö. Nur Kumpels. Aber wir haben viel über Frauen geredet.

Barbara: Du bist ja dann später als Filmemacher viel unterwegs gewesen und bist es noch heute. Du hast am Amazonas gedreht. Und in Kambodscha. Gerade spielst du wieder in einem Roadmovie mit. An der Seite von Charly Hübner, der übrigens hier auch schon Gast war.

Detlev: Ja, wenn ich so darüber nachdenke, geht es in meinen Filmen sehr oft um Bewegung. Weg von irgendwo und woandershin. Standortwechsel. Das müssen nicht immer Reisen sein. Manchmal geht es auch nur darum, einen Zustand, eine Sichtweise zu verändern. Aber dafür muss man sich bewegen. Und wenn es nur gedanklich ist.

Barbara: Unser Heftmotto "Nichts wie weg" kann ja die Sehnsucht nach Ortsveränderung sein, aber auch eine Reaktion auf etwas Unangenehmes, mit dem man sich plötzlich konfrontiert sieht. Was treibt dich sofort in die Flucht?

Detlev: Leute, die mir ein schlechtes Gewissen machen. Dann will ich umgehend weg. Und ich mag es nicht, wenn Männer sich in Gruppen zusammenrotten. Wenn sie eine Meute bilden, die irgendeine Haltung oder Meinung aggressiv nach außen trägt. In Fußballstadien zum Beispiel. Das hat oft was Fieses. Das treibt mich wirklich in die Flucht. Diese geballte, sich hochschaukelnde Wut einer Horde. Und du?

Barbara: Ich kann nicht aushalten, wenn Leute sich in meiner Gegenwart anzicken und streiten. Dann will ich nur noch weg. Das ist mir wahnsinnig unangenehm. Neulich im Zug hat sich mal in meinem Abteil ein Pärchen gestritten. Das war gruselig. Ich wäre am liebsten sofort ausgestiegen. Hast du eigentlich Phobien?

Detlev: Nö. Du?

Barbara: Ja, ich habe Angst vor Spinnen. Dennoch gucke ich mir gern auf Youtube normale Leute in Kalifornien an, die in ihrer Garage eine Tarantel finden und diese hysterisch schreiend abfilmen. Toll.

Detlev: Das ist Angstlust. So funktionieren Horrorfilme: was Fieses gucken, aber vom sicheren Sessel aus.

Barbara: Und du kennst solche Abneigungen gar nicht? Nix, was dir richtig Angst macht?

Detlev: Naja, seit ich "Der weiße Hai" als Kind gesehen habe, schwimme ich nicht mehr so gern im offenen Meer.

Barbara: Und in dunklen Seen, wo man den Grund nicht mehr sieht?

Detlev: Da erst recht nicht. Fehlt nur noch, dass einen da so schleimige Pflanzenarme berühren. Da würd ich durchdrehen.

Barbara: Stell dir mal vor, du könntest mit einem Raumschiff die Erde verlassen. Würdest du mitfliegen?

Detlev: Interessante Frage. Hm. Ich glaube nicht. Ich liebe die Welt, also unsere Erde. Da sollen gern andere mitfliegen. Gäbe sicher genug Kandidaten. Ich hab hier unten noch genug zu tun. Was ist mit dir?

Barbara: Niemals. Ich freue mich natürlich, wenn das andere machen und ich mir dann einen Film darüber anschauen kann. Mich zieht es gar nicht weg von hier. Und 36 Monate auf einen Kaffee aus meiner eigenen Tasse in meiner Küche zu verzichten wäre undenkbar.

Detlev: Verstehe ich. Da könnte man dann glatt etwas ungeduldig werden.

Barbara: Bist du ein guter Verabschieder, wenn du länger wegfährst?

Detlev: Nein, gar nicht. Ich hasse Abschiede. Das ganze Gesabbel. Die Umarmungen. Die Gefühle, die dann hochkommen. Mag ich nicht. Das belastet mich. Lieber einmal drücken und dann „Tschüss“.

Barbara: Der letzte Abschied ist ja der vom eigenen Leben. Hast du schon mal darüber nachgedacht, wie du sterben möchtest?

Detlev: Wie meine alte Katze. Draußen tobte ein Schneesturm. Und plötzlich ist sie von ihrem Platz aufgestanden, nach draußen geschlichen und nie wiedergekommen. Die hat sich zum Sterben zurückgezogen. Sie wollte dabei einfach ihre Ruhe haben. Und vielleicht wollte sie mich auch nicht mit dieser Situation belasten. So stelle ich mir das eigentlich auch vor. Nicht viel reden und alles so mit Trauer aufladen: Lieber aufstehen, wenn es so weit ist, und raus in den Schneesturm.

Barbara: Nichts wie weg!

Detlev: Genau. Vielleicht noch kurz murmeln: Ich bin dann mal weg!

 

Mädelsabend: Diesmal mit Katja Riemann

 

Damenwahl! Wir fordern liebend gern die Schauspielerin udn Musikerin Katja Riemann zum Tanz auf Im Gespräch mit Barbara erklärt sie den Reiz des heimlichen Verliebtseins uns warum wir unsere Freiheit, zu lieben, wen wir wollen, nicht hoch genug halten können.

 

Barbara: Liebe Katja, wir sitzen hier im legendären Tanzlokal Café Keese, das in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag feiert. Dort drüben blinkt das Signal für "Damenwahl", gestern war Discofox-Abend...

Katja: Was ist denn Discofox?

Barbara: Na, so ein Paartanz mit Schwung und vielen Drehungen.

Katja: Dass du das weißt.

Barbara: Den kriegt jeder hin. Letztens hab ich mit einem wahnsinnig süßen Typen auf einer Party getanzt, zu Frank Sinatra und Abba, und da sagt er: "Das ist Musik aus deiner Zeit, oder?"

Katja: So eine Sauerei!

Barbara: Und ich: "He, ich bin ein Kind der 90er!" Und er: "Ich auch, Jahrgang 1993." Hast du in deiner Jugend einen Tanzkurs gemacht?

Katja: Klar.

Barbara: Und dann weißt du nicht, was Discofox ist?

Katja: Das gab's damals noch nicht.

Barbara: Also komm, du bist doch nicht Marika Rökk!

Katja: Gut, dann sage ich: Ich kann mich nicht erinnern.

Barbara: Und wie war's sonst so?

Katja: Es war beschämend... na bravo, jetzt muss ich wieder solche Sachen erzählen. Ich war nicht diejenige, die aufgefordert wurde. Ich war sehr dünn, kindlich, uncool. Ich war nicht richtig. Ein Scheidungskind. Wie alt ist man in der Tanzkurs-Phase?

Barbara: Vielleicht 14, 15 Jahre?

Katja: Aber es passierte zumindest mal etwas Aufregendes im Ort - eine große Gruppe, ein Raum, Musik. Sonst war ja nüscht los.

Barbara: Ich hab meine ersten Jahre in München verbracht und den Tanzkurs erfolgreich verweigert. Tief in mir wusste ich, wenn du ein musikalischer Mensch bist, dann musst du auf die Musik hören und einfach nur schweben.

Katja: Und weißt du, dass man Rhythmus nicht lernen kann?

Barbara: Das stimmt! Aber wenn ein Mann nicht tanzen kann, magst du so viel Rhythmus im Blut haben wie Motsi Mabuse, es bringt nichts.

Katja: Wollten wir nicht über verbotene Liebe reden?

Barbara: Richtig. Was verbindest du damit?

Katja: Ich denke dabei sofort an Zwangsehen. In unserem Kulturkreis dürfen wir den Menschen heiraten, den wir lieben. Aber damit sind wir, weltweit betrachtet, in der Minderheit.

Barbara: Das stimmt. Oft entscheiden die Familien, wen junge Frauen oder gar Mädchen heiraten müssen.

Katja: Absolut. Und sowohl unsere freiheitliche Gesellschaft als auch die Verfassung, die wir in diesem Land haben, zeichnen sich besonders dadurch aus, dass wir unsere Lieben aussuchen dürfen. Es hat so eine Selbstverständlichkeit, dass wir heute entscheiden, wen oder ob wir heiraten. Und übrigens inzwischen auch, von wem wir uns wieder trennen. Ich war sieben, als meine Eltern sich scheiden ließen, damals gab es noch die Bezeichnung "schuldig geschieden". Stell dir mal vor: Schuld bedeutete immer Ehebruch. Was aber, wenn man sich einfach nicht mehr liebte...

Barbara: Dein Engagement für Frauenrechte führt dich oft in andere Länder. Wie geht es dort zu?

Katja: Ich glaube, es ist ganz gut, mal zu schauen, was woanders los ist. Denn so, wie wir leben, ist es die Ausnahme. Dafür braucht man einfach nur mal von Tarifa nach Tanger zu schauen. Das sind nur wenige Kilometer, und die trennen nicht nur zwei Kontinente, sondern lassen auch völlig unterschiedliche Lebensentwürfe für Frauen erkennen.

Barbara: Was können wir von hier aus tun, um die Entwicklung voranzubringen?

Katja: Es ist wichtig, dass Frauen überall auf der Welt entscheiden dürfen, wen sie lieben. Wichtig, weil sie die Hälfte der Bevölkerung stellen, aber eben nicht in den Entscheidungen von Gesellschaften existent sind. Da werden 13-jährige Mädchen mit Großvätern verheiratet. Männer haben drei Frauen. Ein Vater ertränkt seine Tochter im Pool, weil sie es gewagt hat, sich in einen jungen Mann zu verlieben. Mütter ersticken ihre Mädchenbabys, damit sie dieses Leben als Frau nihct ertragen müssen... Das passt jetzt nicht hierher, Entschuldigung, Barbara, aber ihr habt das Thema angeschleppt...

Barbara: Das ist vollkommen in Ordnung. Aber lass uns einmal zurück in deine Jugend gehen und eine Situation ansprechen, die viele von uns kennen. Als du zwölf warst, hast du die langersehnte Gitarre bekommen. Und einen Gitarrenlehrer dazu! Eine heimliche Liebe?

Katja: Hermann Waterstraat. Oha! Dieser Name kam jetzt aus mir wie die Stimme eines Geists!

Barbara: War das damals ein heimliches Schwärmen oder offensiv?

Katja: Ich war ja ständig verknallt. In Paul McCartney, in Elvis Presley

Barbara: Bleiben wir doch mal beim Gitarrenlehrer. Der war schließlich erreichbar.

Katja: Aber ich wollte mich doch nicht mit ihm liieren oder dass er seine Frau verlässt! Es ging immer nur um das Gefühl des Verliebtseins.

Barbara: Das musst du erklären!

Katja: Seitdem ich fünf war, bis zu meinem ersten Freund, befand ich mich in einem Dauerverliebtzustand. Für mich war es nicht das Bedürfnis, mit jemandem zu gehen - heißt das heute noch so? -, sondern das Gefühl. Es war wie das Entdecken des eigenen Daseins, ein Gefühl von etwas Erotisierendem. Nicht dessen Erfüllung! Dafür war ich ja viel zu klein.

Barbara: Man konnte sich in viele verknallen. Es reichte früher schon, dass einer die richtige Jeans trug.

Katja: Oder eine bestimmte Frisur. Oder wie einer die Zigaretten hielt.

Barbara: Und dann liebte man diese eine bestimmte Attitüde und war vollkommen davon hingerissen, und es war wurscht, was er sonst noch zu bieten hatte. Hat deine Mutter dir mal den Umgang mit jemandem verboten?

Katja: Ach, verboten, nein. Als junger Teenager war ich, wie gesagt, immer nur so vor mich hin verknallt.

Barbara: Meine Mutter hat mir nur die "Bravo" verboten.

Katja: Das gab es bei uns zu Hause eh nicht: "Bravo", Comics, Cola...

Barbara: Und deswegen hat man's so geliebt! Und am Kiosk gestanden und die zwei Seiten gesucht, auf denen stand, warum ein Penis nie zu klein sein kann, wenn man nur zärtlich mit der Frau umgeht.

Katja: Ich hab immer von einem Starschnitt geträumt.

Barbara: Manche Verbote von damals sind mir wie eingepflanzt: nachmittags fernsehen - das macht man einfach nicht! Wenn ich heutzutage mal nachmittags im Hotelzimmer Zeit überbrücke, hihi, Vorhänge zu, Fernseher an!

Katja: Da fällt mir die Geschichte ein von einer Freundin, die einst, als sie ihr iPhone ganz neu hatte, den Einschaltknopf nicht fand. So was kann einen ja verrückt machen. Irgendwann hat sie dann - bei zugezogenem Vorhang - in ihren Computer eingegeben: "Wie schaltet man ein iPhone ein?"

Barbara: Apropos zurechtfinden. Als du, 19-jährig, aus dem Dorf bei Bremen in die große Stadt Hamburg gingst, um Tanz zu studieren, war das neue Umfeld ein Schock?

Katja: Schock klingt nach so einem Riesending. Aber ich musste mich daran gewöhnen, an U- und S-Bahnen. Man metert sich dann ja erst einmal durch die Gegend. Ich wollte Contemporary Dance studieren. In Hamburg gab es die einzige Schule, die das damals unterrichtete. Alles andere war ja klassisches Ballett.

Barbara: Nach einem Semester hast du dich umentschieden, bist zum Schauspiel gewechselt. Wie hast du deine Leidenschaft hierfür entdeckt?

Katja: Zu der Zeit war Peter Zadek Intendant am Schauspielhaus. Er wollte, dass mehr junge Leute ins Theater kommen. Bei "Andi" spielten dann die Einstürzenden Neubauten. Und es gab diese wahnsinnige "Lulu" mit Susanne Lothar. Draußen standen Flipperautomaten, und Studenten konnten für fünf Mark ein Ticket kaufen. Das konnte ich mir leisten. Einmal pro Woche da sitzen. Das verschlug mir die Sprache. Denn so was hatte ich in meinem Leben noch nicht gesehen!

Barbara: Und das hat dich so beeindruckt, dass du von Tanz auf Schauspiel umgeschwenkt bist?

Katja: Der Weg ist gar nicht so weit. Es sind beides darstellende Künste. Beim Schauspiel hast du diese schöne Kombination aus etwas Physischem - der Expression, der Verwandlung, der Strapaze. Und zudem das Brainfood, weil du dich eben immer auch mit Texten befasst.

Barbara: Sag mal, das Dauerverknalltsein, von dem du vorhin sprachst, hält sich das bei dir?

Katja: In meinen Mann bin ich jetzt seit neun Jahren verknallt. Also ich finde das lang.

Barbara: Neun Jahre? Das ist ja fast pervers.

 

Herrenbesuch: Diesmal mit Charly Hübner

 

Männer schweigen ja gern. Barbara hat sich trotzdem den Schauspieler Charly Hübner ins Boot geholt. Ein ganzer Kerl, einer mit Ecken und Kanten. Ein Gespräch über Männlichkeit, Tränen und Mut. Und über Speedy, die Ratte.

 

Barbara: Charlie, du bist für mich der Inbegriff des Männlichen.

Charly: Oh, Mann.

Barbara: Sag ich ja. Warst du früher so ein richtiger Junge? Mit kurzen Hosen und aufgeschlagenen Knien?

Charly: Ich bin ja auf einem Dorf in Mecklenburg groß geworden. Wir waren immer draußen. Und wir waren wild. Ich bin mal in kurzen Hosen in ein Brennnesselfeld gefallen. Schlimme Schmerzen. Aber Mudder hat Zwiebel draufgemacht, und gut war's. Und du? Warst du auch eine Wilde?

Barbara: Nee, ich war ein typisches Mädchen. Mit Barbiepuppe und so. Ich wäre gern ein wildes Reitermädchen gewesen. So eine, die sich umdreht, wenn ihr ein Junge blöd kommt, und dann: batsch. War ich aber nicht. Keine Sportmaus. Ich glaub, ich bin bis heute mehr Mädchen, als mir recht ist.

Charly: Aber du hast doch ein sportliches Mundwerk.

Barbara: Ja, damit hab ich das kompensiert. Burschikos im Ausdruck. Damit konnte ich schon immer austeilen.

Charly: Was ist denn männlich für dich?

Barbara: Naja, obwohl ich schon groß bin und für mich selbst sorgen kann, mag ich den Gedanken, dass ein Mann mich notfalls nach einer Lawine kraftvoll aus dem Schnee ziehen und dann auf den Schultern ins Tal tragen kann.

Charly: Ist für mich auch selbstverständlich, die Frau aus 'm Schnee auszugraben. Manchmal muss man Sachen einfach machen.

Barbara: Und in Belastungssituationen muss der Mann nicht nur effektiv anpacken, sondern auch ruhig und besonnen agieren. Die Lage überblicken. Das ist männlich.

Charly: Geht klar. Damit kann ich leben. Das ist ein angemessenes Anforderungsprofil.

Barbara: Klingt alles ein bisschen spießig, oder?

Charly: Jo. Is aber egal. Wichtig ist, dass man sich auf Augenhöhe begegnet. Das ist der Punkt.

Barbara: Hast du auch weibliche Seiten an dir?

Charly: Ich erscheine wie ein typischer Mann. Aber wenn ich einen traurigen Film sehe, heule ich. Und hinterher sage ich nicht mehr etwas verklemmt wie früher: "Ich hatte ein bisschen Pipi in den Augen." Sondern: "Ich hab voll geheult."

Barbara: Du bist also auch sensibel. Es wird immer besser. Ich finde, richtig gute Männer müssen sich mit klassischer Musik auskennen. Wenn einer Bach nicht von Mahler unterscheiden kann, wird's eng.

Charly: Tu ich. Erst war Punk, dann entdeckte ich Beethoven, Bruckner, Mahler... Und dann die Literatur.

Barbara: Charlie, du machst mich fertig. Sag mal, hast du jemals davon geträumt, eine Frau zu sein?

Charly: Nö.

Barbara: Charlie, du machst mich fertig. Sag mal, hast du jemals davon geträumt, eine Frau zu sein?

Mädelsabend: Diesmal mit Caroline Peters

 

Wer sich auf eine Bühne stellt, muss ständig in aller Öffentlichkeit mit seinen Defiziten klarkommen - man kann ja schließlich nicht alles können. Schauspielerin Caroline Peters und Barbara über fehlende Talente und überflüssige Selbstkritik

 

Barbara: Liebe Caroline, ich geh gleich mal in die Vollen: Wir wollen heute über unsere Lücken reden...

Caroline: Da kann ich durchaus mit dienen. Wo fangen wir an?

Barbara: Was kannst du gar nicht?

Caroline: Organisieren. Das ist eine totale Kompetenzlücke bei mir. Und Büroarbeit und so etwas.

Barbara: Das musst du gar nicht können. Du bist Künstlerin.

Caroline: Ich bringe aber alles durcheinander. Und ich kann mich nicht beeilen. Wenn einer sagt: "Caroline, beeil dich", dann geht grundsätzlich gar nichts mehr.

Barbara: Ich hab etwas Ähnliches: Ich kann nicht schnell laufen. Ich habe einfach keinen Antritt. Das hat irgendwas mit Physik zu tun. Trägheitsgesetz oder so. Das war bei mir schon in der Schulzeit so.

Caroline: Schule - gutes Stichwort. Eine Zeit voller Lücken. Geografie ist eine einzige Leerstelle bei mir. Mathe ging zwischendurch mal, hat aber mit der Zeit arg nachgelassen

Barbara: Also ich wusste schon sehr früh, dass ich Mathe nie brauchen werde. Mathe ist bei mir keine Lücke - das ist ein Krater.

Caroline: Ich glaube, ich könnte heute keinen Dreisatz mehr.

Barbara: Ich weiß nicht mal, was das ist.

Caroline: Ich kann auch nicht gut den Müll runterbringen, fällt mir gerade ein. Ich versuche es immer wieder mit neuen Müllbeuteln. Sogar welche mit Lavendelduft. Nützt aber auch nichts.

Barbara: Da gibt es Selbsthilfekurse. Das kriegt man in den Griff.

Caroline: Danke. Bin erleichtert.

Barbara: Wir lieben ja beide deinen Kollegen Joachim Meyerhoff, Caroline. Der beschreibt seine Jahre auf der Schauspielschule als eine Aneinanderreihung von Katastrophen und sich auftuenden Kompetenzlücken. Wie war das bei dir?

Caroline: Ach, von Katastrophen würde ich nicht reden. Aber ich merkte schnell, ws man als Schauspieler alles können sollte, was mir nicht leichtfiel: Fechten, Kämpfen, Pantomime, Weinen und Zittern auf Kommando. Und ich war erstaunt, dass es Kollegen gab, die sich immer sofort auszogen. Zack - waren die Klamotten weg. Einfach so.

Barbara: Eine Zeit lang war das ja auf deutschen Bühnen der Normalzustand. Die blanken Jahre! Da liefen ja praktisch nur Nackte rum und warfen mit Schlamm.

Caroline: Das habe ich eigentlich nie so gesehen im Theater, aber den Ruf haben wir, was? Ich persönlich hab lieber was an.

Barbara: Sehe ich ähnlich. Nur, wenn's Sinn macht. Hattest du in der Studienzeit eigentlich finanzielle Engppässe, für die du dann Jobs finden musstest?

Caroline: Nee, mein Vater meinte, das würde zu sehr von der Ausbildung ablenken. Aber vor der Schauspielschule habe ich gejobbt. In Callcentern und so. Und du?

Barbara: Ich habe während des Studiums so viel gejobbt, dass ich zwischendurch gar nicht mehr wusste, dass ich überhaupt studiere.

Caroline: Was hast du denn so gemacht?

Barbara: Ich habe Knöpfe und Reißverschlüsse verkauft. Auf der Modemesse Klamotten vorgeführt. Später Klamotten verkauft. Ich hab schon mit 18 weitgehend für mich selbst gesorgt.

Caroline: Und was hast du studiert?

Barbara: Soziologie, Kommunikationswissenschaft, Kunstgeschichte.

Caroline: Wow!

Barbara: Hammer, was? Soll mal einer sagen, ich hätte nichts Vernünftiges gelernt.

Caroline: Ich hätte nichts Vernünftiges lernen wollen. Wenn ich nicht an der Schauspielschule angenommen worden wäre, hätte ich Theaterwissenschaften studiert.

Barbara: Hat das denn gleich funktioniert mit der Schule?

Caroline: Nee, absolut nicht. Es war ein Jahr der totalen Katastrophen. Ich war dauernd irgendwo zum Vorsprechen. Erst beim sechsten Mal wurde ich genommen. Zur Sicherheit war ich schon in Berlin fürs Studium eingeschrieben.

Barbara: Und heute gehörst du zum Ensemble der Wiener Burg! Hättest du dir das träumen lassen?

Caroline: Niemals.

Barbara: Wo wir gerade in der Vergangenheit wühlen: Wie war das bei dir in der Pubertät? Horror?

Caroline: Absolut. Ganz furchtbare Jahre. Und leider ist diese fiese Phase auch fotografisch festgehalten worden. Die Kinder von meiner Schwester sagen immer: "Caroline, zeig uns noch mal die schlimmen Fotos von dir."

Barbara: Lag es an den Frisuren? Unsere Pubertät fand ja in den wilden 80ern statt.

Caroline: Ja, auch. Ich habe so komische Kurzhaarfrisuren getragen und wurde meist für einen Jungen gehalten. Das hat mich immer wahnsinnig geärgert.

Barbara: Ich fand es in der Pubertät schrecklich, dass man tatsächlich eine einzige Lücke war. Man war ja mit nichts angefüllt, wusste nicht: Bin ich tiefgründig oder oberflächlich? Hänge ich der schwarzen Magie an? Bin ich ein guter Mensch oder ein schlechter? Ich fand es anstrengend, mich zu finden.

Caroline: Aber dass du keine introvertierte Schweigerin warst, musste dir doch ziemlich schnell klar gewesen sein, oder?

Barbara: Stimmt. Die Stille, Geheimnisvolle mit den Katzenaugen zu geben war nie so mein Ding. Sag mal, welche Lücken kannst du Männern nicht verzeihen?

Caroline: Oh, da muss ich erst mal nachdenken. Das ist so vielfältig bei den Herren.

Barbara: Schlechte Manieren?

Caroline: Oh ja, das geht gar nicht. Ich lebe ja in Wien. Da sind die Männer sehr höflich. Das ist hier in Berlin weniger ausgeprägt.

Barbara: Das ist eine Untertreibung. Höfliche Männer muss man in Berlin mit einer Lupe suchen. Mit 'ner sehr großen.

Caroline: Mehr Wien nach Berlin!

Barbara: Sehr richtig. Glaubst du eigentlich daran, dass man sich wirklich ändern kann?

Caroline: Nein. Und davon halte ich, ehrlich gesagt, auch nichts. Man kann sich Dinge bewusst machen. Man kann auch lernen, über Schwächen zu lachen. Aber ändern kann man sich nicht wirklich.

Barbara: Bist du kritisch mit dir?

Caroline: Ja, aber leider nicht nur mit mir selbst.

Barbara: Nerven dich andere Leute manchmal?

Caroline: Ich kann's nicht leugnen. Was ich zum Beispiel nicht mag, ist, wenn Leute mir nicht zutrauen, dass ich mich richtig einschätzen kann. Wenn die sehr schnell sagen: "Das steht dir nicht" oder "Die Szene war nicht so doll". Ich weiß das eigentlich meist selbst ganz gut. Und ich bin sowieso kritischer mit mir selbst als jeder andere. Ich mag mich auch nicht so gern angucken. Im Fernsehen etwa.

Barbara: Kenn ich. Mach ich auch nicht. Manchmal findet man sich ja später auch doof. Muss ja nicht sein.

Caroline: Magst du dich denn grundsätzlich?

Barbara: Ja, eigentlich schon. Ich komme ganz gut mit mir klar. Wie ist das bei dir?

Caroline: Ich auch. Aber manchmal bin ich ein bisschen nachtragend. Auch mir selbst gegenüber. Aber zum Glück selten.

Barbara: Hast du eigentlich Idole?

Caroline: Hm... Als Jugendliche fand ich Linda Hamilton toll.

Barbara: Huch, wer ist das denn?

Caroline: Na, das ist die Frau, aus dem ersten "Terminator"-Film mit Arnold Schwarzenegger. Der erste weibliche Action-Star. So wollte ich sein. So mit Muskeln und Kampfklamotten. Und du? Wie wolltest du früher sein? .

Barbara: Ich wollte aussehen wie Krystle Carrington aus dem Denver-Clan. Ich kann nichts dafür.

 

Herrenbesuch: diesmal mit Steffen Henssler

 

Irgendwann ist ja immer das erste Mal. Das gilt für alles, also auch am Herd. Wer wüsste das besser als ein Starkoch. Barbara und Steffen Henssler trafen sich in Hamburg, um über guten Geschmack und sinnlose Diäten zu sprechen

 

Barbara: Steffen, wenn ich dich so angucke: Du siehst nicht aus wie jemand, der schon mal eine Diät machen musste.

Steffen: Nee, hab ich auch noch nicht. Was nicht heißt, dass ich nicht trotzdem aufpassen muss.

Barbara: Auf was?

Steffen: Na ja, nicht zuzunehmen. Ab einem gewissen Alter setzt man schneller an. Ich bin jetzt 43. Da geht das los. Und wenn man – wie ich – viel auf Tour ist, spät isst und so weiter: Da geht das schnell mit den Pfunden

Barbara: Und was tust du dagegen?

Steffen: Ich achte drauf, was und wie viel ich esse. Gute Produkte sind das Wichtigste. Aber ich mach jetzt nicht so ’ne olle Steinzeit-Diät oder so was. Und vor allem habe ich eines gelernt: Man muss genug schlafen.

Barbara: Das stimmt. Hab ich auch schon gemerkt. Früher dachte ich immer: Wenn ich wenig schlafe, zehrt mich das aus. Ich quäle mich, bin müde, und dann nehme ich ab.

Steffen: Dabei ist es genau umgekehrt. Wer schläft, isst nicht. Wenn man am Sonntag den ganzen Tag im Bett liegt, hat man auch weniger Hunger. Kennt man ja. Was aber nicht heißen soll, dass ich empfehle, nur im Bett abzuhängen. So, jetzt aber mal raus damit: Wie ist es mit dir und den Diäten, Barbara?

Barbara: Ich bin sozusagen mit Abnehmprogrammen aufgewachsen. Seit ich denken kann, macht meine Mutter Diäten. Ich kenne sie alle. Und ich kenne die Kalorienwerte aller Produkte. Aber das ist alles theoretisches Wissen. Ich selber habe nur nach meinen Schwangerschaften eine Diät gemacht. Und zwar Metabolic Balance.

Steffen: Was ist das denn? Klingt wie ein Raumschiff-Antrieb.

Barbara: Da darf man zum Beispiel nur alle fünf Stunden essen und ...

Steffen: Wieso nur?

Barbara: Ach, lassen wir das. Die Diätversuche haben mich ansonsten selten schlanker gemacht. Ich habe mich dazu entschlossen, keine mehr zu machen.

Steffen: Du bist aber gut in Form.

Barbara: Aber nur, weil ich jetzt Sport mache. Der kommt zu mir nach Hause – eine strenge Dänin quält mich und ruft mit herrlichem Akzent Sachen wie "Jetzt leg dich auf 'n Rüggen". Und du?

Steffen: Ich mache viel Ausdauer- und Kraftsport. Ich arbeite dabei an Geräten. Das gute alte Pumpen.

Barbara: Man sieht’s. Diese Ober-arme! (Barbara seufzt) Und selbstverständlich läufst du auch Wahnsinnsstrecken, oder?

Steffen: Nee, Laufen finde ich ätzend. Total langweilig. Ich mach das auf dem Stepper. Da kannst du Musik hören oder fernsehen oder Gedichte lernen ...

Barbara: Steffen, du willst mir hier doch bitte nicht meine sämtlichen sexuellen Fantasien zerstören: Henssler auf einem Stepper – wie sieht das denn aus?

Steffen: ... du hast sexuelle Fantasien von mir?

Barbara: Jetzt nicht mehr. Kommen wir zurück zum Essen. Das ist sinnlicher. Du isst gern, oder?

Steffen: Absolut. Ein gutes Essen ist das Beste. Das ist total befriedigend. Da krieg ich gute Laune.

Barbara: Ich auch. Ich stelle mir alles Schöne nur im Zusammenhang mit Essen vor. Liebe geht durch den Magen. Da ist ja was dran. Wenn ich es mir mit meinen Kindern gemütlich machen will, sage ich Sachen wie "Und dann mache ich euch eine schöne, heiße Schokolade." Hast du ein Lieblingsessen?

Steffen: Sushi und Kartoffeln?

Barbara: Huch? Zusammen?

Steffen: Nee, ich esse einfach beides gern. Kartoffelgerichte in jeder Form und Sushi in verschiedenen Varianten. Nicht nur die strenge japanische Variante. Ich liebe es mit cremigen Soßen, wenn es warm ist und wenn da mehr drin ist als nur roher Fisch.

Barbara: Sushi esse ich auch gern. Aber sag mal, du bist ja vom Fach: Warum haben manche Sushi-Portionen die Größe zusammengerollter Tennissocken? Man sagt mir ja nach, ich hätte eine große Klappe. Aber manche von den Dingern krieg ich nicht auf einmal rein. Die muss ich klein schneiden lassen. Messer gibt’s dazu ja keine.

Steffen: Viele Leute tun einfach zu viel Reis rein. Das macht die Dinger größer, und man braucht weniger von den anderen teuren Zutaten. Aber Sushi ist kein Reisgericht. Der hält das Ganze eigentlich nur zusammen. Entscheidend bei der Rolle ist, was rein- und raufkommt. Und tatsächlich neigt der American Sushi-Style gelegentlich zu sehr großen Portionen. Das nervt mich auch manchmal.

Barbara: Stimmt eigentlich die Geschichte, dass du im Lotto gewonnen hast und den kompletten Gewinn von 44.000 Mark in deine Ausbildung zum "Professional-Sushi Chef" bei japanischen Meistern in Amerika gesteckt hast?

Steffen: Nee, nicht die ganze Kohle. Ich hatte ja damals keine. Deshalb hab ich ja Lotto gespielt. Und als das geklappt hat, habe ich erst mal meine Schulden bezahlt. Ich hatte ordentlich Miese auf dem Konto. Der Kurs hat 5000 Dollar gekostet. Und das Leben in Amerika war auch nicht gerade billig. Drei Monate war ich da. Aber das hat mich entscheidend geprägt. Dort wurde auch die Idee für unser erstes Restaurant "Henssler & Henssler" geboren.

Barbara: Steffen, hängen Essen und Erotik zusammen?

Steffen: Vieles, was man mit Leidenschaft macht, ist erotisch. Manche finden es schon erregend, wenn ein Koch gut und schnell Gemüse schneidet.

Barbara: Das hat ja auch was. Sag mal, dein Kollege Jamie Oliver hat mal zugegeben, dass er sich beim Nacktkochen den Penis verbrannt hat. Hast du schon mal ähnliche Erfahrungen gemacht?

Steffen: Du liebe Güte. Da muss ich passen. Ich hab noch nie nackt gekocht. Wüsste auch nicht, warum.

Barbara: In diesem Zusammenhang fällt mir gerade einer meiner Lieblingscartoons ein. Er zeigt ein FKK-Camp, und da stehen zwei nackte Typen vor einem Grill, und der eine sagte zum anderen: "Es geht mich ja nichts an, aber Sie grillen gerade Ihr Glied."

Steffen: Kenn ich. Und der andere sagt: "Und ich hab mich schon gewundert, warum sich das Ding nicht wenden lässt."

Barbara: Ich glaube, das können wir nicht drucken.

Steffen: Doch, doch.

Barbara: Na gut. Werden wir mal wieder seriös. Ist Veganismus eigentlich ein Thema für dich?

Steffen: Also, es muss wirklich nicht immer Fleisch sein, aber alles Dogmatische mag ich nicht. Ich will nicht warten, bis irgendwas vom Baum fällt. Und ich will auch nicht auf Eier und Milch verzichten. Tatsache ist aber: Wir essen alle zu viel Fleisch. Wir sollten das weniger tun, aber wenn, dann gutes essen. Ich schätze Bioprodukte. Aber ich muss vor dem Essen kein Foto der Kuh sehen. Grundsätzlich bin ich aber immer offen für neue Ideen und Geschmackswelten.

Barbara: Du bist ja auch Vater. Was gibt es bei euch bei einem Kindergeburtstag zu essen?

Steffen: Forelle Müllerin Art. Tartar vom Biolachs. Ochsenbacke (lacht). Nee, einfach gute, normale Sachen. Also keine Chicken-Nuggets oder so etwas. Die kriegen die Kids schon früh genug woanders. Und das Schlimmste dabei ist: Die mögen das auch noch.

Barbara: Stimmt, wer jemals das Gesicht eines Kindes gesehen hat, das zum ersten Mal in einen Cheeseburger beißt, vergisst es nie. Pure Glückseligkeit. Zum Verzweifeln.

Steffen: Dagegen müssen wir ankochen. Das geht.

Barbara: Ein schönes, Mut machendes Schlusswort, lieber Steffen. Wenn du das sagst, glaub ich dran. Ich danke dir für dieses Gespräch.

 

Mädelsabend: Diesmal mit Christiane Paul

 

Von der ersten besten Freundin lernt man fürs Leben. Manch eine bleibt ewig, andere gehen verloren. Dennoch ist irgendwann kaum noch Platz für neue Weggefährten. Barbara und Christiane Paul machten es sich in Berlin gemütlich – in aller Freundschaft

 

Barbara: Liebe Christiane, erinnerst du dich noch an deine erste Freundin aus Kindertagen?

Christiane: Ja, sie hieß Helen. Da war ich aber schon 13 oder so.

Barbara: Huch? Und was war vorher. Nur Jungs?

Christiane: Nee, weiß auch nicht. Das war so ein Auf und Ab mit den anderen Mädels. Helen war meine erste richtige Freundin.

Barbara: Meine hieß Jessy, und die habe ich im Kindergarten kennengelernt. Jessy war in allem viel cooler als ich. Und Jessy hat auch ziemlich schnell rausgehabt, dass sie in allem viel cooler war. Wenn wir den Avon-Katalog durchgeblättert haben, tippte ich auf eine Frau und sagte: "Ich will aussehen wie die." Und Jessy sagte dann: "Ich will aussehen, wie ich aussehe."

Christiane: Oh, Mann. Das war hart, oder?

Barbara: Och nö. Wir sind heute noch befreundet. Jessy ist eben cool. Was mochtest du an deiner Helen?

Christiane: Sie war unglaublich kulturell interessiert. Sie hat mir Kunst, Literatur und Film wirklich nahegebracht. Das Interesse war bei mir vorher schon da. Aber nun hatte ich endlich jemanden, mit dem ich all das zusammen erobern konnte. Ich fühlte mich sofort innerlich zu Hause bei ihr. Vorher bin ich oft eher allein unterwegs gewesen, weil mich die typischen Teenie-Themen nicht so interessiert haben. Helen war dann so eine Verbündete.

Barbara: Habt ihr noch Kontakt?

Christiane: Nein, das ging irgendwann so nach acht Jahren auseinander. Ich erinnere mich gar nicht mehr, warum.

Barbara: Ich fürchte, Helen wird sich erinnern und einen Leserbrief schreiben. Sag mal, hattest du auch mal so eine Clique, mit der du rumgezogen bist?

Christiane: Nein, nie. Hab ich nie gebraucht so eine Gruppensache.

Barbara: Ich auch nicht. Aber irgendwie bedauere ich das.

Christiane: Wieso das denn?

Barbara: Ich beneide Menschen mit so einer alten Clique. Das ist so was Gewachsenes. Da gibt es Rituale und wilde alte Geschichten, in denen alle voller Inbrunst baden. Das hätte ich auch gern. Ich habe früher immer die Cliquen meines jeweiligen Freundes adoptiert und mit ihm wieder verlassen. Gemeinsame Freunde helfen auch, eine Beziehung zusammenzuhalten.

Christiane: Also da fehlt mir die Bereitschaft zur Haufenbildung. Ist bis heute so. Aber ich habe dafür viele Einzelfreunde, die ich schon sehr lange kenne. Freunde aus der Zeit an der Schauspielschule etwa oder aus meinem Medizinstudium. Das ist auch was Gewachsenes. Aber das genieße ich in Einzeldosen.

 

Barbara: Wie viele wirklich gute Freunde hast du?

Christiane: Hm … so fünf etwa.

Barbara: Ich auch. Mehr schaff ich auch nicht. Ich finde es ja jetzt schon doof, wenn ich in einer Stadt bin, mich bei Freunden melde, und die sagen erst mal: "Na, du treulose Tomate." Ich will kein schlechtes Gewissen haben, weil ich nicht dauernd Leute anrufe.

Christiane: Das kann ich nachvollziehen. Ich denke auch oft, dass ich nicht allen genüge. Freundschaft fordert einen ja auch. Beidseitig.

 

Barbara: Was macht für dich eine richtig gute Freundschaft aus?

Christiane: Vertrauen. Mich fallen lassen können. Mich jemandem anvertrauen zu können. Der umgekehrt aber auch mir absolut vertrauen kann. Gute Freundschaft hat für mich eine tiefe Wahrhaftigkeit. Das ist was Wirkliches und nichts Aufgesetztes. Und bei dir?

Barbara: Ehrlichkeit. Ich habe eine Freundin, die mir knallhart die Meinung sagt. Das ist manchmal heftig, aber ich mag das. Vor allem, weil ich das selber nicht so gut kann.

 

Christiane: Bist du auch mit Männern befreundet?

Barbara: Klar. Mit Matthias, meinem Visagisten, zum Beispiel. Das ist mein bester Freund. Der weiß alles von mir. Der hat mich letztens gefragt: "Wann hat das eigentlich angefangen, dass sich dein Körper so stark verändert hat?" Ich hab's ihm nicht übel genommen. Und du?

Christiane: Ich bin bis heute mit meiner ersten großen Liebe befreundet. Es hat etwas gedauert nach der Trennung. Aber daraus ist eine tiefe Freundschaft geworden.

Barbara: Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, dann merke ich, dass ich heute sehr viel lieber mit Frauen zusammen bin als früher. Ich mag Männer, aber der Umgang mit Freundinnen ist heute für mich deutlich entspannter und gewinnbringender als früher.

Christiane: Du bist halt eine Frau-Frau. Davon gibt es nicht so viele.

Barbara: Ich bin's geworden mit den Jahren.

Christiane: Was für die Herausgeberin einer Frauenzeitschrift ja auch ganz gut passt.

Barbara: Absolut. Ein totales Frauending, dieses Magazin. Schließt du eigentlich schnell Freundschaft, Christiane?

Christiane: Nee. Das dauert bei mir. Ich möchte vor allem die bewahren, die ich habe. Mir fehlt auch die Zeit für neue Freunde. Ich habe zwei Kinder, drehe viel und versuche ansonsten, einigermaßen mit meinem Leben klarzukommen. Viel Platz für Neues ist da nicht zurzeit. Klingt komisch, oder?

Barbara: Nee, verstehe ich gut. Ich will auch nicht noch mehr Leute enttäuschen, weil ich mich nicht melde. Hast du dich auch schon mal bewusst entfreundet?

Christiane: Ja, hab ich. Das war hart. Es war eine langjährige Freundschaft mit einer Frau. Aber es ging nicht mehr. Da war etwas verschwunden. Die Basis war weg. Ich habe diese Freundschaft bewusst abgebrochen.

 

Barbara: Würdest du sagen, dass du mit dir selbst befreundet bist?

Christiane: Hm. Schwer zu sagen. Ich übe da wohl noch. Und du?

Barbara: Ich mag mich grundsätzlich. Manchmal gehe ich mir auch auf die Nerven. Aber sag mal, Christiane, du musst dich doch mögen. Du wärst doch beschenkt, wenn du dich zum Beispiel selber kennenlernen würdest.

Christiane: Interessantes Gedankenspiel. Würde ich mich mögen, wenn ich mich selber träfe? Ich glaub, ich kann die Frage nicht beantworten.

Barbara: Grübelst du manchmal zu sehr?

Christiane: Sagen wir es mal so: Es perlt nicht alles an mir ab, was mir widerfährt. Ich bin sehr durchlässig.

Barbara: Deshalb bist du eine so gute Schauspielerin.

Christiane: Ich bin mir nicht so sicher, ob das für meinen Job eine Kernkompetenz ist. Empathie ist gut, aber Distanz ist auch wichtig. Natürlich schöpfe ich aus mir und meinem Leben. Aber ich bin ja nicht Christiane in meinen Rollen. Die Schauspielerei ist ein Handwerk und kein Selbsterfahrungstrip. Man kann sich auch manchmal ganz gut hinter Rollen verstecken und genießen, jemand anderes zu sein. Auch jemand, der einem eigentlich fremd ist. Das ist der Reiz.

 

Barbara: Apropos Reiz: Es geht in diesem Heft ja auch um Obsessionen und Leidenschaften. Für was brennst du? Für wen schwärmst du?

Christiane: Für Bücher. Ich lese wahnsinnig gern. Klar, mein Beruf, für den brenne ich. Aber ich freue mich immer, wenn ich Zeit für ein Buch habe. Dann versinke ich darin.

Barbara: Ich liebe das Hausfrauendasein.

Christiane: Im Ernst? Waschen, bügeln, kochen, aufräumen?

Barbara: Exakt. Aber auch nur, weil ich weiß, dass ich irgendwann wieder wegkann. Sonst würde ich wohl durchdrehen. Zwischendurch aber bin ich mit großer Leidenschaft im Haushalt zugange. Ich ordne, dekoriere und kaufe ein. Aber jetzt ehrlich, mir kannst du es ja sagen: Für wen schwärmst du?

Christiane: Nicht für Typen, die sich vor allem selber schön finden. Ansonsten schweige ich und schwärme heimlich. Und du?

Barbara: Sebastian Koch. Den finde ich einen Kracher. Ansonsten bin ich eher für Männer auf den zweiten Blick zu haben, die einen im Gespräch umhauen: Peter Maffay, Atze Schröder, Charly Hübner. Alles super Typen.

Christiane: Charly – klar, Hammer!

Barbara: Siehste. Jetzt haben wir sogar einen gemeinsamen Schwarm.

Christiane: Das lass ich jetzt einfach mal so stehen.

Mädelsabend: Diesmal mit Sarah Connor

 

Man kann als Frau Hunderte erste Male haben. Zumindest theoretisch. Barbara und Sarah Connor trafen sich in Berlin zum Mädelsabend und packten aus über die kleinen und großen Premieren in ihrem Leben. Auch über die unappetitlichen.

 

Barbara: Huch, du hast ja wieder lange Nägel. Ich dachte, du wolltest die abmachen?

Sarah: Hab ich ja auch, aber dann hab ich sie gleich nach dem Urlaub wieder rangemacht.

Barbara: Meine Oma hätte jetzt gesagt: Kind, da kannst du doch nix mit schaffe.

Sarah: Alles Übungssache.

 

Barbara: So, jetzt mal zum Thema: Wir sind ja nicht zum Spaß hier.

Sarah: Nicht?

Barbara: Na gut: auch. Also: Das Leben steckt ja voller Debüts. An welche Premiere aus frühester Kindheit erinnerst du dich besonders?

Sarah: Ich bin im Winter mal ins Eis eingebrochen. In den zugefrorenen Pool meiner Großmutter.

Barbara: Großer Gott!

Sarah: Ich erinnere mich noch an die Eisdecke über mir und sehe die Hände, die nach mir greifen. Aber es ist ja gut gegangen. Ich weiß noch, dass mich erst alle gedrückt und dann mit mir geschimpft haben.

Barbara: Ich war mit etwa sechs Jahren in einem Schwimmverein. Bei meinem ersten Wettkampf stand ich auf dem Startblock, der Pfiff kam, ich sprang und verlor sofort meine Badekappe. Nach der habe ich dann erst mal getaucht. Man durfte doch nicht ohne Badekappe schwimmen. Ich hab sie bis zum Schluss nicht gefunden. Grandiose Leistung. Das war mein erster und letzter Schwimmwettkampf.

Sarah: Du Arme. Mit sechs …

 

Barbara: Sag mal, erinnerst du dich noch an deinen allerersten Auftritt??

Sarah: Na ja, sozusagen. Mein Vater nahm mich mal als Kind mit zu einem Konzert in Hamburg. Und ich stellte mich vorn direkt vor die Bühne, drehte mich zum Publikum, tanzte da rum, verbeugte mich und dachte, die meinen mich, wenn sie klatschen.

Barbara: Klarer Fall: Du wolltest auf die Bühne! Ich wollte ja eigentlich ursprünglich lieber in einem Büro arbeiten.

Schöneberger: Der G+J-Geschäftsführer Stephan Schäfer ist irgendwann in meinem Wohnzimmer gestanden und hat mich gefragt, ob ich mir so etwas vorstellen könne. Und ich habe geantwortet: "Darauf habe ich doch mein Leben lang gewartet."

 

Sie sind viel beschäftigt: Moderatorin, Sängerin, zweifache Mutter. Wann schreiben Sie Ihre Artikel?

Sarah: Bitte?

Barbara: Na ja, hat nicht lange vorgehalten, diese Gier nach Normalität. Obwohl meine Leidenschaften sehr lange eher normal waren. Ich schwärmte als Teenie zum Beispiel für Atreju aus der "Unendlichen Geschichte".

Sarah: Und ich für Michael Jackson.

Barbara: Ich wollte den Darsteller des Atreju sogar heiraten, hab ihm nach Los Angeles geschrieben und so weiter. Er hat nie geantwortet. Hätte er mal machen sollen. Ich wäre ihm eine Stütze gewesen. Seine Karriere war dann schnell zu Ende. Er ist sozusagen randlos verdunstet. Und wie war’s bei dir und Michael?

Sarah: Ich war total verrückt nach ihm. Mein Poster von ihm war wie ein Schrein für mich.

Barbara: Hast du ihn mal getroffen??

Sarah: Ja, ich stand sogar mit ihm auf einer Bühne.

Barbara: Nein? Erzähl!

Sarah: Das war auf seiner "History-World-Tour". Ich war 16. Da wurden für einen Auftritt in Bremen etliche junge Sängerinnen gesucht, die am Ende zusammen mit ihm den "Earth Song" singen sollten. Ich war eine davon.

Barbara: Und? Erzähl alles.

Sarah: Zwei Tage später stand ich mit ihm im Weser-Stadion auf der Bühne zum Proben. Aber so richtig nahe kam man ihm nicht.

Barbara: Was? Das war die Chance deines Lebens …

Sarah: Das habe ich irgendwann auch begriffen. Und in einer Pause habe ich es dann gewagt, bin einfach in seine Garderobe gerannt, hab ihn angesprungen und umarmt. Danach habe ich mich fünf Tage lang nicht gewaschen.

Barbara: Hast du was zu ihm gesagt?

Sarah: Ja: "I love you."

Barbara: Boah, das hatte er bis dahin ja wohl noch nie gehört.

Sarah: Ich weiß – nicht sehr originell.

Barbara: Und was hat er gesagt?

Sarah: "I love you too."

Barbara: Na bitte. Hast du auch für normale Jungs geschwärmt?

Sarah: Na klar. Ein paar Typen aus der Oberstufe fand ich klasse.

Barbara: Ich auch. Einen habe ich massiv angebaggert. Er ist dann später schwul geworden. Ich glaube, ich habe ihn mit meiner aggressiven Werbung in die Homosexualität getrieben. Wann hattest du denn deinen ersten festen Freund?

Sarah: Mit 14. Er war ein sehr cooler Typ. Ein super Breakdancer.

Barbara: Und was lief da so?

Sarah: Mit ihm hatte ich meinen ersten Kuss. Mit allem drum und drin!

Barbara: Bäh – das hab ich ja nie gemacht.

Sarah: Was?

Barbara: Nee, so Händchen halten und rumknutschen war nie mein Ding. Ich bin spät eingestiegen, aber dann gleich richtig. Und wie war dein erstes Mal?

Sarah: Ich dachte danach: Was? Und darum machen die jetzt diesen ganzen Hype? Und ich glaubte, dass es mir nun jeder ansieht.

Barbara: Ich auch.

Sarah: Ja, man war nun eine Eingeweihte. Aber eigentlich fand ich das Danach immer besser. Das Kuscheln im Anschluss. Gut, da war der Sex. Nett. Und ich dachte: Okay, jetzt musst du das immer machen. Aber ich war verliebt. Das Zusammensein war das eigentlich Wichtige.

Barbara: Mir ist beim ersten Mal auch nicht der Himmel auf den Kopf gefallen. Aber es war ein würdiger und schöner Einstieg ins Geschäft.

Sarah: Ich war auch schnell neugierig, wie wohl mein erstes Mal mit einem anderen werden würde.

Barbara: Man kann als Frau ja Hunderte erste Male mit Männern im Bett haben.

Sarah: Hunderte?

Barbara: Na ja, theoretisch, oder? Heute bin ich natürlich solide, glücklich verheiratet und Mutter. Auch so eine tolle Premiere. Ich habe den richtigen Mann gefunden, als ich auch Mutter werden wollte. Spät, aber genau so war es gut.

Sarah: Ich war erst 23, als ich mein erstes Kind bekam. Aber das hat mich total geerdet. Alles hat sich sofort total natürlich angefühlt.

 

Barbara: Welches Debüt hat dich noch so richtig begeistert?

Sarah: Kürzlich habe ich in Kanada zum ersten Mal Orcas in freier Natur gesehen. Das hat mich ungeheuer berührt. Ein beinahe magischer Moment. Fast so schön wie bei Michael Jackson.

Barbara: Aber du hast sie nicht umarmt, hoffe ich.

Sarah: Aber beinahe.

 

Barbara: Einen magischen Moment kann ich auch nennen. Ich hab vor Kurzem wieder angefangen, Sport zu machen. Mit einer Trainerin. Sie hat mich dabei gefilmt: Eine dicke, alte Frau trampelt orientierungslos und stöhnend durch den Raum.

Sarah: Aber du bist trotzdem drangeblieben?

Barbara: Ja, es war ein Initiationsritual. Die tun halt manchmal weh!

Sarah: Wie der erste Vollrausch.

Barbara: Hatte ich nie. Ich hab nicht mal geraucht.

Sarah: Mann, warst du brav. Wenn du damals meine Freundin gewesen wärst …

Barbara: Brav würde ich so nicht sagen. Ich hab nur nicht getrunken.

Sarah: Gesoffen hab ich auch nicht. Mein erster und erst mal letzter Rausch war mit 17 von zu viel Rotwein. Irgendwann bin ich über den Fußboden gekrochen und hab meine Wohnung vollgespuckt. Mein Freund hat das dann mit dem Staubsauger entsorgt.

Barbara: Typisch Mann. Einfach mit ’ner Maschine wegsaugen.

Sarah: Und dann hat er den Staubsauger in den Schrank gestellt.

Barbara: Okay, ich geb’s jetzt zu: Ich habe auch mal nach einer Feier in einem Hotel gebrochen. Direkt in meinen Koffer. Da war ich 34.

Sarah: Was hast du mit dem Koffer gemacht?

Barbara: Reißverschluss zu und ab nach Hause. Aber Sarah, wir müssen zum Schluss jetzt echt noch mal appetitlicher werden: Für wen schwärmst du heute heimlich?

Sarah: Hmmm …

Barbara: Andreas Bourani?

Sarah: Haha! Ist der deine heimliche Schwärmerei? Hältst du mich für eine Cougar? So nennt man Berglöwinnen, die alles verschlingen und extrem gefährlich sind.

Barbara: Cougar klingt immer noch besser als "Schulschiff". So nennt man erfahrene Frauen, die jüngere Männer … Ach, lassen wir das. Sarah, ich danke dir für dieses Gespräch. Eine tolle Premiere.

Sarah: Fand ich auch. Aber "Schulschiff", du meine Güte …

"Kursgeberin und Inspirationsquelle"

 

Frau Schöneberger, was ist das Besondere an BARBARA?

Barbara Schöneberger: BARBARA ist eine Frauenzeitschrift, die letztendlich all das enthält, was man in anderen Zeitschriften auch findet: Rubriken wie Mode, Food, Lifestyle... Das Besondere ist aber, dass wir versuchen, alle Themen aus meinem ganz persönlichen Blickwinkel zu betrachten. BARBARA nimmt sich selbst nicht allzu ernst, und wir versuchen, viel Humor hineinzubringen. Und wir sprechen die Dinge klar aus. Das ist der rote Faden, der sich durch das gesamte Heft ziehen soll. Alle Themen sprechen mir direkt aus der Seele.

 

Welche zum Beispiel?

Schöneberger: Bei uns im Heft findet man Kochrezepte für Gerichte, an die man sich bislang nicht herangetraut hat: die Roulade, den Braten, den Hummer. Wo man sich bislang immer gesagt hat: "Schön, wenn das jemand anderes kocht, aber ich selbst mach’ das nicht." Wir erklären, wie man diese Gerichte ganz einfach und ohne viel Aufwand nachkochen kann. Ich bin immer schon ein Fan davon gewesen, nicht stundenlang in der Küche stehen zu müssen. Alles muss schnell und unkompliziert über die Bühne gehen. Zu allen Beiträgen gibt es auch immer wahnsinnig witzige Fotos. Das Layout generell ist toll. Alles sieht sehr schick aus.

 

Sie haben die Funktion Editor-at-Large. Darunter kann sich vielleicht nicht jeder etwas vorstellen. Wie sehen Ihre Aufgaben konkret aus?

Schöneberger: Ich weiß auch nicht genau, was es heißt, aber es fühlt sich jedenfalls gut an. Ich habe mich zuerst gefragt, was dieses "large" schon wieder zu bedeuten hat. Es klingt auf jeden Fall nach Größe. Für mich bedeutet es momentan jedenfalls, dass ich einmal pro Woche in die Redaktion gehe und die Redaktionskonferenz abhalte. Und es bedeutet auch, dass alles in Abstimmung mit mir passiert. Alles, was in dem Heft steht, wird von mir abgesegnet. Das heißt aber nicht, dass ich alles selbst schreibe, denn das soll und will ich auch gar nicht. Ich bin auf jedem Titel zu sehen, ich schreibe kleine Rubriken und Editorials und führe auch das große Interview.

Brigitte Huber: Barbara hat nicht umsonst den Titel Editor-at-Large. Das, was sie für BARBARA macht, gab es bislang in Deutschland nicht. Sie ist die Kursgeberin und zugleich die Inspirationsquelle. Wir wollen mit BARBARA ein Heft auf den Markt bringen, bei dem die Leserinnen zwei, drei Stunden Vergnügen haben - mit und dank Barbara Schöneberger. Sie steht dafür, dass sie nicht nur spontan ist, sondern auch das, was sie denkt, offen ausspricht und Themen auf den Tisch bringt. Deshalb wird es bei Interviews mit einem weiblichen Gesprächspartner in Richtung Mädelsabend gehen. Denn das passt zu Barbara Schöneberger. Bei dem großen Interview würde es auch keinen Sinn machen, wenn das ein Kollege übernehmen würde. Barbara muss ja mit auf das Foto. Sie ist in der Tat ein sehr lebendiges Mitglied unserer Redaktion.

 

Welche Themen haben in BARBARA von vornherein keine Chance?

Huber: Diäten, Work Out und irgendwelche To-Do-Listen. Kurzum alles, was uns in eine Zwangsjacke steckt, in die wir Frauen uns manchmal selbst und freiwillig begeben.

 

Wie gut sind Sie als Schreiberin, Frau Schöneberger?

Schöneberger: Wahnsinnig gut.

Huber: Das kann ich nur unterstreichen. Texte wie ihre hat man gerne auf dem Tisch, da gibt es nichts zu redigieren. Barbaras Sprachstil ist einzigartig, keiner kann ihn nachahmen, das ist ein enormer Vorteil. Egal ob beim Editorial oder beim Interview - sie schreibt auf den Punkt und auch gnadenlos witzig und humorvoll. Sie ist eine tolle Schreiberin.

 

Wie kam es überhaupt dazu, dass Barbara Schöneberger ein eigenes Heft bekam??

Huber: Wir haben gesehen, dass solche Zeitschriften im Ausland gut funktionieren, beispielsweise das von Oprah Winfrey in den USA oder das von Linda de Mol in Holland.

Schöneberger: Der G+J-Geschäftsführer Stephan Schäfer ist irgendwann in meinem Wohnzimmer gestanden und hat mich gefragt, ob ich mir so etwas vorstellen könne. Und ich habe geantwortet: "Darauf habe ich doch mein Leben lang gewartet."

 

Sie sind viel beschäftigt: Moderatorin, Sängerin, zweifache Mutter. Wann schreiben Sie Ihre Artikel?

Schöneberger: Im Zug, im Flugzeug oder am Flughafen. Das sind die einzigen Zeiten, wo ich mal eine Stunde Ruhe habe. Jeder Flug und jede Bahnfahrt, und davon gibt es ja einige pro Woche, ist für mich Arbeits- und Vorbereitungszeit. Ich habe noch nie einfach nur im Zug gesessen und dabei in die Landschaft gestarrt oder ein Buch gelesen. In den anderthalb Stunden von Berlin bis Hamburg kann man ordentlich was schaffen.

 

Was war das Schlimmste, was Sie jemals in einer Zeitschrift über sich gelesen haben?

Schöneberger: Ich lese eigentlich fast nur schlimme Sachen über mich. Ich denke mir dann meistens: Das habe ich doch anders gesagt. Oder vielleicht so gesagt, aber anders gemeint. Ich finde vor allem diejenigen Sachen schlimm, die gar nicht schlimm gemeint sind. Wenn man beispielsweise mit lustigen Adjektiven belegt wird wie "die lustige Quasselstrippe" oder "die lustige Allzweckwaffe". Ich lande manchmal einfach in Schubladen. Aber ich habe es mittlerweile verstanden, dass man in der öffentlichen Wahrnehmung dann eben in so einer Schublade steckt, und das ist auch okay. Man muss nicht die ganze Zeit dagegen ankämpfen und sagen: "Hey, ich bin aber auch karitativ tätig, schreibt doch das mal." Es ist eben so. Ich bin nun einmal die gut gelaunte Allzweckwaffe, der Atombusen, der Spaßkracher, whatever. Allerdings möchte ich, dass das Wort "Rampensau" nicht mehr mit mir in Zusammenhang gebracht wird. Das habe ich jetzt wirklich schon sehr häufig gelesen.

 

Welche Schlagzeile würden Sie gern noch einmal über sich lesen?

Schöneberger: Das ist doch ganz klar: "Barbara Schöneberger: erfolgreichste Zeitschriften-Einführung aller Zeiten".

Barbara im Interview

Wein oder Bier?

Ich bin kein großer Fan von Alkohol, die Kalorien esse ich lieber. Ich trinke Champagner, wenn es einen gibt, ansonsten lieber Wasser.

 

Mögen Sie lieber Sommer oder Winter?

Müsste ich mich entscheiden, nähme ich den Sommer, obwohl ich begeisterter Skifahrer bin.

 

Disko oder Bar?

Weder noch, ich sitze am liebsten im Restaurant.

 

5 Gänge Menü oder Fast Food?

Auf der Autobahn bei McDonald’s einzukehren, ist was Tolles. Richtig gutes Essen ist noch toller, wenn der Kellner nicht die ganze Zeit neben einem steht, um mir zu erklären, was ich esse und Wasser nachzuschenken.

 

Fahrrad oder Auto?

Fahrrad, aber nur bei perfekten Verhältnissen.

 

Müsli oder Toast zum Frühstück?

Ich tendiere zum Toast.

 

Cluburlaub oder Campingurlaub?

Cluburlaub finde ich schrecklich, ich möchte niemanden kennenlernen und nicht am Buffet anstehen, allerdings möchte ich noch weniger einen Waschraum am Campingplatz teilen.

 

Abendkleid oder Jogginghose?

Ich mag lieber die Jogginghose, öfter an habe ich das Abendkleid.

 

Tee oder Kaffee?

Kaffee.

News von Barbara

Barbara's coolste Sprüche

Selbstironie ist das klügste Stilmittel, um Unterhaltung zu machen.

 


 

Meine Kleider sind so eng, dass sie automatisch glatt gezogen werden, wenn ich sie anziehe.

 


 

Ich will keinen weichgespülten, gebräunten, haarlosen Kerl, der zur Maniküre geht. Ich stehe auf ganz normale, natürliche Männer – mit Haaren und Eigengeruch.

 


 

Ich habe schließlich kein Kind bekommen um mich mal richtig auszuschlafen.

 


 

Liebe ist auch etwas Großes – das kannst du nicht in sechs Sätzen in der Bild-Zeitung zusammenfassen.

 


 

Wenn Männer mein Dekolleté loben, freue ich mich. Denn sonst werde ich zu sehr auf meine inneren Werte reduziert.

 


 

Och, so ein Kind ist schnell gemacht! ...und meinen Körper hat es nicht verändert, ich sehe aus wie vorher.

 


 

Ich war nie die Coole. Ich war die mit der rosa Brille. Bis ich 30 war hab ich nichts getrunken.

 


 

Natürlich laufe ich privat nicht die ganze Zeit Grimassen schneidend durch die Gegend und lache mich tot. Aber ich muss auch nicht die Schwere der Welt erklären.

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